Gratis-Hefte, Festivals, Ausstellungen: Comic-Fans blüht ein buntes Frühjahrs-Programm
Die koreanische Comicszene hat sich international zu einem bedeutenden kulturellen Faktor entwickelt. Comics von der Südhälfte der koreanischen Halbinsel – dort Manhwa genannt – sind auch in Deutschland zunehmend populär. Jetzt gibt es hierzulande die Gelegenheit, einige der dortigen Zeichnerinnen und Zeichner live zu erleben.
Das Festival Comic Invasion Berlin hat in diesem Jahr einen Südkorea-Schwerpunkt. In Kooperation mit dem Korean Cultural Center Berlin gibt es mehrere Veranstaltungen mit Comicschaffenden aus Korea und der koreanischen Diaspora in Europa. Im Zentrum stehen Vertreterinnen und Vertreter der Independent- und Avantgarde-Szene.
Die beiden zentralen Festivaltage im Museum für Kommunikation Berlin sind der 9. und 10. Mai. Aber auch davor und danach gibt es weitere Programmpunkte im Satellitenprogramm des Festivals. Und einige der koreanischen Gäste verbinden den Berlin-Besuch mit einer Deutschlandreise und präsentieren ihre aktuellen Werke auch in anderen Städten.

© Avant-Verlag
Die wohl bekannteste Besucherin aus Südkorea in diesem Frühling ist Keum Suk Gendry-Kim. Die Autorin und Zeichnerin, die längere Zeit auch in Frankreich lebte und dort künstlerisch geprägt wurde, hat sich mit der dokumentarischen Graphic Novel „Gras“ über das Leben einer ehemaligen Zwangsprostituierten international einen Namen gemacht. Das Buch ist kürzlich auf Deutsch im Berliner Avant-Verlag erschienen. Dort wurde kurz zuvor auch ihr Sachcomic „Mein Freund Kim Jong-un“ veröffentlicht.

© Rotopolpress
Ausgehend von ihrer Großmutter, die alleinerziehend war und ihre Familie als Taucherin ernährte, beschäftigt sie sich mit der Biografie ihrer Mutter und dann auch mit ihrer eigenen Identität. Jeong-in Mun veranstaltet auf der Comic Invasion unter anderem einen Workshop mit dem Titel „Ein Porträt der Diaspora neu gestalten“ (9. Mai, 16 Uhr).
Paul Austers New-York-Trilogie als Comic
Insgesamt sind auf der Comic Invasion Berlin rund 80 Künstlerinnen und Künstler zu Gast und präsentieren ihre Werke auf der Artist Alley im Lichthof des Museums sowie bei mehreren Panels und Workshops für Besucherinnen und Besucher unterschiedlicher Altersgruppen. Zum Programm gehört auch eine Präsentation der Werke, die in diesem Jahr mit dem Comic-Stipendium des Berliner Senats sowie mit dem Comicbuchpreis der Berthold-Leibinger-Stiftung ausgezeichnet wurden.
Ab dem Festival-Wochenende wird im Museum für Kommunikation auch eine Ausstellung mit den Projekten gezeigt, die mit dem Berliner Comic-Stipendium gefördert werden. Sie läuft bis zum 30. August und enthält Werke von Nino Bulling, Anita Erling, Yitong Feng, Bernard Hage, Lizz Lunney, Claire Paq und Leonie Ott. Das ganze Comic-Invasion-Programm gibt es auf der Festival-Website.

© Gratis-Comic-Tag
Vorbild ist die Werbe-Aktion „Free Comic Book Day“ in Nordamerika, die deutsche Version gibt es seit 2010. In jüngster Zeit haben sich die Verlage dabei vorrangig auf ein jüngeres Publikum eingestellt, wenngleich es keine formale Altersbegrenzung gibt. Die Aktion soll dem Nachwuchs die Vielfalt der Kunstform näherbringen, die meisten der Gratis-Hefte sind Auszüge aus größeren Werken.
Unterhaltsame Aufklärung über das Leben mit Autismus
Neben deutschen Ausgaben internationaler Comicreihen wie „Avatar“, „Idefix“, „Spider-Man“ oder „Die Schlümpfe“ gibt es auch in diesem Jahr wieder Werke aus heimischen Zeichenateliers zu entdecken. Dazu zählt „Lisa und Lio – Das Mädchen und der Alien-Fuchs“ der Berliner Zeichnerin Daniela Schreiter. Die hat in den vergangenen Jahren mit ihrer dreibändigen Bestseller-Comicreihe „Schattenspringer“ Pionierarbeit in Sachen niedrigschwellige, unterhaltsame Aufklärung über den Alltag von Menschen mit Autismus geleistet.

© Bianca Schaalburg/Jacoby & Stuart
Zu den Zeichnerinnen, die hier live ihre Werke vorstellen, gehört Bianca Schaalburg, die im Erwachsenenprogramm am 7. Mai um 18.30 Uhr in der AGB aus ihrer politischen, in Berlin und Paris spielenden Graphic Novel „Emma und Amir: Im Schatten des Terrors“ liest. Am 8. Mai um 16 Uhr gibt es eine Comiclesung für Familien und Kinder mit Regina Kehn („Einmal kurz nicht aufgepasst“) in der Kinder- und Jugendbibliothek.
Und am 9. Mai um 11 Uhr liest Aisha Franz in der Kinder- und Jugendbibliothek für Kinder ab 7 Jahren aus ihrem neuen Science-Fiction-Comic „Drei aus der Zukunft: Quatsch lässt sich nicht programmieren“. Von Montag bis Sonnabend ist zudem in der Jugendbibliothek der ZLB eine Ausstellung mit Seiten aus Patricia Thomas dokumentarischem Comic „Im Jugendarrest“ zu sehen.
Woche der Meinungsfreiheit
Weitere Comic-Präsentationen im Mai gibt es in Berlin auch im Rahmen anderer Veranstaltungen. So tritt Bianca Schaalburg beim Programm zur bundesweiten Woche der Meinungsfreiheit in der Philipp-Schaeffer-Bibliothek in Mitte auf und liest dort am 12. Mai um 19.30 Uhr aus „Emma und Amir“.
Lange Buchnacht

Am 16. Mai gibt es im Berliner Comicladen Grober Unfug (Zossener Straße 33, 10961 Berlin) eine Signierstunde aus Anlass der neuen Ausgabe der auf Science-Fiction- und andere Genre-Comics spezialisierten Anthologie „Cozmic“. Ab 13 Uhr signieren die Zeichner Bela Sobottke („Terror 3000“) und Michael Vogt („Der kleine Perry“), unterstützt von Bert Henning („Der 50jährige Punk“).
Ende Mai kommt dann mit Alison Bechdel eine der wohl bekanntesten Comic-Autorinnen der USA nach Deutschland. Die Veranstaltungen zu ihrem neuen Buch „Kaputt“ am 27. Mai in Hamburg und am 28. Mai in Berlin sind allerdings schon ausgebucht. Hier ein Interview mit ihr, das sie kürzlich dem Tagesspiegel gegeben hat.