Zum 100. Geburtstag von Michael Blumenthal: Auf die innere Stärke kommt es an

Die Flucht von Berlin nach Shanghai 1939 habe ihn gelehrt, „dass Namen, Titel und Positionen nicht wirklich zählen“, hat Michael Blumenthal einmal in einem Interview mit der „Jüdischen Allgemeinen“ erzählt. „Das ist alles nur Verzierung. Das beeindruckt mich keinesfalls. Wichtig ist, was du aus deinem Leben machst. Die innere Stärke, darauf kommt es an. Und auf die Gemeinschaft.“

1939 Flucht nach Shanghai

Dreizehn Jahre war Blumenthal damals alt, und natürlich war die Emigration nach Shanghai, nachdem der Vater 1938 in einem KZ interniert, gefoltert und nach sechs Wochen wieder freigekommen war, ein einschneidendes Erlebnis für den jungen Blumenthal.

Die Erkenntnisse, die er hier gewann, haben ihn durch sein bewundernswertes Leben getragen, die Erfahrungen, die er machen musste als Hilfsarbeiter im Hafen von Shanghai, als er nach der Trennung der Eltern 1942 ganz auf sich allein gestellt war. Einen „elenden Wartesaal“ hat er die Zeit in China später genannt.

Geboren am 3. Januar 1926 in Oranienburg, kurz vor der Stadtgrenze Berlins, wo die Eltern am Olivaer Platz ein Textilgeschäft führten, schloss sich für ihn in Berlin schließlich ein Kreis als Gründungsdirektor des Jüdischen Museums, das er von 1997 bis 2014 geleitet hat. Zunächst nur ein Teil des Berlin Museums, bestand Blumenthal auf der Eigenständigkeit des Jüdischen Museums.

Am 1. Januar 1999 wurde es als Einrichtung des Landes Berlin gegründet, da gab es den Neubau in der Lindenstraße schon. Über zwei Jahre später dann wurde es eröffnet, zwei Tage vor den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. 9. 2001, und als Stiftung in die Trägerschaft des Bundes übernommen. Es ist nicht zuletzt Blumenthal zu verdanken, dass sich das Museum nicht allein der Geschichte der Juden in Berlin und Deutschland widmet, sondern überhaupt der jüdischen Kultur vom Mittelalter bis zur Gegenwart.