Wolf-Alarm im Berlin-„Tatort“: Der mit dem Prepper tanzt

Wolf-Alarm auf dem Teufelsberg: Auf einer Industriebrache am Rande Berlins wird ein Obdachloser mit Bissspuren tot aufgefunden. Wurde er von einer Wölfin gerissen, oder war es doch ein Mord? „Tatort: Gefahrengebiet“ (Sonntag, ARD, 20:15 Uhr).

Letzter Fall nach nur drei Jahren im Dienst von Kommissarin Susanne Bonard (Corinna Harfouch) an der Seite von Robert Karow (Mark Waschke). Letzte Gelegenheit, das Trennende, aber auch Gemeinsame dieser beiden Ermittler zu zeigen, was dem Krimi, so viel gleich vorweg, auf stupende Weise gelingt. Ob mit oder ohne Wolf.

Karow, der ironische Logiker und Skeptiker, und Bonard, die kontrolliert Zurückhaltende, gehen den Fall unterschiedlich an. Karow heftet sich an die Spuren eines merkwürdigen, geflüchteten Wanderers in der Nähe des Tatorts.

Niemand sieht einen Wolf. Außer natürlich, er will, dass man ihn sieht.

Wildnislehrerin Dara Kimmerer (Anne Ratte-Polle) im Berlin-„Tatort“ zu den Kommissaren

Bonard schlägt sich kurz entschlossen mit der Wildnislehrerin Dara Kimmerer (Anne Ratte-Polle) auf eine Erlebnis-Tour durch den Wald, komplett aus ihrer Haut heraus. Während Bonard Überlebenstraining macht, taucht Karow ein in die Welt dieses geheimnisvollen Wanderers, Noah Farrell (Nils Kahnwald).

ARD/rbb TATORT: GEFAHRENGEBIET, am Sonntag (01.02.26) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Ihr letzter gemeinsamer Fall führt Susanne Bonard (Corinna Harfouch, re.) und Robert Karow (Mark Waschke, li.) in den Wald. © rbb/Conny Klein, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter rbb-Sendung bei Nennung "Bild: rbb/Conny Klein" (S2+). rbb Presse & Information, Masurenallee 8-14, 14057 Berlin, Tel: 030/97 99 3-12118 oder -12116, pressefoto@rbb-online.de
Ihr letzter gemeinsamer Fall führt Susanne Bonard (Corinna Harfouch) und Robert Karow (Mark Waschke) in den Wald.

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Der entpuppt sich in seinem High-Tech-Bunker mitten in Berlin als Ex-Soldat, Heavy Prepper und Survivalist mit posttraumatischer Belastungsstörung, in panzerstahlsicherer Wohnung mit Vorräten für den Katastrophenernstfall und dubiosen Ansichten.

Was Karow – der erste „Tatort“-Ermittler, der von den Machern als offen bisexuell angelegt wurde – nicht hindert, sich dem verdächtigen Prepper sehr nackt hinzugeben.

Das hätte alles überdreht-überladen werden können, ausgehend vom Prepper-Wahn in der Survival-Szene, Misstrauen in den Staat, exzentrischen Kommissaren und der Panik um frei laufende Wölfe in Berlin, die auch die Staatsanwältin Taghavi (Jasmin Tabatabai) umtreibt. Das Ganze mit dieser ewigen Idee spielend: „Homo Homini Lupus“ (Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf).

Ist es aber nicht. Der Krimi (Buch und Regie: Mira Thiel) führt die beiden Kommissare bei ihren jeweiligen Ermittlungen an körperliche und spirituelle Grenzen – Karow sexuell, Bonard mit der Frage: Was macht sie eigentlich nach diesem Fall? Wer ist sie ohne den Beruf?

Bis zum (nicht ganz unerwarteten) Showdown bleiben die Figuren so im spannenden Wechsel zwischen Kontrolle und Freiheit, Lärm und Stille, Rationalität und Instinkt. Zwischen Großstadtkulisse und Grunewald.

Ein sehr guter Krimi. Schade, man hätte Karow und Bonard im Berlin-„Tatort“ noch gerne länger Wölfe und innere Grenzen suchen gesehen.