Provo-Regisseur Uwe Boll und Elon Musk: Eine unschöne Alternative gegen Deutschland
Elon Musk interessiert sich für Deutschland. Und er hat ein offenes Ohr für deutsche Stimmen, die im vermeintlich links-grünen Meinungskorridor ungehört verhallen. Kurz vor Weihnachten 2024 postete der X-Chef auf seiner Plattform, dass nur die AfD Deutschland retten könne. Zur Belohnung durfte er dafür einen Gastbeitrag in der „Welt“ schreiben. Den Podcaster El Hotzo hatte er ein halbes Jahr zuvor wegen eines hämischen Trump-Posts sogar beim deutschen Bundeskanzler angeschwärzt. Gerade ist er einem Kämpfer gegen die deutsche „Meinungsdiktatur“ zur Seite gesprungen.
Für 48 Stunden hat Musk den Selbstjustiz-Thriller „Citizen Vigilante“ von Uwe Boll in voller Länge auf X veröffentlicht, nachdem der notorisch kontroverse Regisseur ihn auf der Plattform zuvor um Hilfe gebeten hatte. Die Freiwillige Selbstkontrolle der deutschen Filmwirtschaft hatte seinem Film vor knapp einem Monat keine Altersfreigabe erteilt. Ohne FSK-Bewertung sind die Chancen auf eine kommerzielle Auswertung, etwa auf Streamingplattformen oder im Kino, jedoch äußerst gering. Der Film drohte, wie schon so viele andere Boll-Machwerke zuvor, unbeachtet in der Versenkung zu verschwinden.
Die Prüfstelle ist allerdings keinem Ministerium untergeordnet, sondern bloß ein Instrument des Jugendschutzes aus der Filmwirtschaft. Boll witterte trotzdem Zensur, eine Verschwörung des politisch-industriellen Unterhaltungskomplexes. Der Grund: Sein Film handelt von einem amerikanischen Geschäftsmann, gespielt von dem in Hollywood wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs seit fünf Jahren als unanstellbar eingestuften Armie Hammer („Call Me By Your Name“), der sich irgendwo in „Europa“ auf einen Rachefeldzug gegen kriminelle Migranten begibt.
Auch die kompromittierte Staatsanwaltschaft gerät ins Visier des „Dark Knight“. Mit diesem ursprünglich geplanten Filmtitel hatten die Batman-Rechtinhaber verständlicherweise ein Problem. „Citizen Vigilante“ widmet Boll im Abspann jetzt den „Tausenden von Vergewaltigungsopfern und Ermordeten, die von der Justiz betrogen wurden“.
Wie ein Imagefilm für eine AfD-Kampagne
Mit hartem Tobak – spekulativer Gewalt, Misogynie und einem reaktionären Weltbild – hat sich Uwe Boll in Trashkino-Fankreisen einen Namen gemacht. „Citizen Vigilante“ ist in politischer Hinsicht aber noch mal deutlich enthemmter als seine früheren Videospieladaptionen und in ihrer handwerklichen Unbeholfenheit eher unfreiwillig komischen Genrefilme. Der letzte Teil seiner „Deutschland im Winter“-Trilogie könnte auch locker als Imagefilm einer AfD-Kampagne durchgehen.
Gleich in der Eröffnungsszene bekommt eine blonde Frau von einem finster dreinblickenden schwarzen Mann vor den Augen ihres Kindes auf offener Straße ein Schlachtermesser in den Hals gerammt. Splatter-Experte Boll weiß, wie man Ängste bei seinem Publikum schürt. Je höher die Blutfontänen spritzen, desto dringlicher ist sein (nicht nur künstlerisches) Anliegen.
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Uwe Boll hat mit „Citizen Vigilante“ die in der deutschen Kulturszene erbittert geführte Debatte um die „Kunstfreiheit“ damit um eine niederträchtige Pointe bereichert. Denn eigentlich sieht der Regisseur seinen Film ja in einer Ahnenreihe mit „Taxi Driver“, „Natural Born Killers“ und „John Wick“. Auf Augenhöhe mit furchtlosen, radikalen Filmemachern.
Für diese Selbsteinschätzung muss man am allermeisten wohl Armie Hammer bemitleiden, der im US-Branchenblatt „Variety“ kürzlich noch von seinem Comeback schwärmte. Das ist, trotz Elon Musk, bis auf Weiteres wohl vertagt.
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