Agustin Rogel kommt sofort zu Hertha BSC

Agustin Rogel genießt bei den Fans des argentinischen Erstligisten Estudiantes de la Plata hohes Ansehen. Auch am Sonntag, im Heimspiel gegen Patronato de Parana, ist er wieder von den Rängen gefeiert worden. Aber diesmal klangen die Ovationen anders. Sie klangen, so jedenfalls hat es die Zeitung „El Dia“ empfunden, nach Abschied. Und diese Wahrnehmung hat nicht getäuscht.

„Danke für so viel Einsatz, Agustin“, rief sein bisheriger Klub Rogel anschließend bei Twitter hinterher. „Viel Glück bei deiner nächsten Herausforderung.“ Falls daran noch irgendwelche Zweifel bestanden haben sollten: Rogel, 24 Jahre alt, Innenverteidiger aus Uruguay, hat am Sonntag beim 1:0-Sieg gegen Patronato sein 72. und letztes Pflichtspiel im rot-weiß-gestreiften Trikot von Estudiantes bestritten.

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Nach dem Schlusspfiff verabschiedete er sich von den Fans des Klubs. Er gehe glücklich und zufrieden, sagte er in einem kurzen Video, das Estudiantes über seine Social-Media-Kanäle verbreitete: „Man sieht sich.“

In Zukunft ist Rogels Trikot nicht mehr rot-weiß-, sondern blau-weiß-gestreift. Sollte nichts Unvorhergesehenes mehr passieren, dann wechselt er zu Hertha BSC in die Fußball-Bundesliga, und das noch in der aktuellen Transferperiode, die am Donnerstagabend (18 Uhr) endet. Nachdem sich die Berliner mit dem Spieler längst einig waren, stimmte nun auch sein bisheriger Arbeitgeber einem sofortigen Wechsel zu.

Im Winter wäre er ablösefrei gewesen

Die Alternative wäre gewesen, dass Rogel erst zum 1. Januar nach Berlin kommt; in diesem Falle ablösefrei, da sein Vertrag bei Estudiantes am Ende des Jahres ausläuft.

Laut argentinischen Medienberichten soll sich Hertha die Verpflichtung des Innenverteidigers 700.000 Euro kosten lassen. Dass Estudiantes den Wechsel elf Spieltage vor Ende der Saison in Argentinien akzeptiert hat, lag vor allem daran, dass die Mannschaft vor zwei Wochen im Viertelfinale der Copa Libertadores gegen Paranaense ausgeschieden ist. Sonst hätte der Klub nur ungern auf die Dienste seines Innenverteidigers verzichtet. „Er hat in anderthalb Jahren Spuren hinterlassen“, hat „El Dia“ zum Abschied über Rogel geschrieben.

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Im Januar 2021 ist der Uruguayer, zunächst leihweise, vom französischen Zweitligisten FC Toulouse zu Estudiantes gekommen, nachdem sein erster Aufenthalt in Europa, mit Stationen bei KS Samara in Russland und eben Toulouse, nur bedingt von Erfolg geprägt war. Mit den Franzosen stieg er im ersten Jahr aus der Ligue 1 ab, bestritt dabei insgesamt nur zehn Ligaspiele und holte in all diesen Begegnungen lediglich einen Punkt. Nach dem Abstieg kam er gar nicht mehr zum Einsatz, bis er dann nach einem halben Jahr nach Südamerika zurückkehrte und zu Estudiantes wechselte.

Rogel war erst 20, als er sich erstmals als Fußballer in Europa versucht hat. Inzwischen verfügt er über deutlich mehr Erfahrung, um das nächste Auslandsabenteuer anzugehen. Zudem besteht bei Hertha BSC auf seiner Position akuter Bedarf.

Nachdem die Berliner in diesem Sommer gleich vier Innenverteidiger (Niklas Stark, Jordan Torunarigha, Omar Alderete und Dedryck Boyata) abgegeben haben, standen Trainer Sandro Schwarz am vergangenen Wochenende, bei der Heimniederlage gegen Borussia Dortmund (0:1), nur noch zwei Kandidaten für die beiden Plätze in der Viererkette zur Verfügung.

Rogel träumt noch von der WM in Katar

Rogel ist Rechtsfuß. Er konkurriert bei Hertha also vor allem mit dem im Sommer gekommenen Kroaten Filip Uremovic, 25, und mit Linus Gechter, 18, aus dem eigenen Nachwuchs um einen Platz in der Startelf.

An Motivation für diesen Konkurrenzkampf dürfte es ihm nicht mangeln. Rogel träumt von seinem Debüt für Uruguays Nationalmannschaft und glaubt, seine Chancen bei Nationaltrainer Diego Alonso durch seinen Wechsel in eine starke europäische Liga deutlich zu verbessern.

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Ein wenig spekuliert er sogar noch auf eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft Ende des Jahres in Katar. Bisher ist Rogel nur in der U-20-Nationalmannschaft seines Landes zum Einsatz gekommen, nahm unter anderem 2017 an der WM in Südkorea teil. Mit seinem Team verlor er damals sowohl das Halbfinale (gegen Venezuela) als auch das Spiel um Platz drei (gegen Italien) im Elfmeterschießen. In sechs der sieben Begegnungen stand Rogel über die volle Distanz auf dem Feld.

Natürlich gibt es auch von ihm die üblichen Videos bei Youtube, die mit Musik unterlegt sind und in denen jeder Spieler ein bisschen besser aussieht, als er es in Wirklichkeit ist. Doch zumindest lassen die Ausschnitte erahnen, über welche Fähigkeiten Agustin Rogel verfügt. Dank seiner 1,91 Meter Körperlänge besitzt er ein gutes Kopfballspiel, sowohl defensiv als auch offensiv. Für Estudiantes hat er als Verteidiger in 72 Einsätzen immerhin acht Tore erzielt, die meisten per Kopf.

Dazu ist Rogel schnell im Antritt, kompromisslos im Zweikampf und hat den Blick trotzdem stets nach vorne gerichtet. „Er ist ein sehr robuster Innenverteidiger, groß gewachsen, zweikampfstark“, sagt Herthas Trainer Sandro Schwarz. Also genau so, wie man sich einen typischen Innenverteidiger aus Südamerika vorstellt.