Einmal zu den Sternen & zurück: Bushido: Für diese sechs Konzerte in Berlin gibt es noch Karten
Harter Kerl, was nun? Bushido war der Vorzeige-Böse-Bube des Deutschrap. Heute gibt er sich geläutert. Machen seine Fans da mit?
Für alle, die das nicht so brennend interessiert, haben wir experimentellen Jazz, Berliner Nachwuchsbands, einen Gospelroutinier, bayerischen Mundart-Pop und kalifornisches Hardcore-Geprügel aus dem noch etwas schütteren Konzertkalender für Sie herausgepickt.
1 Bushido

© dpa/EVA MANHART
Bushido war mal ein ebenso gefährlicher wie einflussreicher Typ. Ein Gangster, aufgewachsen in Tempelhof. Plattenvertrag beim boomenden Label Aggro Berlin.
Mit seinem Debüt „Vom Bordstein bis zur Skyline“ mutierte er 2003 zum Hauptdarsteller einer neuen Ära deutschsprachiger Rapmusik, dominiert von Dunkelheit, Aggression, Härte und jeder Form von Inkorrektheit und Jugendgefährdung. Die auf Sexismus, Homophobie und Gewalt setzte statt auf lustige Wortspiele Hamburger und Stuttgarter Kiffer und Studenten.
Beefs mit den Ex-Homies Fler, Sido und Kay One, eine unheilige Allianz mit Arafat Abou-Chaker, das eigene Label Ersguterjunge, ein Kinofilm und acht Nr.-1-Alben taten ihr Übriges: Hier spielte einer das Game durch, dessen Erfolg ihm scheinbar recht gab.
Der Cut kam 2018, als Anis Ferchichi, so sein bürgerlicher Name, sich von Abou-Chaker und dessen Gefolgsleuten loslösen wollte. 2020 begann ein medienträchtiger Prozess vorm Berliner Landgericht, in dessen Subtext männliche Egos sich selbst vorführten.
Bevor seine Geschichte komplett auserzählt war und die Hip-Hop-Kids sich endgültig reflektierteren Dudes zuwandten, dachten sich Bushido, seine Marketing-Crew und notgedrungen auch seine Familie eine neue aus.
Plötzlich inszenierte sich der Geschäftsmann als Opfer, das vor einem gefährlichen Clan erst aus seiner Villa in Kleinmachnow, dann aus Deutschland flieht – und, anders als jüngst Haftbefehl, als Vater von acht Kindern auf dem Weg der Läuterung ist.
Bushidos „Alles wird gut“-Shows 2026 starten in der Stadt, deren Straßen ihn einst groß machten. Von einer „letzten umfassenden“ Tour ist die Rede, vom „legendären Abschied“. Seinen Fans bleibt die Erinnerung an die oft gar nicht mal so gute alte Zeit. (soet)
2 Stop Over 4 – Perspectives

© Lasse Bergvist
Während die Konzertszene noch im Jahreswechselschlummer liegt, hat die rührige Agentur AmStart schon wieder eins ihrer beliebten Showcases auf die Beine gestellt.
Drei junge, international besetzte Bands aus Berlin sind am Start: Matching Drapes und Ara Lil Yoon bewegen sich in angesagten Postpunk-Gefilden, nicht unähnlich hippen Stars wie Wet Leg oder Goat Girl.
Das dritte Quintett, Whisker (Foto), trägt den Namenszusatz For President Of The Universe And Beyond und erzählt in abenteuerlichen Art-Pop-Songs von einer gestaltwandelnden Kreatur auf der Suche nach dem Sinn von Leben und Tod. (wun)
4 Georg Ringsgwandl

© picture alliance/dpa/Felix Hörhager
Zu den interessantesten Querköpfen der deutschen Kabarett-Szene zählt Georg Ringsgwandl. Der 77-jährige Oberbayer entdeckte erst spät sein Bühnentalent: Als promovierter Mediziner mit Klinikerfahrung fand er über den bayerischen Blueser Willy Michl zur Musik.
Mit kauzigen Miniaturen wie „Arbata Auf Da Straß“ oder anarchischen Umdichtungen wie dem Hendrix-Cover „Der Wind schreit scheiße“ etablierte sich Ringsgwandl seit dem Debüt „Das Letzte“ (1986) als Mundart-Liedermacher der eigenwilligen Art.
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© FraenzyFotografie.de
Es kommt immer wieder vor und sollte keineswegs als Makel verstanden werden, dass Musiker erst fernab ihrer angestammten Heimat so richtig aufblühen.
Keith Tynes beispielsweise, geboren 1984 in Miami Beach, war ein hoffnungsvoller Absolvent der dortigen Musikhochschule, verdingte sich als Musical- und Opernsänger und lieh sein geschmeidiges Organ in den frühen Achtzigern einer späten Formation der legendären Doo-Wop-Band The Platters.
Doch sein wahres Karriereglück fand er erst in Europa, insbesondere in Deutschland und dort vor allem in Berlin, wo er sich als geschmackssicherer Grenzgänger zwischen Soul, Gospel und sanftem Jazz eine beachtliche Reputation ersang.
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Er stand mit den Weather Girls auf der Bühne, war Opener für Disco-Queen Gloria Gaynor und sang mit Soul-Diva Jocelyn B. Smith.
In den Friedenauer Jazzclub kommt der routinierte Virtuose mit Helmut Bruger, Rob Dietze, Sebastian Vogel und Otto Block, allesamt Führungsfiguren der hiesigen Soul- und Funkszene mit jahrzehntelanger Bühnenerfahrung. (wun)
6 Lionheart
Die typisch kalifornische Durchmischung von Surfer-, Skater-, Heavy Metal- und Hardcore-Subkulturen wirft immerhin noch melodische Spurenelemente und Einflüsse aus Ska und Dub in einen alles zermalmenden Lärmstrudel, der mit manischem Hochgeschwindigkeitsgeprügel zum schweißtreibenden Dauerpogo einlädt. (wun)