Queeres Kino für Zuhause: ARD mit buntem Pride-Programm

In den Pride-Monaten Juni und Juli geht es bei der ARD etwas diverser zu als im restlichen Jahr. Einige Dritte Programme zeigen queere Filme oder Reihen. Da die Werke nach Ausstrahlung eine Zeit lang in der ARD-Mediathek abrufbar sind, erreichen sie regelmäßig ein Millionenpublikum.

Pionier ist hier der Rundfunk Berlin Brandenburg, der unter dem Titel „RBB Queer“ schon seit 2018 eine solche Sommerreihe im Programm hat. Seit 2022 gibt es auch „BR Queer“ beim Bayerischen Rundfunk.

Das sagt viel über den Kulturwandel in der Bundesrepublik aus. Vor 53 Jahren war es nämlich der BR, der sich als einzige ARD-Anstalt aus der Ausstrahlung von Rosa von Praunheims „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ aus dem ARD-Gemeinschaftsprogramm ausklinkte. Als müssten die Menschen in Bayern vor diesem schwulen Inhalt geschützt werden.

„BR Queer“ legt am 18. Juni los, „RBB Queer“ am 14. Juli

„BR Queer“ (donnerstags im BR Fernsehen) startet am 18. Juni um 23.15 Uhr mit dem französischen Bikerinnen-Drama „Rodeo“. Darin verliebt sich die hitzköpfige Motorradliebhaberin Julia ausgerechnet in die Frau eines Gang-Anführers.

Sieben Filme laufen in der Reihe, darunter als deutsche Erstausstrahlung das italienische Schwulendrama „Fireworks“ von 2023, das auf einem wahren Kriminalfall vom Anfang der Achtzigerjahre basiert.

„RBB Queer“ startet am 14. Juli und umfasst ebenfalls sieben Filme, allerdings andere als beim BR. Los geht es hier mit dem ebenfalls aus Frankreich kommenden Bürokratie-Drama „15 Liebesbeweise“. Darin muss ein verheiratetes Frauenpaar, das ein Kind erwartet, dem Staat mit 15 Briefen beweisen, dass die Nicht-Schwangere der beiden der Mutterrolle gewachsen ist.

Auch der MDR („Little Trouble Girls“) und der WDR („Bis ans Ende der Nacht“) zeigen im Juli gezielt queere Filme.

Streamingplattformen brachten mehr Vielfalt

Lange Zeit waren Filme über Lesben, Schwule, bi oder trans Personen in erster Linie Leidensgeschichten, die meist unglücklich endeten. Erst in jüngerer Zeit wurden die Darstellungen vielfältiger und optimistischer.

Ganz wesentlich trugen die Streamingplattformen zu dieser Entwicklung bei. Netflix-Serien wie „Heartstopper“ oder „Sex Education“ begeistern ein breites Publikum. Der bisher größte Serienhit dieses Jahres war die Eishockeyspieler-Romanze „Heated Rivalry“. Nicht zu vergessen die oft glamourösen Produktionen des einflussreichen US-amerikanischen Serienschöpfers Ryan Murphy, der unter anderem „Glee“, „Hollywood“, „Halston“, „The Politician“ oder „Ratched“ entwickelte.

Auch im Kino hat sich in der vergangenen Dekade viel getan. Man denke an erfolgreiche Werke wie „Call Me by Your Name“ von Luca Guadagnino (nach einem oscargekürten Drehbuch von James Ivory), „Sommer 85“ von François Ozon oder das herausragende Historiendrama „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ von Céline Sciamma.