Nächstes Großprojekt der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Staatsbibliothek wird für 1,1 Milliarden Euro saniert

Die Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße ist extrem beliebt. An Werktagen kommen bis zu 3000 Menschen, manchmal bilden sich sogar Schlangen. Das geht nicht spurlos vorüber an Hans Scharouns Meisterbau, seinem zweiten nach der Philharmonie gleich gegenüber.

Eine umfassende Sanierung des 1978 eröffneten Gebäudes ist seit vielen Jahren überfällig. Jetzt wird sie endlich angepackt: 1,1 Milliarden Euro soll das Projekt bis zu seiner endgültigen Wiedereröffnung 2041 kosten, 350 Millionen Euro stehen zusätzlich für Teuerung und Risiken als Sicherheit bereit.

Bis 2030 dürfen die Nutzer noch kommen

Bis 2030 laufen zunächst die vorbereitenden Maßnahmen hinter den Kulissen, insgesamt müssen 5,4 Millionen Bücher zwischengelagert werden. Danach wird die Staatsbibliothek für elf Jahre geschlossen. Für die vielen Besucher bedeutet das eine Form von Heimatlosigkeit, auch wenn die Bücher über die Leihstelle im Haus Unter den Linden weiterhin verfügbar bleiben. Sie kommen nicht nur zum Lesen, sondern nutzen diverse Medien, arbeiten an einem der Schreibtische, treffen sich mit Lerngruppen oder wollen sich einfach nur hier aufhalten. Denn Bibliotheken gehören heute zu jenen wichtigen „dritten Orten“, an denen sich Menschen ohne Konsum und Kosten begegnen können.

Scharouns „Bücherschiff“ ist eine Ikone des West-Berliner Städtebaus. Präsidentin Marion Ackermann geriet bei der Vorstellung dieses nächsten Großprojekts der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ins Schwärmen über die Lichtführung, Farbgebung und Choreografie. Allein die integrierten Kunstwerke: Camaros Fenster oder Erich Fritz Reuters 5000 Quadratmeter zählender Boden aus Natursteinboden im Entree.

Staatsbibliothek zu Berlin. Herbst 2024
Jede Kalotte, die runden Lichtöffnungen an der Decke, muss im Lesesaal einzeln vorsichtig heruntergelassen und gereinigt werden.

© © Stabi Berlin, Foto: nilo – Agentur für Fotografie.

Wäre da nicht die Schadstoffbelastung durch Asbest und die dringend benötigte technische Aufrüstung. Bei den Sanitäranlagen teilt sich der akute Notstand bereits vor Betreten olfaktorisch mit. Im Lesesaal des Ibero-Amerikanischen Instituts steht dauerhaft ein Eimer, um das von der Decke tropfende Wasser aufzufangen. Ein Viertel der Aufzüge funktioniert nicht, und erst vor Kurzem ging ein Fernwärmeventil im Untergeschoss des Bücherturms kaputt.

Als Folge dieser Havarie mit Heißluft- und Wasseraustritt mussten die benachbarten 50. 000 Bücher ins Lager am Westhafen gebracht werden, das der Stabi seit dem Umbau ihres Hauses Unter den Linden zur Verfügung steht. Die Bibliothek sei massiv „heruntergerockt“, konstatierte der stellvertretende Direktor Reinhard Altenhöner.

Künftig dürfen Besucher auf die „Decks“ vom „Bücherschiff“

Umso begeisterter von den Erneuerungsmaßnahmen berichtete Stephan Schütz vom Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner, das 2019 beim Wettbewerb für die Sanierung gesiegt hatte: Das ursprüngliche Konzept von Scharoun soll zurückgewonnen werden, so Schütz. Die Einbauten aus den 1980er und 1990er Jahren werden wieder herausgenommen, und es soll keine Barrieren mehr im Eingang geben, die Kontrolle funktioniert dann über in den Bücherrücken eingesetzte Chips.

Der Parkplatz vor dem Haupteingang wandelt sich in eine Grünfläche, überhaupt steigert sich die Aufenthaltsqualität. So werden die „Decks“ von Scharouns „Bücherschiff“, jene bislang ungenutzt gebliebenen Terrassen rund um das Gebäude, zugänglich gemacht. Der hintere Bereich des Foyers, wo heute die Milchbar schlummert, bekommt eine eigene Gastronomie.

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