Alles wird anders: Prinz Pi sagt Tschüss: Diese Konzerte in Berlin sollten Sie nicht verpassen
Außerdem für Sie ausgewählt: ein gut gealterter Softrocker, ein queeres Postpunk-Quartett, ein verkanntes Songwritergenie, ein Düsterrocker mit Grabesstimme und ein Überlebender der Grunge-Ära. Und als Bonus ein Ausflug in rocksinfonische Gefilde. Dies sind unsere Konzertempfehlungen für die kommende Woche.
1 Prinz Pi

© imago/Future Image/IMAGO/Nicole Kubelka
Dass die aktuelle Tour seine letzte werden würde, hatte Prinz Pi schon vor über einem Jahr angekündigt. Konzerte machten ihm zwar große Freude, sagt Friedrich Kautz, wie Prinz Pi bürgerlich heißt, lohnten sich aber finanziell nicht. Wenn man Pech habe, zahle man sogar drauf.
Inzwischen hat der 46-Jährige seinen völligen Rückzug aus dem Popgeschäft verkündet. Die Musik ist spätestens seit dem Umzug an den Stadtrand – Kautz lebt seit einigen Jahren mit seiner Frau und drei Kindern in Kleinmachnow – nicht mehr sein Fokus.
Kautz ist unter die Heimwerker gegangen, hat sein Haus komplett selbst renoviert, Möbel selbst gebaut. Seine Projekte dokumentiert er auf seinen Social-Media-Kanälen, gibt Tipps zum Selbstbauen. Beigebracht habe er sich alles selbst.
Unter dem Künstlernamen Prinz Pi macht er seit über 25 Jahren Deutschrap. Der Bezug zur Antike ist kein Zufall. Kautz, aufgewachsen am Schlachtensee, besuchte eine „Elite-Schule“ in Steglitz, auf der Altgriechisch und Latein Pflichtfächer waren.
Das Latinum sei bis heute nützlich, weil er sich jedes Fremdwort erschließen könne. In der Schule fühlte sich Kautz trotzdem oft wie ein Außenseiter. Seine Eltern waren Beamte ohne geerbtes Vermögen, die Klassenkameraden kamen aus Anwalts- oder Unternehmerfamilien.
Vielleicht wandte er sich deshalb eher der Hip-Hop- und Graffiti-Szene zu als dem Tennisclub. Zur Graffiti-Szene zu gehören, habe sich angefühlt, wie Teil eines Geheimbundes zu sein. Neben dem Sprayen begann Kautz damals, Battle-Rap zu machen.
Er war bei Royal Bunker unter Vertrag, dem Label von Größen wie Sido oder K.I.Z. Seit dem Debütalbum „Porno Privat“ (1998) vollzog Kautz einen starken Wandel, entwickelte ab 2011 einen weniger politisch direkten, dafür emotionaleren und poppigeren Stil.
Auf seinem letzten Album „West-Berlin“ von 2025 widmet er sich wieder politischeren Themen – vor allem aber der Vergangenheit seiner Heimatstadt. Er blickt zurück auf eine Zeit, als es in Berlin unendliche Freiräume, aber auch große Bedrohungen gab.
„Meine Kindheit war geprägt von der Angst vor einem Atomkrieg“, sagte er 2025 dem Tagesspiegel. „Das Thema war allgegenwärtig in West-Berlin. Auf jedem zweiten ,Spiegel’-Cover ging es um Pershing-Raketen, ständig wurde einem gesagt: Wenn der Atomkrieg kommt, sind wir die Ersten, die am Arsch sind. Bekannte meiner Eltern hatten sogar eigene Schutzbunker.“ (jaw)
2 Chris Norman

Bekannt wurde Norman als Sänger von Smokie, die in den Siebzigern mit Sweet und Bay City Rollers um den Thron der beliebtesten Teenie-Popband konkurrierten. (wun)
3 Grandmas House

Auf ihrem (prophetisch betitelten?) Debütalbum „Baby You’re Winner“ spielen (v.l.n.r.) Poppy Dodgson, Polly Jessett, Yasmin Berndt und Zoë Zinsmeister hinreißend lakonischen Postpunk-Grunge-Gitarrenrock in der Tradition von Bands wie Hole oder L7.
Das Ganze aber nicht retro oder routiniert, sondern neu und aufregend. Es spricht für sich, dass das Konzert von einer kleineren Location hochverlegt wurde. (wun)
4 Robyn Hitchcock

© imago/MediaPunch/IMAGO/Kevin Estrada
Nur wenige Bands haben den mit dem Weltuntergang flirtenden Zeitgeist der Achtziger so prägnant in ihrer Musik eingefangen wie The Sisters Of Mercy.
Die 1980 in Leeds, damals ein Zentrum des industriellen Niedergangs, gegründete Band mit dem charismatischen Düstervogel Andrew Eldritch (Mitte) am Mikrofon war clever genug, das Zeichensetzende ihres an Joy Division, Bauhaus und The Cure geschulten Gothic-Rocks zum Markenkern zu machen.
Mit moribunden Songs wie „Temple Of Love“, „Marian“ oder „This Corrosion“ wurden die Gnadenschwestern zu den apokalyptischen Vorreitern einer international verschworenen Jugendbewegung kollektiver Verzagtheit.
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© Patrick Böhnhart
Zwei Fragen drängen sich zu diesem Konzert auf: Sind Stücke von Queen, Led Zeppelin, Peter Fox oder – auweia – Rammstein nicht ein wenig unterkomplex für ein 130-köpfiges Orchester samt Chor und Solisten? Und ist umgekehrt die sinfonische Adaption nicht der akustische Sargnagel für Lieder, die eigentlich für dröhnende Verstärkertürme geschrieben wurden?
Das in Berlin und Freiburg ansässige ORSO Orchestra unter Leitung von Wolfgang Roese wird sie in seiner „Rock Symphony Night“ beantworten. Das ORSO-Frühjahrskonzert mit Höhepunkten aus 100 Jahren Filmmusik war jedenfalls großartig. (wun)
7 The Lemonheads