Einer von den Guten: Clueso: Für diese Konzerte in Berlin gibt es noch Karten
Für alle, die sich etwas deutlicher von Mark Forster, Tim Bendzko und Co. abgrenzen wollen, haben wir Anadolu-Rock-Mutationen aus Amsterdam, rustikalen Garage-Wüstenrock, einen nordirischen Erzmelancholiker und Heavy-Metal-Adel aus dem Ruhrpott für Sie ausgesucht.
1 Altın Gün

© Sanja Marusic
Natürlich war der Ausstieg von Merve Daşdemir 2024 ein herber Verlust für Altın Gün, die mit ihrer Hommage an türkische Popmusik der Siebziger die Welt eroberten.
Daşdemirs Wechselgesänge mit dem ebenfalls türkeistämmigen Keyboarder Erdinç Ecevit Yıldız waren ein Markenzeichen des Kollektivs aus Amsterdam. Sie verliehen den eklektischen Anadolu-Rock-Mutationen melodischen Reichtum und Authentizität.
Auf dem sechsten Album „Garip“ (dt.: seltsam) klingen Altın Gün nun so traditionell wie selten zuvor. Die Diskobeats, wie auf dem Hipster-Hit „Doktor Civanım“ von 2023, sind passé.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
© Trinity/Promo
Man sieht es dem freundlichen Mittsechziger nicht an, aber Brian Tristan, bekannt als Kid Congo Powers (Mitte), hatte als furchtloser Gitarrenwürger bei drei der allerwildesten 80er-Jahre-Indierock-Bands seine flinken Finger im Spiel.
Der Kalifornier war Vorsitzender eines Ramones-Fanclubs, ehe er 1980 bei der legendären Krawallcombo The Cramps anheuerte. Mitte des Jahrzehnts spielte er bei Nick Cave & The Bad Seeds, später bei The Gun Club, wo sein furioses Gitarrenspiel die Kapriolen von Jeffrey Lee Pierce erdete.
Seither blieb er der gute Geist über allen Indierock-Wassern. Mit Mark Cisneros (links) und Ron Miller (rechts) bildet er seit einigen Jahren das Trio Kid Congo & The Pink Monkey Birds, deren rustikaler Garage-Wüstenrock die goldene Indie-Ära wachruft. (wun)
3 Clueso

Er hatte Features mit Deutschrappern von Bausa bis Bozza und heimste diverse Gold-Auszeichnungen ein. Dass ihm Musik aber nicht nur wirtschaftliches, sondern ein persönliches Anliegen ist, beweist sein zehntes Album „Deja Vu 1/2“.
Songs wie „Gib mir was Echtes“ und „Minimum“ klingen durch psychedelische Bluesfolk-Gitarre, Saxofon und zugängliche Texte wie ein Mix aus dem Springsteen-Heartlandrock von The War On Drugs und den klugen Connaisseuren von Die Höchste Eisenbahn.
Die Strophen von „Jedes Jahr“ erinnern an Kraftklub, der Refrain mit seinen Chören doch an jene Deutschpoppoeten, mit denen er Zusammenarbeiten ebenfalls nicht scheut. Auch andere „Nummern“ würden im Dudelfunk nicht stören.
Aber dass hier einer mehr kann und will als viele seiner Kollegen, beweist eine in Moll gesungene, programmatische Zeile: „Auch wenn das Schwere überwog, lässt mich die Leichtigkeit nie los“. (soet)
4 The Divine Comedy

Der 55-Jährige, Sohn eines anglikanischen Bischofs, ist ein sensationeller Sänger, der einen Ton auch mal 35 Sekunden halten kann, wenn es darauf ankommt, etwa im Finale der himmelhochjauchzend Höllenschlünde des Jammers auslotenden Liebeskummerballade „Our Mutual Friend“ von 2004.
Und er ist als Songschreiber eine Ausnahmeerscheinung im angelsächsischen Pop. Uns fallen eigentlich nur Jarvis Cocker von Pulp oder Richard Hawley als Vergleichsgrößen ein, die aber beide nicht mit Hannons Produktivität mithalten können. (wun)
5 Tessa Rose Jackson

© Trinity/Promo
Seit 45 Jahren zählt Axel Rudi Pell zum deutschen Heavy-Metal-Adel, erst als wuseliger Gitarrist der Speedmetal-Band Steeler und seit 37 Jahren als Namensgeber, Saitenderwisch und personelle Konstante von, genau, Axel Rudi Pell, der Band.
Mit 65 ist der Bochumer, der Gitarrenlegende Ritchie Blackmore von Deep Purple als großes Vorbild nennt, im besten Alter für einen goldenen Karriereherbst.
Und die Zeichen stehen nicht schlecht. Mit den letzten fünf Alben hat Axel Rudi Pell stets die deutschen Top 10 erreicht. Dem neuen, immerhin 23., „Ghost Town“, ist das auch zuzutrauen. (wun)