Nostalgischer Social-Media-Trend: War 2016 wirklich alles besser?

David Bowie hat es gewusst: 2016 würde schlimm werden – und er die Erde für immer verlassen. Sein fulminantes letztes Album „Blackstar“ erschien nur wenige Tage vor seinem Tod am 10. Januar und wirkte wie sein eigenes Requiem. Von da an ging’s bergab mit diesem Jahr: Brexit-Referendum, erste Trump-Wahl, auch Prince, Leonard Cohen und George Michael starben.

Trotzdem steht 2016 derzeit auf Instagram und TikTok hoch im Kurs. Millionenfach zeigen sich Menschen ihre Fotos aus diesem Jahr, teilen ihre Erinnerungen und fragen andere nach ihren.

So entsteht derzeit eine riesige Collage von Partyszenen, Urlaubsbildern, Alltagsschnappschüssen oder Selfies mit den damals populären Hundefiltern, die das eigene Gesicht in eine süße Welpenoptik verwandelten. Auch Popstars wie Justin Bieber, Dua Lipa oder Ed Sheeran machen mit und zeigen ihre alten Bilder.

Das Positive und Witzige überwiegt, nur vereinzelt werden traumatische Erlebnisse oder Gefühle geteilt. Zu diesem tendenziell verklärenden Blick auf die Vergangenheit trägt die kulturelle Konvention bei, dass man eben vor allem in glücklichen Momenten fotografiert. Von Liebeskummer, Beerdigungen, Streits oder schweren Diagnosen gibt es weniger Bilder oder eine höhere Hemmschwelle, sie zu teilen.

Getragen wird der 2016er-Trend vor allem von Millennials, die an ihre Jugend und frühe Erwachsenenzeit zurückdenken. Aber auch die Generationen vor und nach ihnen machen mit. Gemeinsam erzeugen die User*innen ein digitales Lagerfeuer, an dem man kurz durchatmen kann in einer von Dauerkrisen und Kriegen dominierten Zeit – und diese dadurch zumindest für einen Moment besser erträgt.