Kino-Tipps der Woche: Flug ohne Wiederkehr
Bei all dem täglichen Fußballtrubel könnte man es fast vergessen: Mitte des Jahres ist Fußball-Weltmeisterschaft. Zur Einstimmung läuft eine Doku über den deutschen WM-Triumph 1990 in Italien in den Kinos an.
Gegen zu viel Sentimentalität hilft nur ein Trip in den Weltraum, mit Ryan Gosling.
1 Der Astronaut – Project Hail Mary
Einer der besten Science-Fiction-Filme der vergangenen 20 Jahre war Ridley Scotts „Der Marsianer“, in dem Matt Damon als auf dem Mars gestrandeter Astronaut ums Überleben kämpft. Scott und Drehbuchautor Drew Goddard hatten eine solide Basis: den Bestseller des US-Autors Andy Weir, eine 500-Seiten-Schwarte.
Nun läuft die Verfilmung von Weirs drittem Roman „Project Hail Mary“ an, auf Deutsch 2021 als „Der Astronaut“ erschienen. Das Drehbuch hat erneut Drew Goddard geschrieben, Regie führen Phil Lord und Christopher Miller, die bislang eher in komödiantischen Gefilden unterwegs waren.
Bei genauerem Hinsehen erschließt sich die Wahl, in der tragisch-dramatischen Erzählung von „Project Hail Mary“ steckt eine Menge humoristisches Potenzial.
Dies zu heben, ist die Aufgabe von Ryan Gosling, dessen titelstiftender Astronaut namens Ryland Grace sich in einer ähnlichen Notlage wiederfindet wie der Marsianer: Völlig desorientiert erwacht er aus einem künstlichen Koma und stellt fest, dass er der einzige Überlebende in einem Raumschiff ist, das seit zehn Jahren auf der Reise in ein anderes Sonnensystem ist.
Grace’ Begeisterung weicht Panik
In Rückblenden wird erklärt, wie der Lehrer und visionäre Molekularbiologe Teil einer weltumspannenden Taskforce wird. Sie soll das Erkalten der Sonne verhindern, die von Mikroparasiten verzehrt wird.
Grace’ Begeisterung weicht Panik, als ihm die Missionsleiterin (wunderbar lakonisch: Sandra Hüller) eröffnet, dass er an dem Flug ohne Wiederkehr teilnehmen muss.
Die Genese eines Astronauten wider Willen ist als Mix aus Slapstick, nerdigem Science-Talk und Sentiment so unterhaltsam wie amüsant. Doch erst durch die anrührendste intergalaktische Bromance seit „E.T.“ wird der Film zum Ereignis.
Grace ist nicht der einzige Gestrandete. Ein fremdes Raumschiff kreist um die ferne, nicht von den Sternenfressern befallene Sonne: Auch an Bord dieses kristallinen Objekts von überirdischer Schönheit ist ein Überlebender, der seine eigene Welt retten will. Und nach genreüblichen Anlaufschwierigkeiten wird das steinhäutige, kurzerhand „Rocky“ getaufte Kopffüßler-Alien zum Kumpel des Weltraum-Robinsons.
Das alles birgt erhebliches Kitschpotenzial, von Daniel Pembertons bombastischem Score punktuell verstärkt. Doch Ryan Goslings schelmisches Spiel mit der Selbstironie und das einfühlsame Skript machen „Project Hail Mary“ zum Kinomirakel, in dem sich Science-Fiction-Fans aller Altersstufen reuelos dem Staunen hingeben können. Und sicher die eine oder andere Träne verdrücken werden. (Jörg Wunder)
2 La Grazia
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Die Bühne in einem verrauchten Comedy-Club ist nicht der beste Ort, um eine gescheiterte Ehe Revue passieren zu lassen. Erst recht nicht, wenn die eigene Frau zufällig im Publikum sitzt. Tess (Laura Dern) muss sich also anhören, wie Alex (Will Arnett) nach der Trennung Sex mit einer anderen hatte – und erst dadurch realisiert, wie sehr er seine Frau vermisst.
Die Ehe ist ein kompliziertes Arrangement voller Kompromisse und Enttäuschungen: Bradley Coopers dritte Regiearbeit findet in der Desillusionierung nach über 20 Jahren Partnerschaft und zwei Kindern aber immer noch bittersüße Momente. Alex stolpert eher ungeplant auf die Stand-up-Bühne und findet Befreiung in der therapeutischen Gruppensituation.
Und Tess hat plötzlich wieder Ambitionen, an ihre erfolgreiche Karriere als Volleyballerin anzuknüpfen. Cooper, der selbst eine Nebenrolle als Stoner-Buddy übernimmt, findet nach seinen Showbiz-Dramen ein intimes Setting für die Ehe-Dynamik, seine Bilder wirken improvisiert wie Alex’ Comedy-Act und warm wie sein Blick auf seine beiden Stars. Manchmal muss man die Liebe eben nehmen, wie sie kommt. (Andreas Busche)
4 DJ Ahmet
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Im November 1989 fiel die Mauer, im Juli 1990 wurden die deutschen Fußballer in Rom Weltmeister. Die historischen Umstände werden von Vanessa Goll und Nadja Kölling nur gestreift, aber sie schwingen im Quartier der Mannschaft immer mit.
Denn obwohl die DDR offiziell noch existierte und nur die alte BRD Weltmeister wurde, ist der Titelgewinn als gesamtdeutscher verstanden worden. Die Stimmung ist vom Geist des Aufbruchs geprägt.
18 Zeitzeugen, die nicht nur dabei waren, sondern mittendrin
„Am ersten Tag sind wir praktisch auf eine rosa Wolke gestiegen und damit durch das ganze Turnier geflogen“, sagt Thomas Häßler. „Ein Sommer in Italien“ ist eine nostalgische Reise, in der ausschließlich Spieler und Mitglieder des Trainerstabs zu Wort kommen: 18 Zeitzeugen, die nicht nur dabei waren, sondern wirklich mittendrin.
Das ist die Stärke der Doku. Sie erzählt chronologisch vom rauschhaften Auftakt gegen Jugoslawien bis zum einseitigen Endspiel gegen Argentinien. „Wir haben untereinander so viel Spaß und Freude gehabt“, sagt Guido Buchwald. Kapitän Lothar Matthäus hat das letzte Wort: „Die 1990er, die hatten Charakter. Und darauf bin ich stolz.“ (Stefan Hermanns)
6 Maysoon
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