Bayern München mit überragender Teamleistung: Ein bisschen Uli Hoeneß steckt in diesem Sieg

Mit sichtbarer Genugtuung jubelte Lennart Karl nach seinem Treffer zum 1:0 gegen Atlético Madrid. Und das zu Recht. Denn in den Tagen zuvor war der 18-Jährige zum Streitthema einer typischen, völlig überhitzten Münchner Mediendebatte geworden.

Angestoßen wurde das von Bayern-Patriarch Uli Hoeneß, der den jungen Spieler in einem Interview wegen seines vermeintlich übermütigen Auftretens und explizit wegen dessen pinkfarbener Kleidung kritisierte. Karls Berater Michael Ballack ist seinem Klienten dann auf größtmöglicher Bühne zur Seite gesprungen. Und wie es sich in solchen Situationen gehört, haben dann alle Bayern-Spieler seit 1995 ihre zwei Cent beigetragen.

Am Dienstagabend lieferte Karl das perfekte Schlusswort. Ein schlitzohriges Tor, das gut zum neuen Image als Enfant terrible passte. Ein pointierter Jubel, mit dem er so laut wie möglich alle Kritiker verstummen lassen wollte.

Hoeneß würde natürlich sagen, er hätte mit seiner Kritik genau eine solche Reaktion provozieren wollen. Und zur Wahrheit gehört auch: In seinem pinkfarbenen Anzug hätte Karl niemals so unbemerkt durch den Madrider Strafraum stehlen können.

Nicht nur deshalb musste man dem Münchner Ehrenpräsidenten aber auch ein bisschen recht geben. Denn auch in der Hoeneß’schen Dampfplauderei kann manchmal altbewährte Weisheit stecken. In diesem Fall eine Weisheit, die im Zeichen des Ballon d’Or zuletzt immer öfter betont wurde. Nämlich: Ein individuelles Ego darf nie vor dem Team stehen.

Das war lange ein Erfolgsmodell der Bayern, und am Dienstag lief dieses Erfolgsmodell wieder auf Hochtouren. So sehr das Rampenlicht auf Karl fiel, war der 2:0-Sieg gegen Atlético vor allem das Ergebnis einer überragenden Teamleistung.

Dafür brauchte es nicht nur die schnellen Gedanken von Karl im Strafraum, sondern auch die latente Bedrohlichkeit eines Michael Olise, die angsteinflößenden Läufe eines Dayot Upamecano und die physiktrotzende Omnipräsenz eines Konrad Laimer.