Wo es jetzt schon lohnt, Karten zu kaufen: Das bieten die Berliner Orchester und Opernhäuser im Advent

Weihnachten ist ein Fest der Familie, des Lichts in langen Nächten – aber auch der Musik. Ein Besuch in den Konzertsälen oder Opernhäusern kann jetzt ganz besonders beglückend sein. Was wird in Berlin in den kommenden Wochen geboten? Wir geben einen Überblick über das Programm der wichtigsten Häuser.


Was geschah nach der Geburt? Berlioz’ „L’enfance du Christ“

Angesichts des Rummels, den wir jedes Jahr um Weihnachten veranstalten, ist es erstaunlich, wie wenig eigentlich bekannt ist über das, was nach Jesu Geburt passiert ist. Die Evangelien berichten noch von einer Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten, und mit zwölf Jahren, schreibt Lukas, soll Jesus im Tempel mit den Schriftgelehrten diskutiert haben. Ansonsten tritt er erst als ca. 30-Jähriger wieder ins Licht der Weltgeschichte. In der kurzen Spanne von drei Jahren bis zur Kreuzigung vollbringt er all die Wunder und verbreitet die Lehre, die ihn zum Religionsstifter machen sollten.

Hector Berlioz, von dem im Konzertsaal sonst hauptsächlich die „Symphonie fantastique“ erklingt, hat diese Lücke in der Überlieferung zumindest ein wenig gefüllt, mit seinem Oratorium „L’enfance du Christ“ („Die Kindheit Christi“), das die Berliner Philharmoniker in der diesjährigen Adventszeit dreimal aufführen. Es schildert, wie Joseph und Maria mit dem Kind in der altägyptischen Stadt Sais im Nildelta ankommen und – erneut – keine Herberge finden, bis sie schließlich jemand einlässt.

Interessanterweise ist es ein Ismaelit, der sich erbarmt, also ein Nachfahre von Abrahams erstem Sohn Ismael, der als Stammvater der Araber gilt. So wird die Familie ausgerechnet von einem – aus späterer christlicher Sicht – Ungläubigen gerettet, und zehn Jahre später kann Jesus ins Heilige Land zurückkehren und dort das Heilswerk vollenden. „Opernhafte Dramatik, leuchtende Orchesterfarben und grandiose Chöre“ versprechen die Philharmoniker, die erstmals von Maxime Pascal geleitet werden, dem Ersten Gastdirigenten der Deutschen Oper Berlin (berliner-philharmoniker.de, 7.–19.12.).

Der Dirigent Maxime Pascal
Maxime Pascal gibt sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern.

© Gosselin, Simon


Die Opernklassiker

Ansonsten sind zur Weihnachtszeit natürlich die vertrauten und geliebten Klassiker geboten. Auf den Opernbühnen wären das etwa Puccinis im winterlichen Paris angesiedelte „La Bohème“ an der Deutschen Oper (11.–20.12.) und an der Staatsoper (4.12. – 2.1.). Oder Mozarts „Zauberflöte“: August Everdings legendäre Re-Inszenierung der Kulissen von Karl Friedrich Schinkel steht ebenfalls an der Staatsoper auf dem Programm (1.12.–6.1.).

Auch Humperdincks Pfefferkuchen-Epos „Hänsel und Gretel“, komponiert für die Wucht eines Wagnerschen Orchesters, gehört zu den Höhepunkten der Weihnachtszeit und läuft in Berlin in zwei verschiedenen Inszenierungen: an der Komischen Oper (6.–23.1.) und an der Deutschen Oper (23.12. sowie zweimal am 27.12.).

"Hänsel und Gretel" an der Komischen Oper Berlin
„Konzerthaus Brass Berlin“, die Blechbläser des Konzerthausorchesters

© Joerg Brueggemann / OSTKREUZ


Jenseits der Platzhirsche: Was sonst alles im Advent erklingt

Programme, die ausgetretene Pfade rund um Weihnachten etwas verlassen, gibt es natürlich auch, etwa das Originalklangensemble „Les Accents“ mit Musik von Scarlatti und Corelli (8.12.) oder das Filmorchester Babelsberg mit den Soundtracks aus „Kevin – Allein zu Haus“ oder „Das Wunder von Manhattan“ (22.12., beide Philharmonie).

Ebenfalls dort tritt am 20.12. das Brandenburgische Staatsorchester aus Frankfurt (Oder) auf, mit weihnachtlicher Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy und Benjamin Britten. Und am 13.12. kommen die Berliner Symphoniker mit Devid Striesow als Sprecher in die Philharmonie. Sie haben doch wieder „Hänsel und Gretel“ und den bewährten Tschaikowsky im Gepäck, allerdings nicht „Nussknacker“, sondern die „Schwanensee-Suite“.

Und für alle, die Lust haben auf einen Abstecher nach Potsdam – das ja zu jeder Jahreszeit eine Perle von Stadt ist – hier nur ein Tipp: das Weihnachtskonzert der Kammerakademie Potsdam mit Musik von Vivaldi, Bach und Leopold Mozart im Nikolaisaal am zweiten Weihnachtstag. Danach heftet sich der Blick schon auf die Silvesterkonzerte.