Mörderisches Airbnb: Lohnt sich der besondere Münchner „Tatort“?
Beim letzten Fall erschossen werden? Nein, bloß nicht. Dieses Klischee wollen die „Tatort“-Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) nach 35 Jahren Dienst unbedingt vermeiden. Es könnte aber eng werden, sehr eng….
Denn der finale Fall hat es in sich. So sehr, dass die beiden „Tatort“-Urgesteine eine Doppelfolge zum Abschied spendiert bekommen. Mit allem Drum und Dran: organisierte Kriminalität, besonders skrupellose Täter, besonders viel Münchner Lokalkolorit, besonders viel Frotzeln und Selbstironie, Verprügeltwerden, unverhoffte Wiedersehen mit alten Bekannten und ein tragisch-rührseliges Finale, fast wie bei Winnetou und Old Shatterhand.
Zunächst wird eine nicht identifizierbare Frauenleiche tief unter der Stadt gefunden. Mühsam puzzeln sich die Ermittler ein Täter-Psychogramm aus spärlichen Hinweisen zusammen: „Tatort: Unvergänglich“ (Ostersonntag und Ostermontag, ARD, jeweils 20:15 Uhr).
Alles deutet auf ein Phantom hin, das mit einer Freundin durch Münchens Wohnungen schleicht, sich mit duplizierten Schlüsseln Zugang zu ungenutzten Airbnb-Wohnungen verschafft und dabei offenbar von jener Frau gestört wird, die später ermordet gefunden wurde.
Denk dran: Nicht erschießen lassen!
Kommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec) zu seinem Kollegen Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) in ihrem letzten Münchner „Tatort“
Als der mutmaßliche Täter, Mike Werner, am Ende der ersten Folge, umzingelt von einer Sondereinheit, vom Dach eines Hochhauses springt, scheint der letzte Fall für Ivo und Franz gelöst, die Rente erreicht – wäre da nicht Mikes Freundin Kara, ein Rucksack mit reichlich Drogen drin und Spuren, die in Richtung organisierte Kriminalität weisen.
Und natürlich die Spürnase der Ermittler, oder besser nun: Ex-Ermittler (hier ein Tagesspiegel-Interview mit beiden). Weder Porschefahren (Leitmayr) noch Liebesurlaub in Kroatien (Batic) macht den beiden so richtig Spaß, bis zu einem Hilferuf von Kara, die offenbar verfolgt und bedroht wird.

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In Zivil, ohne Dienstmarke und Pistole, schlagen sich die Münchner Unruheständler im zweiten Teil fast im Alleingang mit der Balkan-Mafia herum, was den Kommissaren trotzdem Raum für Eigenglanz, Zwischentöne und private Momente gibt.
Zwischendrin läuft beiden, wie Kai aus der Kiste, noch Ex-Kollege Carlo Menzinger alias Michael Fitz über den Weg, der sich eigentlich damals nach Thailand aufgemacht hatte. 180 Minuten „Tatort“ müssen vollbekommen werden.
Und der Abgang vom Ivo und dem Franz? Um den macht die ARD ein Staatsgeheimnis. Der Pressescreener mit dem Shootdown an einem Münchner Stauwehr bricht kurz vor Ende ab. Die allerletzten Minuten mit Batic und Leitmayr werden erst am Montagabend, gegen viertel vor 10, das Licht der Welt erblicken.
Insgesamt ein würdiger Abschied (Buch: Johanna Thalmann, Moritz Binder, Regie: Sven Bohse), der die Balance zwischen Bigger-than-life-Krimi und Augenzwinkern hinbekommt. Ganz so ernst genommen haben die Kollegen Batic und Leitmayr sich, die Vorschriften und das Format ja ohnehin nie.
Bleibt das gute Gefühl, dass die ewigen Münchner Kommissare uns mit „Frau Bu lacht“ den besten „Tatort“ aller Zeiten beschert haben und mit diesen Fällen 99 und 100 zur rechten Zeit gehen. Besser wird’s nicht.