Erstaunliche Remis-Serie des FC Bayern München: Unentschieden, die der Konkurrenz Hoffnung machen

Rund 20 Minuten lang spielte der FC Bayern ganz untypisch am Dienstagabend. Der doppelte Harry Kane und Luis Díaz drehten einen 0:2-Rückstand auf dem Kunstrasen im norwegischen Stavanger zu einer 3:2‑Führung. Das Münchner Starensemble spielte den kämpferischen Champions-League-Neuling regelrecht schwindelig.

Doch auf das ganze Spiel bezogen wurden die Münchner mit dem 3:3-Endstand einmal mehr ihrem neuen Ruf als Remis-Könige gerecht. Wieder einmal hatten sie sich auf einem fremden Platz gequält und hatten letztlich nicht mehr als einen Punkt auf der Habenseite.

Bereits beim 0:0 auf Schalke am 5. September fiel auf, dass es den Bayern aktuell schwerer fällt, Akzente gegen ein kämpferisches Abwehrkollektiv zu setzen. Am vergangenen Wochenende, als im Ergebnis ein 2:2 in Augsburg stand, hatte das Team von Vincent Kompany zweimal einem Rückstand hinterherlaufen müssen. Gleich vier Tore waren dem FC Bayern in diesem Spiel aberkannt worden.

Ist die Länderspielpause schuld?

Und nun gegen Viking hatten Kane & Co. mit Ausnahme ihrer glanzvollen 20 Minuten mit dem ungewohnten Untergrund und einem widerstandsfähigen Gegner ihre liebe Mühe. Die Gelb-Rote Karte von Michael Olise, der seinem Gegenspieler den Ball ins Gesicht warf, spricht für ein angespanntes Nervenkostüm im Moment. „Über-blöd“ bezeichnete Kompany diese Aktion.

Unkonzentriertes Abwehrverhalten gepaart mit einer ungewöhnlichen Abschlussschwäche bilden eine seltene Mixtur in dieser Mannschaft. Ehrenpräsident Uli Hoeneß und Trainer Kompany hatten bereits die lange Pause und die vielen Abstellungen für die Nationalteams im Rahmen der XXL-Länderspielpause als Problem ausgemacht, die ihrem Verein so gar nicht in die Karten spielten.

Wenn das die Ursache sein sollte, dürfte die Zeit der bayerischen Unentschieden bald schon wieder vorbei sein. Denn ab sofort gehen die Nationalteams ihren gewöhnlichen Gang mit nur zwei Spielen hintereinander. Wobei: Vorstellbar wäre natürlich, dass Bundestrainer Jürgen Klopp seine Spieler zukünftig regelmäßig für lange Lehrgänge um sich schart, weil er so angetan von jedem Einzelnen ist.

Aber im Ernst: Es ist nicht davon auszugehen, dass der FC Bayern in eine größere Schwächephase rutscht. Aber gerade die jüngsten Spiele haben gezeigt, dass es sich für die Gegner lohnt, etwas selbstbewusster aufzutreten, als es sonst der Fall ist.

Und wenn es bei den Münchnern wegen der Belastungen durch die WM im Sommer, die Nations League und der einen oder anderen Formdelle nicht ganz so flutscht, ist auch in Zukunft noch das eine oder andere Remis vorstellbar. Und womöglich herrscht etwas häufiger als sonst üblich der Eindruck, dass bei Spielen des FC Bayern so etwas wie Spannung herrscht. Was für den neutralen Betrachter durchaus seinen Reiz hätte.