Die Klassik-Tipps der Woche für Berlin: Thielemann und der Komponist, der ihm gute Laune bereitet

Strauss, Mahler, Wagner, Dvořák, Beethoven. Große Namen finden sich in dieser Woche in den Programmen aber auch auf den Konzertbühnen. Die Staatskapelle unter Christian Thielemann, der seinen Vertrag als Generalmusikdirektor an der Staatsoper gerade bis 2034 verlängerte, nimmt sich in ihrem zweiten Sinfoniekonzert der Saison zwei Werken von Richard Strauss an. Über den Komponisten schrieb Thielemann vor zwei Jahren ein Buch.

Igor Levit feiert die Gründung eines eigenen Labels und die Komponistin Iris ter Schiphorst einen runden Geburtstag.

Das sind unsere Klassik-Tipps der Woche.

1 Philharmonia Orchestra London mit Dvořáks 8. Sinfonie

Dirigent Robin Ticciati - Promofoto Askonas Holt
Robin Ticciati ist als ehemaliger Chefidirgent des DSO auch in Berlin gut bekannt

© Askonas Holt

„Die Melodien fliegen mir nur so zu“, freute sich Antonín Dvořák während der Arbeit an seiner 8. Sinfonie. Er komponierte das Werk auf dem Land südlich von Prag. Nach der düsteren 7. Sinfonie stand ihm wohl der Sinn danach, etwas ganz anderes zu schaffen. Die Achte ist heiter, reiht Melodie an Melodie. Robin Ticciati dirigiert das Philharmonia Orchestra London.

Dvořák folgt auf Wagners Vorspiel zu „Tristan und Isolde“ und Isoldes Liebestod (Sopran: Maria Motolygina) sowie Giuseppe Sinopolis „Pour un livre à Venise“. Das Konzert ist dem Italiener gewidmet, der vor 25 Jahren starb und einst Chefdirigent des Orchesters war.

2 New York Philharmonic mit Mahlers 5. Sinfonie

Gustavo Dudamel conducts the New York Philharmonic performing world premiere of Zosha Di Castri "Invisible House," John Adams "On the Transmigration of Souls," and Prokofiev Symphony No. 5 with New York Philharmonic Chorus and Brookly Youth Chorus at David Geffen Hall, 9/16/2026. Photo by Chris Lee

Mit großer Orchesterbesetzung und einer Länge von rund 70 Minuten bestätigte Mahler sein Credo: „Eine Sinfonie muss wie eine Welt sein; sie muss alles enthalten.“ Die Fünfte beginnt mit einem Trauermarsch, landet über einen stürmischen 2. Satz beim traumverlorenen Adagietto, das nur von Streichern und Harfen gespielt wird, und mündet im Rondo-Finale.

„Wenn wir mit New York Philharmonic Mahler spielen, spüren wir das Erbe“, sagte Dudamel vor dem Beginn dieser ersten Europa-Tournee nach vielen Jahren. Schließlich war Mahler einst Leiter des Orchesters und es war Leonard Bernstein, der mit dem New York Philharmonic und einer Einspielung aller Sinfonien den Komponisten in den 60er Jahren zurück auf die großen Konzertbühnen brachte. Hier kommt scheinbar zusammen, was zusammen gehört. Und es ist okay, wenn sie beim Adagietto, nach Tania Leóns „Imágenes mestizas“, ein Tränchen verdrücken.

3 Eden Cinema – ein Festival für Iris ter Schiphorst

Sopranistin Diana Damrau singt Strauss’ „Vier letzte Lieder“

© PR/ Jiyang Chen

Bei den zwei Konzerten der Staatskapelle mit Werken von Richard Strauss dürfen wir einen gut gelaunten Christian Thielemann am Pult erwarten. „Bei Strauss hebt sich meine Laune. Immer“, schrieb der Dirigent in seinem Buch „Richard Strauss – Ein Zeitgenosse“ (C.H. Beck). Der Strauss-Klang habe ihn seit seiner frühesten Jugend fasziniert, heißt es weiter. Die gute Laune dürfte sich vor allem bei der „Alpensinfonie“ einstellen. Die große Tondichtung beschreibt eine Bergwanderung von der Nacht über den Sonnenaufgang, Sturm, Gipfelaufstieg bis zur Rückkehr.

Der Abend eröffnet mit den „Vier letzten Liedern“ mit Sopranistin Diana Damrau als Solistin. Strauss schrieb die Lieder auf Gedichte von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff kurz vor seinem Tod. „Strauss hat durch die Orchestrierung und durch die Art der Komposition erreicht, dass die Stimme teilweise auch mit dem Orchester ein einziges Instrument bildet“, erklärt Damrau einmal in einem Interview.

5 Rock Symphony Night

Rock Symphony
Für Igor Levit ist sein Label „No Silence Records“ das „Resultat meines bisherigen Lebens. Und ein Neuanfang“. Es soll keine Genregrenzen geben

© Mathias Bothor

Pianist Igor Levit schlägt ein neues Kapitel in seiner Karriere auf und Sie können dabei sein. Im Columbia Theater stellt er gemeinsam mit Lukas Sternath sein Label „No Silence Records“ vor. Der Name entstand nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023. Levit hatte auf einer Veranstaltung „Gegen das Schweigen, gegen Antisemitismus“ gespielt.

„Damals entschied ich mich für den Namen No Silence. Ich wollte, ich will nie wieder still sein. No Silence ist damit mehr als ein Label. Es ist eine Haltung“, erklärt er. Levit will junge Künstler unterstützen, „ihr eigenes Werk so selbstbewusst wie nur irgend möglich in die Welt hinauszutragen.“

Lukas Sternath, Berlin 2026. Foto: Markus C. Hurek PR Foto zum Gründung vom Label No Silence Records