Stromausfall in Berlin: 45.000 Haushalte ohne Strom und Heizung – Polizei prüft Brandstifter-Bekennerschreiben

  • XXL-Stromausfall in Berlin: 45.000 Haushalte ohne Strom und Heizung
  • Feuer an Kabelbrücke im Südwesten Berlins Ursache für Störung der Stromversorgung
  • Verdacht auf Brandstiftung – Stromausfall könnte bis zum 8. Januar andauern

Seit den frühen Morgenstunden des 3. Januar 2026 herrscht am südwestlichen Stadtrand von Berlin Ausnahmezustand: Nach Angaben von Stromnetz Berlin ist für gut 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe in Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde wegen des Brands an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal der Strom ausgefallen. Die Polizei ermittelt wegen Verdachts der Brandstiftung. Ein Zeuge hatte die Einsatzkräfte gegen 06.45 Uhr alarmiert. Zunächst stand ein Baucontainer unterhalb der Kabeltrasse in Flammen. Durch den Brand wurden mehrere Hochspannungskabel beschädigt, die zum nahegelegenen Kraftwerk Lichterfelde führen.

XXL-Stromausfall in Berlin: 45.000 Haushalte ohne Strom und Heizung, Polizei ermittelt nach mutmaßlicher Brandstiftung

Die Ermittler stehen noch ganz am Anfang ihrer Arbeit. “Es geht jetzt hier am Ort darum, die Erkenntnisse zu verdichten”, erklärte ein Polizeisprecher vor Ort. Eine Tatortgruppe des Landeskriminalamtes ist im Einsatz und setzt dabei auch Drohnentechnik ein. Je nach Ergebnis der Untersuchungen könnte der Staatsschutz die Ermittlungen übernehmen – diese Abteilung ist für politisch motivierte Straftaten zuständig. Ob ein solcher Hintergrund vorliegt, bleibt derzeit offen. Die Polizei äußerte sich auf Nachfrage nicht zu Details und verwies auf die laufenden Ermittlungen. Der Fall erinnert an einen ähnlichen Vorfall im September im Südosten Berlins. Damals waren ebenfalls rund 50.000 Kunden betroffen – Ursache war ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten.

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Polizei prüft Bekennerschreiben nach möglicher Brandstiftung

Nach dem großen Stromausfall in Berlin ist bei dem für politische Straftaten zuständigen Staatsschutz der Polizei ein Bekennerschreiben eingegangen. Derzeit werde geprüft, ob das Schreiben authentisch sei, teilte die Polizei auf der Plattform X mit.

Blackout im Berliner Südwesten: Alltag bricht zusammen, Winterwetter verschärft die Lage

Die Folgen des Stromausfalls treffen die Anwohner der betroffenen Stadtteile mit voller Wucht. Ohne Elektrizität funktionieren auch die Heizungen nicht, das Mobilfunknetz ist gestört. Supermärkte bleiben geschlossen, Verkehrsampeln sind ausgefallen. Ausgerechnet an diesem Morgen fiel Schnee in Berlin. Die Polizei fährt mit Lautsprecherwagen durch die betroffenen Straßen und informiert die Anwohner. Auf der Plattform X rät sie den Menschen, bei Freunden oder Verwandten unterzukommen und Mobiltelefone sparsam zu nutzen. “Denken Sie an ältere oder hilfsbedürftige Personen und bieten Sie Hilfe an. Halten Sie für die Abendstunden Taschenlampen oder batteriebetriebene Leuchten bereit”, heißt es in dem Aufruf. Feuerwehrsprecher Adrian Wentzel betonte den Unterschied zu einem Sommerausfall: “Es wird um 16.00 Uhr dunkel, es wird kalt.”

Pflegeheime und Krankenhäuser von Stromausfall betroffen – Berliner Feuerwehr verlegt Patienten

Die Rettungskräfte stehen vor besonderen Herausforderungen. Im betroffenen Gebiet liegen mehrere Pflegeheime und Krankenhäuser. Bewohner und Patienten aus zwei Einrichtungen wurden bereits in andere Heime gebracht, wie Feuerwehr-Sprecher Vinzenz Kasch mitteilte. Weitere Verlegungen werden geprüft.

Die Feuerwehr warnt eindringlich davor, gasbetriebene Heizgeräte in geschlossenen Räumen zu verwenden. Bei gestörtem Telefonnetz können sich Betroffene in Notfällen an die nächste Feuerwache oder Polizeiwache wenden. Auch Busfahrer können Notrufe absetzen.

Kein Ende von Blackout in Sicht: Stromausfall könnte erst am 8. Januar behoben werden

"Aufgrund von Stromausfall geschlossen" steht auf einem Schild vor einem Supermarkt - im Südwesten Berlins ist für 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbebetriebe der Strom ausgefallen. (Foto) Suche
“Aufgrund von Stromausfall geschlossen” steht auf einem Schild vor einem Supermarkt – im Südwesten Berlins ist für 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbebetriebe der Strom ausgefallen. Bild: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Die Wiederherstellung der Stromversorgung wird sich nach Einschätzung des Netzbetreibers noch lange hinziehen. Stromnetz Berlin rechnet mit einer vollständigen Versorgung aller Kunden erst bis Donnerstagnachmittag, den 8. Januar. “Aufgrund der entstandenen erheblichen Schäden wird die Reparatur der Kabel sehr lange dauern”, teilte das Unternehmen mit. Für die Instandsetzung sind umfangreiche Tiefbauarbeiten und das Verlegen neuer Kabel erforderlich. Das winterliche Wetter erschwert diese Arbeiten zusätzlich. Hinzu kommt, dass am Brandort noch die Spurensicherung läuft. Eine kleine Entlastung ist jedoch in Sicht: Etwa 10.000 Haushalte könnten bereits am Samstagabend wieder Strom erhalten. Der Netzbetreiber arbeitet daran, diese Kunden aus anderen Netzteilen zu versorgen.

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loc/news.de/dpa