Mittelalterkrimi als Graphic Novel: Milo Manara adaptiert „Der Name der Rose“
Am Anfang war das Wort. Und manch einer in der eingeschneiten Benediktinerabtei fürchtet, dass das Wort auch das Ende sein wird. Der Rest ist Literaturgeschichte.
Wem der Plot von Umberto Ecos Welterfolg „Der Name der Rose“ nicht mehr geläufig ist: Im November des Jahres 1327 kommen der Franziskaner William von Baskerville und sein Adlatus Adson von Melk in ein Kloster in den italienischen Alpen.
Ein junger Mönch ist dort tot aufgefunden worden, William soll bei der Aufklärung helfen. Schnell gibt es eine weitere Leiche und der Sherlock Holmes in Mönchskutte merkt, dass die frommen Brüder über Leichen gehen, um ihre Macht zu schützen.
Theologische Debatten statt Actionkrimi
Auf fast 700 Seiten entwarf Eco in seinem Romandebüt von 1980 ein bis heute beeindruckendes Sittengemälde des mittelalterlichen Klosterlebens. Dabei bediente er sich bei Arthur Conan Doyles Geschichten ebenso wie bei der Bibel, führte theologische Dispute auf, erzählte von Religionskriegen und setzte sie indirekt in Bezug zum linken Terrorismus der 1970er.

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Er berichtete von den Grausamkeiten der Inquisition und warf immer wieder die Frage nach der Macht von Ideen auf. Kurz gesagt: viel Stoff.
Der italienische Comickünstler Milo Manara stand also vor demselben Problem wie Jean-Jacques Annaud, als dieser das Mammutwerk 1986 mit Sean Connery verfilmte: Wo kürzen? Was machen aus diesem postmodernen Vexierspiel? In seiner Gänze ist es nicht adaptierbar. Annaud entschied sich damals für den Actionkrimi.
Manara wählte einen anderen Weg. Seine Bilder zeigen das Kloster und den Alltag der Mönche in naturalistischen Details, die seine Tochter Simona mit Aquarell im warmen Licht von Kerzenschein oder im kalten, diffusen Nebel des Winters kolorierte.
Die Handlung schreitet langsam voran und lässt sich viel Zeit für die theologischen Debatten: Die Geschichte von Fra Dolcino, die einen wichtigen Kontext für die Handlung des Romans und ihrer Deutung bildet, erzählt Manara in langen Rückblenden, die sich, farblich entsättigt, auch visuell von der eigentlichen Handlung abheben.