Kinostarts der Woche: Was man von einem Huhn über das Leben lernen kann

Zugegebenermaßen haben Hühner nicht gerade den Ruf, die intelligentesten Geschöpfe zu sein. Doch manchmal lohnte es sich, genauer hinzusehen (und dabei unsere menschliche Überheblichkeit abzulegen).

Genau das macht György Pálfi mit dem Film „Lebensansichten eines Huhns“, der uns Zuschauer:innen tiefere Einsichten über das Leben schenkt.

Sandra Wollner’s „Everytime“ und Nicoangelo Gelorminis „La Gioia – Süchtig nach dir“ behandeln jeweils eigene große Themen des Lebens: Trauer und Freude. Was diese Woche außerdem sehenswert ist, lesen Sie hier.

1 Everytime

Der Tod kommt so schnell, dass man ihn verpasst. Eben noch hatte Jessie (Carla Hüttermann) mit ihrem Freund Lux (Tristan López) auf dem Hochhausdach den Sonnenaufgang und einen Vogel im Sturzflug bestaunt.

Und dann stürzt sie selbst in die Tiefe, bedröhnt von einer durchtanzten Nacht und Substanzen, die sie mit Lux genommen hat.

Ein Bild, kurz wie ein Wimpernschlag. Der Freund merkt nichts, der Himmel über Berlin leuchtet.

Die Trauer kommt langsam. Ein Jahr ist seit dem Tod der 17-Jährigen vergangen. Die Friedhofsbesuche ihrer Mutter Ella (Birgit Minichmayr) mit Melli, der kleinen Schwester (Lotte Shirin Keiling), sind Routine.

Eines Tages kommt Lux mit. Keiner sagt was, aber die anderen geben ihm die Schuld an Jessies Tod.

So fing „Everytime“ an, mit banalem Geschwisterstreit, einer genervten Mutter. Eigentlich wollten sie am nächsten Tag auf die Kanaren fliegen.

Die Trauer macht Ella, Melli und Lux einsam, aber paradoxerweise verbindet die Einsamkeit sie auch. Mehr und mehr suchen sie die Nähe zueinander.

Aus Erinnerungsfragmenten kreieren die drei eine Welt, in der der Tod nichts zu suchen hat. Everytime oder die Gleichzeitigkeit von Diesseits und Jenseits: ein Trip, pure Halluzination?

In ihrer dritten Regiearbeit erweist sich die Österreicherin Sandra Wollner („The Trouble with Being Born“) als Meisterin der Zeitschleifen und Parallelwelten.

Sie nimmt sich nicht nur die Freiheit, elliptisch zu erzählen, sie lässt auch den Schmerz Regie führen. Wirkliche und virtuelle Welt, Gegenwart, Vergangenheit, die verwehrte gemeinsame Zukunft beginnen sich zu mischen. (Christiane Peitz)

Die vollständige Rezension können Sie hier lesen.

2 La Gioia – Süchtig nach dir

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Romeo-und-Julia-Geschichten gehen immer. Zumindest scheinen das die Macherinnen von „Flieg steil“ zu denken: Die Sängerin einer Neonazi-Band und ein frustrierter Punk, der ihre Stammkneipe, einen Nazitreffpunkt, in die Luft jagen will, verbünden sich darüber, dass sie beide Außenseiter in ihren Gruppen sind.

Konnie, weil ihren Bandkollegen ihre Texte zu „feministisch“ sind („Die Zukunft des Nationalsozialismus ist weiblich“), und Rudi, weil sein Plan seinen trantütigen Genossen zu radikal ist.

Vom verzweifelten Bedürfnis, dass „endlich was passiert“

Er selbst ist allerdings auch ein ziemlicher Jammerlappen (und ein Alkoholiker am Rande zur Psychose), der weniger von seiner politischen Überzeugung als vielmehr vom verzweifelten Bedürfnis, dass „endlich was passiert“, geleitet zu sein scheint.

Der Film strotzt vor Klischees und unglaubwürdigen Storylines: Dass sich auch in der extremen Rechten Frauen gegen Sexismus auflehnen, mag vorkommen.

Aber dass sich eine Person, die sich sonst für Rassenreinheit ausspricht und ihre Kameraden mit „Sieg Heil“ begrüßt, plötzlich für Transrechte und „Körperpositivität“ einsetzt, erscheint an den Haaren herbeigezogen. Ein weiterer misslungener deutscher Hufeisen-Film. (Emma Rotermund)

4 Der Klang der Stradivari

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In Großaufnahme sieht man zu Beginn, wie ein Ei aus dem Geflügelkörper gepresst wird, auf ein Fließband plumpst und im Brutkasten landet.

Aus ihm schlüpft ein schwarzes Küken, das heraussticht aus Tausenden gelber Artgenossen, die in der Hühnerfabrik durch Trichter und Sortieranlagen geschleust werden.

Als aus ihm ein stolzes, schwarzes Huhn herangewachsen ist, büxt das aufgeweckte Tier aus und beginnt eine abenteuerliche Reise durch das ländliche Griechenland.

Geflüchtete von Schleusern wie Vieh behandelt

Auch wenn in György Pálfis „Lebensansichten eines Huhns“ die titelgebende Heldin im Fokus des Geschehens steht, beobachtet der Film aus dem Augenwinkel die Menschen in der Umgebung, die nicht nur dem Huhn, sondern auch einander Leid antun.

Die Analogien sind eindrücklich, wenn Geflüchtete von Schleusern wie Vieh behandelt werden und ein falsch abgelegtes Ei eine Katastrophe auslöst.

Was als scheinbar harmloser Tierfilm beginnt, der ohne Kommentarstimmen auskommt und nur über Musik und Schnitt Bezüge herstellt, entwickelt im letzten Drittel unerwartete dramatische und lebensphilosophische Tiefe. (Martin Schwickert)

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6 Nightborn

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