„Wir waren wie gelähmt“: Alba Berlin verliert die Nerven und das Pokal-Halbfinale

Israel Gonzalez nahm eine Auszeit und redete auf sein Team ein, auf der Tribüne stieg der Einpeitscher im Berliner Block auf eine Absperrung und animierte die Fans. Doch es half alles nichts, Alba Berlin war in der Schlussphase des Halbfinals um den Pokal gegen Ulm völlig von der Rolle. Die Mannschaft leistete sich Ballverluste, fand offensiv keine Lösungen mehr und verspielte so einen Acht-Punkte-Vorsprung im letzten Viertel. „Wir waren wie gelähmt, haben sehr dumme Fehler gemacht und zu schnell die Köpfe hängen lassen“, sagte Weltmeister Johannes Thiemann.

Der Deutsche Meister aus Ulm bezwang Alba wie schon in den Play-offs der vergangenen Saison und steht durch das 87:79 (19:18, 23:22, 17:21, 28:18) vor 6500 Zuschauern in der ausverkauften Münchner Rudi-Sedlmayer-Halle im Endspiel. Gegner dort ist am Sonntag (14 Uhr) Gastgeber FC Bayern, der sich im ersten Halbfinale locker und leicht 82:61 gegen Bamberg durchgesetzt hatte. 

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Punkte erzielte Ulms Topscorer Trevion Williams

Vor dem Spiel hatten sich beide Trainer gegenseitig die Favoritenrolle zugeschoben und wie erwartet war das Duell deutlich enger als das erste Halbfinale. Ulm startete extrem aggressiv und Karim Jallow klaute Thiemann gleich im ersten Angriff den Ball. Doch auch Albas Weltmeister setzte sich offensiv schnell in Szene.

Nationalmannschaftskapitän Dennis Schröder nutzte das Allstar-Weekend in der NBA für einen Besuch beim Top Four in München.
Nationalmannschaftskapitän Dennis Schröder nutzte das Allstar-Weekend in der NBA für einen Besuch beim Top Four in München.

© dpa/Daniel Löb

Mit den ersten Wechseln verloren die Berliner etwas den Faden, das lag allerdings nicht am Comeback von Louis Olinde nach zwei Monaten Pause wegen der Nachwirkungen einer Gehirnerschütterung. Ulms spanisches Wunderkind Juan Nuñez zeigte in dieser Phase mit geschmeidigen Bewegungen und viel Übersicht sein Talent. Bis auf sieben Punkte setzte sich sein Team im ersten Viertel ab, doch das sollte eine kurze Momentaufnahme bleiben.

Das galt genauso für einen kleinen Berliner Lauf im zweiten Abschnitt, der Alba mit 36:32 in Führung brachte. Ulms Trainer Anton Gavel nahm sofort eine Auszeit und so wogte das Geschehen hin und her. Der Rekordpokalsieger aus Berlin hatte in dieser Phase nicht nur mit dem aggressiven Gegner zu kämpfen, sondern auch mit einigen zumindest fragwürdigen Entscheidungen des Schiedrichtergespanns.

Es war basketballerisch kein hochklassiges Spiel, aber ein echter Pokalfight zweier Teams auf Augenhöhe. Eigentlich ist das nicht unbedingt die Spezialdisziplin der jungen Berliner, doch die Mannschaft von Trainer Israel Gonzalez präsentierte sich trotz einiger Widrigkeiten lange Zeit stabil. Auch wenn mit Matt Thomas der beste Distanzwerfer überhaupt nicht ins Spiel fand und Thiemann schon kurz nach dem Seitenwechsel sein drittes Foul kassierte, fand Alba alternative Lösungen.

Diese hießen vor allem Gabriele Procida und Matteo Spagnolo. Die jungen Italiener waren maßgeblich beteiligt an der besten Phase des Rekordpokalsiegers. Nach einem Dreier von Spagnolo lag Alba Anfang des Schlussviertels 67:60 in Führung und das Momentum war voll auf Berliner Seite. Doch anschließend gelang dem Team fast fünf Minuten kein Korb mehr aus dem Spiel, Ulm zog vorbei und Alba ergab sich in sein Schicksal.