Wücks WM-Plan nimmt Formen an: Die DFB-Frauen finden ihren Rhythmus – bis auf eine Position

Franziska Kett wusste genau, welchen Pass sie spielen musste, um Klara Bühl in die perfekte Position zu bringen. Die wiederum musste nicht mal hochschauen, um Linda Dallmann mit ihrem Rückpass die richtige Abschlusssituation zu verschaffen. Der zwischenzeitliche Ausgleich beim 2:1-Sieg über Japan am Dienstagabend im Weserstadion stand exemplarisch für die immer besser funktionierenden Abläufe der DFB-Frauen auf dem Platz.
Natürlich beruhte die Kombination zum Tor von Dallmann auch auf dem blinden Verständnis, das sie mit Bühl und Kett durch das jahrelange Zusammenspiel beim FC Bayern hat. Doch abseits davon etabliert Bundestrainer Christian Wück immer mehr solcher Paare im deutschen Nationalteam.
Neben Kett und Bühl auf der linken Seite wären da zum Beispiel Carlotta Wamser und Cora Zicai auf dem anderen Flügel. Beide gehörten gegen Australien vor knapp einer Woche noch der Startelf an, wurden in Bremen in Halbzeit zwei gemeinsam eingewechselt. Auch die verletzt fehlende Giulia Gwinn bildete in der jüngeren Vergangenheit oftmals mit Jule Brand ein verlässliches Duo. Und die Doppelsechs, bestehend aus Sjoeke Nüsken und Elisa Senß, ist wohl das gefestigteste im deutschen Kader.
In der Innenverteidigung wechselt die Besetzung oft
Rund acht Monate vor der WM greifen immer mehr Automatismen ineinander. Es gibt allerdings eine große Ausnahme und die liegt in der Innenverteidigung. In den acht Länderspielen in diesem Jahr gab es fünf verschiedene Besetzungen dieser Position. Zuletzt liefen meist Janina Minge und Camilla Küver gemeinsam auf, Wücks ideale Vorstellung ist das nicht unbedingt. Das liegt weniger an der Leistung der beiden, sondern mehr am Wunsch des Bundestrainers, eine Linksfüßlerin als halblinke Innenverteidigerin zu haben.
Mit Rebecca Knaak und Bibiane Schulze Solano hätte er zwei vielversprechende Optionen mit internationaler Erfahrung, beide wurden in der Vergangenheit allerdings häufig von Verletzungen ausgebremst. Schulze Solano reiste zu den beiden jüngsten Länderspielen zwar an, zog sich aber eine muskuläre Verletzung zu. Die 27-Jährige fehlte in diesem Jahr bereits die ersten vier Monate aufgrund einer Knieverletzung. Knaak wiederum verletzte sich bei ihrem Verein Manchester City kurz vor der Länderspielpause am Knöchel. Auch sie hatte in der Vergangenheit mit Knieproblemen zu kämpfen.
Wenn sich eine mal nicht an irgendwas halten sollte, kommt mittlerweile von der Mannschaft selbst ein Signal, dass was schiefläuft. Das ist definitiv das richtige Zeichen.
Christian Wück, Bundestrainer
„Wir haben für die Weltmeisterschaft keine Vorbereitungszeit und deswegen ist jedes Spiel unheimlich wichtig für jede einzelne Spielerin, um sich bei uns festzuspielen“, sagte Wück am Dienstagabend in Bremen. In Abwesenheit von Schulze Solano und Knaak haben sich derweil Küver und Kleinherne in den Vordergrund gespielt. Letztere fiel gegen Japan mit mehreren wichtigen Tacklings auf, eins davon in letzter Sekunde. Die Spielerin des VfL Wolfsburg gilt allerdings auch als verletzungsanfällig. Und so dürfte einzig Kapitänin Minge hinten gesetzt sein, selbst wenn sie bei ihrem Verein in Wolfsburg meist im zentralen Mittelfeld aufläuft.
Stellungsfehler und fehlende Eingespieltheit in der Abwehr
Umso mehr dürfte helfen, dass Bundestrainer Wück eine Spielidee etabliert hat, die unabhängig vom Personal funktionieren kann. „Natürlich werden wir immer wieder Nuancen in unserem Spiel haben, die unterschiedlich sind, aber die Identität und die Spielkonzeption, die wir den Spielerinnen eigentlich jeden Tag im Lehrgang versuchen einzuflößen, ändern sich nicht“, sagte Wück. „Wenn sich eine mal nicht an irgendwas halten sollte, kommt mittlerweile von der Mannschaft selbst ein Signal, dass was schiefläuft. Und das ist definitiv das richtige Zeichen.“
Trotzdem besteht in der Innenverteidigung wohl noch das größte Verbesserungspotenzial. Gegen Australien war die Kette bei beiden Gegentoren unsortiert. Auch gegen Japan schlichen sich trotz einer insgesamt kompakten Ausrichtung immer wieder Stellungsfehler ein. Einer davon wurde mit dem zwischenzeitlichen Rückstand durch Momoko Tanikawa bestraft.
Bis zur WM bleibt für Wück also noch einiges zu tun. Dass sich das deutsche Team von solchen Rückschlägen inzwischen weniger aus der Ruhe bringen lässt, ist dagegen ein Zeichen seiner Entwicklung. „Ein Rückstand wirft uns nicht aus der Bahn. Das war ein sehr gutes Spiel von uns. Wir haben Moral und eine gute Energie gezeigt“, sagte Sjoeke Nüsken. Wück befand: „Das hätten wir vor einem halben Jahr noch nicht geschafft.“
Ob die gewachsene Stabilität auch in der Abwehr trägt und sich dort die nötige personelle Kontinuität findet, muss sich bis zum Turnier in Brasilien noch zeigen. An den eigenen Ambitionen mangelt es jedenfalls nicht. „Mit dieser Mannschaft ist sehr viel möglich und ich traue uns auch zu, Weltmeisterinnen zu werden“, sagte Jule Brand.