Kinostarts der Woche: Bei ihrem Hund versteht sie keinen Spaß
Auch Superheld:innen brauchen mal eine Pause vom ständigen Weltretten. Es sei denn, es geht um die Rettung eines geliebten Vierbeiners– so zumindest im Fall von „Supergirl“ (Craig Gillespie).
Außer Action aus dem DC-Universum bietet die aktuelle Kinowoche auch Horror aus der Mannosphere („Obsessed“) und poetische Sommer-Filme („Das Sommerbuch“).
1 Obsession – Du sollst mich lieben
Es ist nur ein harmloser Satz, aus reiner Verzweiflung dahergesagt. „Ich wünsche mir, dass Nikki Freeman mich mehr liebt als alles andere.“ Doch der Wunsch wird Folgen haben.
Bear (Michael Johnston) ist in seine beste Freundin Nikki (Inde Navarrette) verknallt, traut sich aber nicht, ihr seine Gefühle zu beichten. Als er in einem New-Age-Laden ein Gimmick entdeckt, das seinem Besitzer Wünsche erfüllen soll, wird sein Traum wahr. Zunächst.
Die zuvor toughe Nikki entwickelt eine ungesunde Fixierung auf ihren neurotisch schüchternen Kumpel: Erst verwandelt sie sich in eine schockverliebte Traumfrau und schließlich in eine Albtraum-Freundin, die nachts die Wohnungstür mit Gaffa-Tape zuklebt.
Auf den ersten Blick ist Bear das positive Gegenbild zur misogynen Figur des Incels, der weibliche Zurückweisung in der analogen Welt in digitalen Hass ummünzt. Im Grunde ist er gutmütig, aber unfähig, Verantwortung zu übernehmen – auch als längst klar ist, dass das Verhalten Nikkis selbstzerstörerische Züge annimmt.
Im Zeitalter von Internet-Dating und der Manosphere ist der „nette Typ“ zur eigentlich bedrohlichen Figur geworden.
„Obsession“ schwankt zwischen Faszination und Mitleid für Nikki, die innerhalb von Sekunden von entwürdigender Unterwürfigkeit in furiose Eifersuchtsraserei umschaltet. Die oscarreife Performance von Inde Navarrette lenkt gelegentlich allerdings von der Tatsache ab, dass auch dieses „Monster“ Produkt einer männlichen Fantasie ist.
Der Horror ist in „Obsession“ nicht etwa die vermeintliche „Psychose“ Nikkis (das klassische Framing), sondern dass sich die „Schöpfung“ erneut der Kontrolle ihres Schöpfers entzieht. (Andreas Busche)
2 Power Ballad – Der Song meines Lebens
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Im roten Sonnensystem kann eine Superheldin, ganz ohne ihre „irdischen“ Superkräfte, mal ganz sie selbst sein – und die Sau rauslassen.
Außerdem knallt der Whiskey hier besser als auf der Erde, wo Supergirl qua ihrer familiären Verflechtungen automatisch in der Verantwortung für das Wohl des Planeten steht.
Die Videoanrufe von Cousin Clark bleiben unbeantwortet, die 21-jährige Kara, gespielt von „House of the Dragon“-Entdeckung Milly Alcock, liegt mit Kater im Bett. Und mit Hund. Ihr vierbeiniger Begleiter Krypto ist auch Auslöser für die jüngste Eskapade im „DC Cinematic Universe“.
Kara ist das Riot Grrrl unter den Superhelden. Oder nach Charli xcx: „brat“. Auf Weltenrettung hat sie keinen Bock, doch als ein interstellarer Scherge (Matthias Schoenaerts) ihren Hund vergiftet, sieht die Superheldin rot. Im Schlepptau hat sie die junge Ruthye (Eve Ridley), die den Tod der Eltern rächen will.
„I, Tonya“-Regisseur Craig Gillespie hat ein Faible für renitente Heldinnen mit unorthodoxen Methoden. Für das DC-Universum ist dieses Supergirl allemal eine Bereicherung. (Andreas Busche)
4 Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war
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Man muss bei diesem Film von Charlie McDowell wohl von einem Kammerspiel sprechen, obwohl sich mindestens zwei Drittel davon draußen abspielen, auf einer Schäreninsel im finnischen Meerbusen.
„Das Sommerbuch“ basiert auf einem Roman der finnischen Schriftstellerin und „Mumins“-Erfinderin Tove Jansson und erzählt getreu der Vorlage, wie die neunjährige Sophia (Emily Matthews) mit ihrem Vater (Anders Danielsen Lie) und ihrer Großmutter die Sommerferien auf eben jener Insel verbringt.
Es wird wenig gesprochen, es passiert im Grunde nichts. Der Vater ist depressiv nach dem Tod seiner Frau, und die Großmutter, großartig gespielt von Glenn Close, versucht Sophia über die schwere Zeit hinwegzuhelfen.
Viel Wasser, viel Wind, eine Mittsommernacht, ein Sturm, und einmal treffen Sophia und ihre Großmutter auf der Nachbarinsel eine Familie.
So ruhig und leise „Das Sommerbuch“ ist, so nachdenklich, gebrechlich, elegisch Glenn Close spielt, prägt sich der Film immer tiefer ein. Und am Ende ist man einfach nur beglückt. (Gerrit Bartels)
6 Couscous und Geheimnisse
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