Berliner Vampir-Thriller „City of Blood“ auf Disney+: Die Blutsauger von der Spree

Berlin wird von Vampiren regiert. Die unsterblichen Blutsauger haben eine korrupte Herrschaft installiert, in der alles auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist. Die vom Regime unterdrückten Menschen werden als Blutspender ausgebeutet, die meisten haben sich in ihr Schicksal gefügt. Doch eine Gruppe menschlicher Rebellen sagt den übernatürlichen Diktatoren den Kampf an.

23 Jahre ist es inzwischen her, dass die beiden Berliner Tobias O. Meißner, Jahrgang 1967, und Reinhard Kleist, Jahrgang 1970, die erste Folge ihres dreiteiligen Comic-Thrillers „Berlinoir“ im Verlag Edition 52 veröffentlichten und darin ein düsteres, dystopisches Parallelwelt-Berlin entwarfen.

Jetzt bekommt die damals mit dem Branchenpreis Icom ausgezeichnete und mit viel Gesellschaftskritik angereicherte Story von der Spree ein zweites Leben und einen großen internationalen Auftritt: Sie läuft ab dem 16. September als achtteilige Thriller-Horror-Serie beim Streaming-Dienst Disney+, ihr Titel: „City of Blood“. Hier gibt es einen ersten Trailer zu sehen.

In den Hauptrollen sind unter anderem Lea Drinda („Becoming Charlie“, „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) und Soma Pysall („Para – Wir sind King“) zu sehen. Außerdem spielen die deutschen Stars Lars Eidinger und Jördis Triebel wichtige Figuren, wie der Branchendienst „Hollywood Reporter“ kürzlich meldete.

Eine Szene aus dem Comic „Berlinoir“.
Vampir-Hauptstadt: Eine weitere Szene aus „Berlinoir“.

© Carlsen/Reinhard Kleist

Berlin wird erneut getrennt

Im Lauf der Story wiederholt sich bekannte Stadtgeschichte als Farce: Berlinoir wird getrennt, dieses Mal in Nord und Süd, eine Mauer wird gebaut, Schießbefehl und tödlich endende Fluchtversuche inklusive.

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2004 berichtete der Tagesspiegel erstmals über „Berlinoir“. Hier ein Foto von Reinhard Kleist (links) und Tobias O. Meißner, das damals aus dem Anlass auf dem Gelände der Kulturbrauerei in Berlin-Prenzlauer Berg aufgenommen wurde.

© Tsp/Doris Klaas

„Deshalb spielt die Serie in der Zukunft, erzählt aber im Grunde die Vorgeschichte“, sagt Meißner. Dabei gehe es unter anderem um diese Fragen: „Wie kam es eigentlich, dass Vampire in Berlin an die politische Macht kamen? Mit wem mussten sie da paktieren? Welche Widerstände überwinden?“

Meißner und Kleist hatten kürzlich die Gelegenheit, die in Berlin und Prag gedrehte Serie zu sehen.

Die politische Dimension, die unsere Vorlage hat, wird in eine Zukunftsvision transferiert.

Reinhard Kleist

„Die politische Dimension, die unsere Vorlage hat, wird hier in eine Zukunftsvision transferiert“, ergänzt Reinhard Kleist. Der Zeichner ist in den vergangenen Jahren für seine Comics mit zahlreichen Branchenpreisen ausgezeichnet worden und hat sich zuletzt unter anderem als Schöpfer gezeichneter Biografien von Prominenten wie David Bowie oder dem amerikanischen Boxweltmeister Emile Griffith sowie wichtigen Personen der Zeitgeschichte wie dem Holocaust-Überlebenden Hertzko Haft profiliert.

Der Comic "Berlinoir" spielt in der Kulisse der Stadt. FLEDERMAUS fliegt vorm Fernsehturm. Zeichnungen: Reinhard Kleist
Im September 2026 erscheint die überarbeitete Neuausgabe von „Berlinoir“ mit bisher unveröffentlichtem Zusatzmaterial bei Carlsen, hier das vorläufige Covermotiv.

© Carlsen

„Auch ich bin schwer beeindruckt von dem großartigen Skript, das unsere Vision von einer Parallelwelt, die sich aus der Geschichte Berlins nährt, der Weimarer Republik, der Nazizeit, dem kommunistischen Regime, in eine logische Science-Fiction-Welt einer nicht allzu fernen Zukunft wandelt“, ergänzt Kleist.

Beim Screening habe er die „hakenschlagende Handlung“ gebannt verfolgt: „Es baut sich alles zwingend logisch aus allem, was wir heute verfolgen müssen, zu einem grandiosen Finale auf.“ Die Bilder findet Kleist „atemberaubend“, das Berlin in dieser dystopischen Vision sei „quälend beeindruckend und absolut glaubhaft“.

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Ab September kann sich das Publikum selbst einen Eindruck über Parallelen und Unterschiede zwischen „Berlinoir“ und „City of Blood“ verschaffen. Da steht nicht nur der Filmstart auf Disney+ an, es wird auch der seit einigen Jahren vergriffene Sammelband des Comics bei Carlsen mit bisher unveröffentlichtem Zusatzmaterial neu aufgelegt.