Shirin David wehrt sich gegen Doppelstandards: „Ich bin so müde von dem immer selben Bild einer Frau“

Die Gerüchte, dass die in Berlin lebende Rapperin Shirin David mit ihrer Netflix-Dokumentation nicht einverstanden war, gibt es schon lange. Beworben hat sie diese jedenfalls nie, was entsprechende Spekulationen anheizte. Am vergangenen Wochenende gab es dann den finalen Beweis.

In einer Fragerunde bei Instagram fragte ein Fan: „Was ist eine Sache, die die Öffentlichkeit komplett falsch über dich einschätzt?“ Shirin David antwortete: „Dass diese Netflix Doku authentisch war und nicht vollkommen an den Haaren herbeigezogen, um die Leidensgeschichte einer angeblich völlig überforderten Frau darzustellen.“

Sie lieferte sogar eine Einordnung: „Ich bin so müde von dem immer selben Bild/Stereotyp einer Frau, die alte Medien (Ja die Produktionen dort, werden von alten Menschen geführt) über eine erfolgreiche Frau malen wollen, während Männer zelebriert werden für die Hälfte ihrer Leistung.“

Lampenfieber, Hasskommentare und der Druck, immer perfekt sein zu müssen

Die Kritik trifft einen wunden Punkt der Dokumentation „Barbara – Becoming Shirin David“. Der Film von Michael Schmitt begleitet David bei den Vorbereitungen auf ihre zweite große Arenatour und zeigt sie vor allem als Perfektionistin bis zur Selbstzerfleischung: Immer wieder sitzt sie weinend vor Schminkspiegeln, verzweifelt über kleine Fehler auf der Bühne, und spricht über extremes Lampenfieber, Hasskommentare und den Druck, perfekt aussehen zu müssen.

Der Kommentar legt nahe, dass gerade Davids Ärger über den fehlenden Einfluss auf den fertigen Film etwas über sie selbst verraten könnte: Sie wolle die Kontrolle über das Bild behalten, das die Öffentlichkeit von ihr hat. Am Ende heißt es: „Vielleicht sollte Shirin David lernen, zu akzeptieren, dass sie nicht alles unter Kontrolle haben kann. Oder, andere Möglichkeit, nur noch Selfies posten.“

Doppelstandards im Mediengeschäft

David wiederum kommentiert das, wieder auf Instagram, mit weiterer Medienkritik: „Wenn ein Journalist eine Frau, die öffentlich Kritik äußert, sinngemäß auffordert, doch lieber hübsch auszusehen und Selfies zu posten, bedient er ein jahrhundertealtes Muster: Frauen dürfen sichtbar sein – aber nur solange sie nicht zu laut werden, widersprechen oder Deutungshoheit beanspruchen.“

Sie stelle dabei nicht infrage, ob der „Stern“-Autor diese Meinung „haben darf“, sondern frage: „Welche Gesellschaft möchte ein Journalist mit seiner Sprache mitprägen und welche Verantwortung übernimmt ein Magazin dafür, wenn es diese Sprache unter seinem Namen veröffentlicht?“ Feminismus könne laut David nicht nur dort stattfinden, wo er sich gut als Kolumne drucken lasse. Er müsse sich auch im eigenen journalistischen Umgang mit Frauen zeigen.

In einem weiteren Story-Post prangert sie an, dass die Gesellschaft Frauen und Männer mit zweierlei Maß messe: Während der Charakterzug, etwas kontrollieren zu wollen, bei Männern als kompromisslos, perfektionistisch und visionär gelesen werde, würden Frauen als kontrollierend, schwierig und überfordert dargestellt.

„Gerade bei einer Dokumentation über das eigene Leben ist es (…) vollkommen legitim, sich damit auseinanderzusetzen, welche Geschichte aus dem eigenen Material konstruiert wurde“, schreibt sie. „Das anschließend als Beweis dafür auszulegen, dass sie ‚um jeden Preis alles unter Kontrolle halten möchte‘, ist keine neutrale Beobachtung – es bedient den Doppelstandard.“

Dass David sich überhaupt so ausführlich und öffentlich gegen eine Darstellung ihrer Person wehrt, ist dabei bemerkenswert. Bisher strafte sie ihre Kritiker mit stoischer Gleichgültigkeit.