Sozialpsychologe über Gewalt gegen Frauen: „Die Männer wähnen sich in einem Abwehrkampf“

Rolf Pohl hat als Sozialpsychologe seit den 1990er-Jahren zu Männlichkeit und Gewalt geforscht und ein Modell männlicher Gewalt entwickelt. Fast jeden Tag wird laut polizeilicher Kriminalstatistik in Deutschland eine Frau getötet, jeden dritten Tag im Rahmen von Partnerschaftsgewalt.

Dominique Pelicot betäubte seine Ehefrau Gisèle und bot sie Dutzenden anderen Männern zur Vergewaltigung an, Jeffrey Epstein vergewaltigte viele Jahre lang Minderjährige und reichte sie seinen Komplizen weiter. Seit März erschüttern die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen das Land.

Weshalb tun diese Männer das, Herr Pohl?
Dafür muss ich etwas ausholen.

Bitte.
Die Geschlechterverhältnisse in unserer Gesellschaft sind nach wie vor geprägt von einer hierarchischen Struktur der Ungleichheit. Es gibt eine tief verankerte Kultur der männlichen Überlegenheit, die teilweise bewusst ausgelebt wird, aber umso stärker noch im Unbewussten. Jungen und junge Männer wachsen damit auf. Sie internalisieren diesen Überlegenheitsanspruch, auch wenn sie es gar nicht wollen.