Schriftstellerin Thomas über Liebe im Kapitalismus: „Heterobeziehungen sind ein großes Risiko“

Frau Thomas, in Ihrem neuen Roman „Die zweitgrößte Liebe“ geht es um eine Beziehung, die an Klassenunterschieden scheitert – und an unterschiedlichen Einstellungen. Henry, der aus einer wohlhabenden Familie stammt, sagt: Liebe reicht, um Unterschiede zu überwinden. Michelle, die arm aufgewachsen ist, sagt: Liebe allein ist nicht genug. Auf wessen Seite stehen Sie?
Ich würde mir wünschen, dass ich auf Henrys Seite stehe, weil es so eine schöne Vorstellung ist. Aber ich sehe es eher wie Michelle: Im Kapitalismus reicht Liebe nicht. Wenn ein ökonomisches Ungleichgewicht herrscht, dann ist die Gefahr von Abhängigkeit und Machtmissbrauch groß. Ich wollte erkunden, wie es sich mit einem so ungleichen Machtverhältnis in einer Beziehung lebt.