Neue Musik als Zeichen ihrer Dankbarkeit: Taylor Swift im Troll-Modus

Taylor Swift will einfach mal Danke sagen. Danke dafür, dass sich ihr letztes Album „The Life of a Showgirl“ in der Eröffnungswoche über vier Millionen Mal verkauft hat, Streaming-Zahlen mit eingerechnet. Damit hat Swift einen Rekord gebrochen, der seit 2015 von Adeles „25“ gehalten wurde und der eigentlich als unantastbar galt.

Sie sei nach Schweden gefahren, um mit den Produzenten Max Martin und Shellback diesen Rekord zu feiern, schreibt Taylor Swift auf ihrem Instagram-Account. Dabei seien direkt vier neue Songs entstanden, die sie nun, als Geste ihrer Dankbarkeit, den Fans darbietet unter dem Titel „The Life of a Showgirl: The Encore“.

Dass Swift sich überhaupt auf diesen Rekord bezieht, ist einer der Gründe dafür, warum so viele Menschen den derzeit erfolgreichsten Popstar der Welt so schrecklich finden: Ja, ihr sind Zahlen wichtig. Ja, sie will Verkaufsrekorde brechen, sie will Preise gewinnen, und sie gibt das alles auch noch offen zu – wie kann sie nur?

Die vier neuen Songs werden nicht für Beruhigung sorgen. Wer das ursprüngliche Album schon zu kommerziell und zu cringe fand, wird das Encore höchstwahrscheinlich auch nicht mögen. Denn es gibt wieder: Pop auf die Zwölf. Und eine gut gelaunte Taylor Swift im Troll-Modus.

Taylor Swift

Am meisten für Aufregung sorgen wird „Cleveland!“, eine Hymne an Swifts frisch gebackenen Ehemann, den Football-Star Travis Kelce. Swift führt damit die Tradition ihrer aggressiv gut gelaunten, teeniemäßig verliebten und ziemlich horny Songs über Kelce fort, die sie mit „So High School“ begann und dann auf dem letzten Album mit Songs wie „Wood“, in dem sie das Gemächt von Kelce mit Mammutbäumen verglich, fortführte.

Taylor Swift gibt ihren Hatern recht

„He showed me The Heights”, singt Swift jetzt im Chorus, neben der Stadt in Ohio wohl ein Verweis auf den Podcast ihres Mannes, und womöglich erneut auf die Größe seines Johannes. „Cleveland!“ ist cringe, könnte man nun sagen, es ist aber auch Taylor Swift in bester Troll-Manier. Sie nimmt im Text Bezug auf all ihre Hater, die ihr vorwerfen, dass sie keinen guten Style hat, nicht tanzen kann und generell einfach peinlich ist. Sie selbst gibt ihnen ja völlig recht, singt sie: „Something we all can agree on“. Aber einer sehe es eben nicht so: Travis Kelce.

Ganz ernst gemeint ist die Nummer eher nicht: „Du musst nur eine einzige Person auf dieser ganzen Welt finden, / die dich nicht völlig unerträglich findet“, gibt sie in der Spoken-Word-Bridge zum Besten und verkündet dann: Sie hat ihre gefunden.

Nicht nur textlich, auch musikalisch geht sie auf Konfrontationskurs, in dem Sinne, dass „Cleveland!“ eine zuckersüße Pop-Komposition in Tradition von Abba ist, sich sogar ein bisschen nach Weihnachten anhört, sicherlich null Komma null edgy oder cool ist, dafür aber Ohrwurm-Qualitäten hat. Die ultimative Rache: ein Popsong, den man eigentlich hassen will, der einem aber einfach nicht aus dem Kopf geht.

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Wo es als nächstes hingeht für Taylor Swift, ist jetzt natürlich immer noch nicht klar, die vier Tracks waren ja nur ein Encore. Viele rechnen damit, dass sie für ihr dreizehntes Album – eine wichtige Zahl im Swift-Universum – tatsächlich zu ihren Country-Wurzeln zurückkehren wird, wie schon auf ihrer letzten Single „I Knew It, I Knew You“ angedeutet. Das würde viele Hater der Showgirl-Ära glücklich machen und noch mehr Fliegen mit einer Klappe schlagen: Country dominiert momentan die US-Charts. Und Taylor Swift mag Zahlen.