Radio Eins auf dem Weg zum Radio eins in Berlin: Die Gefahr von 242.00 Hörerinnen und Hörer

Es ist ein Erfolg, der Sorgen machen kann. Radio Eins ist auf dem Weg zur Radio-Nummer eins in Berlin. Durch einen sagenhaften Zuwachs um 30.000 Hörerinnen und Hörer im Vergleich der vergangenen mit der aktuellen Media-Analyse kann das RBB-Programm jetzt 242.000 Einschaltende (heißt das so?)  täglich melden. Damit liegt Radio Eins nur noch knapp hinter dem Marktführer Berliner Rundfunk 91,4, der die Tagesrekordmarke 253.000 ausweist.

Allerlei-Angebot

Liegt es daran, dass das dezidierte Programm „Nur für Erwachsene“ sich zum Allerlei-Angebot für die Berlinerinnen und Berliner aufgemacht hat? Allein und nur zum Beispiel: Unter den Podcasts finden sich wahre Laber-Schätze. Auch die Musikfarbe, das vielleicht deutlichste Unterscheidungs-, sprich Alleinstellungsmerkmal, hat was vom „Middle of road“-Anstrich angenommen. Will sagen: Der Erfolg von Radio Eins in die Mitte der Radiohörer in Berlin hinein hat seine guten und seine schlechten Gründe.

Einerseits. Andererseits. In welcher Großstadt hat ein vergleichbares Radioprogramm solche Popularität? Offenbar hat sich Radio Eins auf Berlin zubewegt wie Berlin auf Radio Eins. Für das Medium eine phantastische Nachricht: Hörfunk kann so viel mehr sein als nur eine Hitlisten-Abspielstation, mehr als Gewinnspiel, 24/7-Gute-Laune, kurz, mehr als Durchschnitt.

Für den Hörer und die Hörerin freilich eine paradoxe Situation: Es war ein Leichtes, sich mit Radio Eins als Radio-Connaisseur auszugeben und anzugeben. Wer Radio Eins einschaltete, fühlte sich als was Besseres. Intellektuell überlegen, zum Hinhören herausgefordert, die Musik als Exploration in neue, ungewohnte Gefilde. Radio Eins hören, das war die gewollte Trennung des Feingeist-Hörers vom Radio-Proleten. Sei mein Buddy, Radio Eins!

Das Programm war schlichtweg cool. Und jetzt? Wo soll die Reise hingehen? Radio Eins als Radio eins verlangt weitere Opfer.