Enkelin des DDR-Architekten Henselmann: „Solch ein Leben hat einen Preis. Und den bezahlen auch andere“
Frau Anders, wie erklären Sie Fremden Ihre Herkunft, wenn es schnell gehen muss?
Ich sage, dass mein Großvater ein berühmter Architekt in der DDR war, dass der Fernsehturm und die Karl-Marx-Allee in Berlin mit ihm verbunden sind, und dass meine Familie bis heute ein Klan ist. Aber wenn ich das zu erklären beginne, wird’s kompliziert.
Ihr Großvater war Hermann Henselmann. Außerdem zählen Robert Havemann und Wolf Biermann zum erweiterten Familienkreis. So viele berühmte Namen.
Ich schäme mich nicht dafür. Aber die DDR ist schon eine Weile her. Manchmal treffe ich Architekten, denen Hermann Henselmann gar kein Begriff ist.
Und was ist das hässlichste Gebäude?
Muss ich darauf antworten?
Nun, ja.
Ehrlich gesagt, finde ich die Karl-Marx-Allee insgesamt nicht besonders schön, wenn man von den Türmen am Strausberger Platz absieht, die mich ein bisschen an New York erinnern.
Wie könnte man die Allee wieder schöner machen?
Vor kurzem habe ich bei einem Salon mit Anrainern gesprochen. Einer hatte die Idee, einen autofreien Sonntag zu initiieren, an dem Stühle auf die Straße gestellt und Theatervorstellungen gemacht werden könnten. Früher fanden auf der Stalinallee die offiziellen DDR-Paraden statt – wie wäre es heute mit einer Art Parade des Lebens?