Niederlage in vorletzter Minute: Hertha BSC verliert das Testspiel gegen Standard Lüttich

„Toni, mach dein Tor!“, rief ein Fan von Hertha BSC, als Paul Seguin am anderen Ende des Spielfelds zur Ausführung einer Ecke bereitstand. Aber Toni, also Innenverteidiger Toni Leistner, kam nicht an den Ball. Seguins Hereingabe blieb gleich am ersten gegnerischen Verteidiger hängen.
So wurde es nichts mit Leistners Tor – und auch nichts mit einem Sieg für Hertha zum Abschluss des Trainingslagers an der Algarve. Am Ende musste sich der Berliner Fußball-Zweitligist Standard Lüttich sogar noch geschlagen geben. In vorletzter Minute ermöglichte Ersatztorhüter Marius Gersbeck den Belgiern durch einen Fehler das Tor zum 2:3 (1:2)-Endstand.
Im einzigen Testspiel der Wintervorbereitung hatten zuvor Michael Cuisance und Jeremy Dudziak die Tore für die Berliner erzielt, die an diesem Samstag nach einer Woche in Portugal in die Heimat zurückkehren. In einer Woche steht für sie dann das erste Spiel der Rückrunde an.
Die Aufstellung gegen Lüttich lieferte womöglich schon einige Hinweise auf die Planungen von Trainer Stefan Leitl für das Heimspiel gegen den Tabellenführer Schalke 04 (Samstag, 20.30 Uhr). Um den Ernstfall zu proben, stand Toni Leistner gegen den Sechsten der ersten belgischen Liga nicht in der ersten Elf. Er wird nach seiner Roten Karte aus dem letzten Hinrundenspiel gegen Bielefeld auch nächste Woche fehlen.
Etwas überraschend saß Deyovaisio Zeefuik zunächst auf der Bank. Für ihn lief in der ersten Hälfte Julian Eitschberger als rechter Außenverteidiger auf. Im finalen Spiel der Hinrunde hatte Leitl den 21-Jährigen noch aus dem Kader gestrichen, nachdem der seinen Wunsch geäußert hatte, Hertha im Winter zu verlassen.
Ob Eitschberger im Duell mit Zeefuik im Moment wirklich die Nase vorn hat, ist schwer einzuschätzen. Gegen Lüttich leistete er sich zehn Minuten vor der Pause einen billigen Stellungsfehler, der dem Gegner eine große Möglichkeit eröffnete – zum Glück für Hertha und vor allem für Eitschberger aber folgenlos blieb.
Tatsächlich scheint es mit Blick auf das Spiel gegen Schalke nicht mehr viele offene Personalfragen zu geben. Eine ist, wer rechts in der Viererkette spielen wird: Zeefuik oder Eitschberger? Linus Gechter wird für diese Rolle nicht zur Verfügung stehen, da er für den gesperrten Leistner in der Innenverteidigung benötigt wird.
Die andere Frage lautet: Wer läuft als Mittelstürmer auf: Luca Schuler, der gegen Lüttich schon nach etwas mehr als einer halben Stunde von Sebastian Grönning ersetzt wurde, oder Dawid Kownacki? Wegen eines grippalen Infekts ist der Pole nicht mit an die Algarve geflogen, sondern wie Diego Demme in Berlin geblieben.
Kownacki soll nächste Woche wieder trainieren
Anders als zunächst geplant reiste er auch nicht mehr nach ins Trainingslager. Zu Beginn der neuen Woche aber soll der Mittelstürmer wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Neben Demme und Kownacki fehlten gegen Lüttich zudem der angeschlagene Kevin Sessa sowie Marton Dardai und Maurice Krattenmacher, die beide erkältet sind.
Hertha ging bereits früh in Führung. Kennet Eichhorn eroberte in der eigenen Hälfte den Ball, spielte einen doppelten Doppelpass mit Kapitän Fabian Reese, dessen Pass von der linken Seite bei Michael Cuisance im Lütticher Strafraum landete. Der Franzose ließ noch einen Gegenspieler aussteigen, ehe er zum 1:0 für die Berliner vollendete.
Die Führung aber währte gerade mal 100 Sekunden, und auch daran war Cuisance beteiligt. Im Mittelfeld verlor er nach beherztem Pressing der Belgier den Ball, Marco Ilaimiharitra wurde auf dem Weg Richtung Berliner Tor komplett unbehelligt gelassen. Gegen seinen Schuss aus knapp 20 Metern hatte Tjark Ernst im Hertha-Tor keine Abwehrchance.
Nach einer weitgehend ausgeglichenen Anfangsphase fand Standard immer besser ins Spiel und bestimmte das Geschehen weitgehend. Das 2:1 für die Lütticher fiel allerdings durch einen Freistoß kurz vor dem Strafraum der Berliner. Der Schuss von Casper Nielsen flog durch die Mauer hindurch ins Tor.
In der zweiten Hälfte erspielte sich Hertha einige Chancen zum Ausgleich. Zehn Minuten nach der Pause zum Beispiel in einer Kontersituation, als sich drei Berliner einem einzigen Lütticher gegenübersahen. Doch am Ende stand Kennet Eichhorn im Abseits, so dass die gute Gelegenheit ungenutzt blieb.
Dass Hertha 20 Minuten vor Schluss doch noch der Ausgleich gelang, war dann vor allem Lüttichs erst kurz zuvor eingewechseltem Torhüter Quentin Durak zu verdanken. Er spielte den Ball im eigenen Strafraum zu Jeremy Dudziak, der wenig Mühe hatte, zum 2:2 zu treffen.
Angesichts einiger Chancen in der zweiten Hälfte wäre das Unentschieden für Hertha auf jeden Fall verdient gewesen. Wenige Sekunden vor Schluss aber sicherte Léandre Kuavita den Belgiern mit seinem Tor zum 3:2 doch noch den Sieg – weil Gersbeck seinen weder harten noch platzierten Schuss nicht abgewehrt bekam.