Taifun Nepartak macht den Surfern zu schaffen

Das goldene Kreuz baumelte an der Halskette von Italo Ferreira. Beistand von oben hatte der Brasilianer an diesem Tag auch gebraucht. Vor dem Tsurigasaki Beach, der Austragungsstätte der Surfwettbewerbe der Olympischen Spiele, herrschte auf Deutsch gesagt Sauwetter. Der Himmel war dunkelgrau und es ging ein ordentlicher Wind. Letzteres ist beim Surfen durchaus zu begrüßen, doch der Wind blies aus allen Richtungen.

Die Achtelfinal-Duelle bei den Surfern waren eine Lotterie. Manche, wie John John Florence aus den USA, hatten Pech. Andere, wie Ferreira, hatten Glück. „Es hat heute so viele Wellen gegeben“, sagte er. „Aber es war wahnsinnig schwer, bei dem Unwetter die richtige zu finden.“ Ferreira hatte die eine gute Welle erwischt und setzte sich in seiner Runde gegen den Neuseeländer Billy Stairmand durch. Der Brasilianer gilt neben seinem Landsmann Gabriel Medina als Favorit auf den Sieg.

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Zum ersten Mal in der Geschichte der Olympischen Spiele steht in diesen Tagen von Tokio das Surfen auf dem Programm. Es ist der Versuch des Internationalen Olympischen Komitees, jüngere Zielgruppen an die Olympische Bewegung zu binden. Dabei stößt dies in der Surferszene durchaus auf Gegenliebe. Die Sportart ist in der Spitze schon lange abgekoppelt vom Lifestyle der Freizeitsportler. Es gibt eine große Zahl an Profis, die sich jedes Jahr aufs Neue in Wettkampfserien wie der prestigeträchtigen Triple Crown of Surfing auf Hawaii beweisen. Dass es nun olympisch ist, begrüßen die meisten. Eine Subkultur ist die Sportart ohnehin schon seit vielen Jahren nicht mehr.

„Im Wasser habe ich gemerkt, dass der Wellengang tückisch ist“

Doch die allerbeste Werbung für diese Sportart konnten die Surferinnen und Surfer bislang noch nicht machen. Das lag an den Bedingungen. Während in den ersten Wettkampftagen die Wellen noch recht flach waren, kündigte sich am Montag bereits der Taifun Nepartak leicht an. Es stürmte los, mal brachen die Wellen links, mal rechts. „Als ich die Wellen gesehen habe, hatte ich total Bock“, sagte der Japaner Hiroto Ohhara, „aber im Wasser habe ich gemerkt, dass der Wellengang tückisch ist.“

Wie die nationale Wetterbehörde bekannt gaben, dürfte sich der Taifun gegen Dienstag dem Osten und Nordosten Japans nähern. Die Behörde warnte vor heftigen Regenfällen, stürmischen Winden und hohem Wellengang. Auch in Tokio könnte es zu Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern in der Stunde kommen. Es ist fraglich, ob die Surfwettbewerbe in den kommenden Tagen fortgesetzt werden können.

Aber die Surferinnen und Surfer sind hart im Nehmen. Sie sind es gewohnt sind, mit widrigen Bedingungen umzugehen. „Es ist super-hart hier“, sagte Ferreira, „aber genau das ist die Herausforderung. Dass man irgendwie damit klarkommt.“ Sein Rivale Gabriel Medina wollte ebenfalls nicht weiter klagen. „Es sind nicht die Bedingungen, die man sich für die Olympischen Spiele wünscht. Aber es ist, wie es ist.“

Auch Jannik Dörr vom Deutschen Wellenreit-Verband (DWV) findet, dass „Olympia schöne Bilder vom Surfen in die Welt sendet“. Die Sportart würde durch Olympia noch sichtbarer. Dörr hofft, dass die Spiele auch den Nachwuchs in Deutschland motivieren, mit dem Surfen anzufangen. In Tokio schied Leon Glatzer, der einzige deutsche Starter, in der ersten Runde aus.

Die Japaner sind dagegen immer noch in den Surf-Wettbewerben vertreten. Surfen ist in die Sportkultur des Landes übergegangen. Die Surfer Japans sind bekannt dafür, dass sie keine Scheu vor sehr kaltem Wasser haben. Die Bedingungen in dem Inselreich sind fürs Surfen an manchen Tagen ideal. Wenn ein Sturm bläst, können die Wellen schon einmal bis zu drei Meter groß werden.

Genau das könnte in den nächsten Tagen auch passieren, wenn es der Taifun Nepartak möglich macht. Gut möglich aber, dass er so doll bläst, dass es schon wieder zu viel ist.