Kinostarts der Woche: Mord als letztes Mittel auf dem Arbeitsmarkt
Was würden Sie tun, um in schwierigen Zeiten einen Arbeitsplatz zu sichern? In „No other choice“ greift der Protagonist in einer Welt, in der die Versprechen einer kapitalistischen Wohlstandsgesellschaft längst pasé sind, zu drastischen Mitteln.
Und sonst so? In „Ein Kuchen für den Präsidenten“ läuft die kleine Lamia los in die nächste Stadt, um Saddam Hussein einen Geburtstagskuchen zu backen. Und „Sabbatical“ leuchtet das Spektrum explosiver Beziehungsdynamiken aus, wie sie nur im Urlaub entstehen können.
1 No Other Choice
Spätestens als ihm sein Chef einen toten Aal als Dank für seine Leistungen in der Firma schickt, hätte Man-su (Lee Byung-hun, bekannt geworden als „Squid Game“-Bösewicht) ahnen können, dass seine Zeit beim größten Papierhersteller Südkoreas abgelaufen ist. Aber Man-su ist nicht die hellste Leuchte, dafür hat er eine Leistungs- und Leidensbereitschaft, die eine Menge krimineller Energie freisetzt.
Da der südkoreanische Regisseur Park Chan-wook aber sehr pointierte und bitterböse Ansichten über den Spätkapitalismus in seinen letzten Zügen hat, wird der etwas tölpelhafte Protagonist seiner neuen Komödie gegen jede Wahrscheinlichkeit so etwas wie eine Identifikationsfigur.
Mit dem Jobverlust beginnt für Man-su und seine Familie der gesellschaftliche Abstieg. Das Haus im Grünen wird verkauft, die Haustiere gehen zu den Schwiegereltern, nicht mal fürs Netflix-Abo reicht das Geld. Seine resolute Frau Miri (Son Yejin) regelt das Downsizing, während sich Man-su mit Jobs im Supermarkt die Illusion aufrechterhält, weiter zur Leistungsgesellschaft dazuzugehören.
Als ein Freund ihm wieder einen Job in der Papierbranche in Aussicht stellt, sieht er seine Chance gekommen. Und Man-su denkt pragmatisch: Wenn die Mitbewerber sterben, steht seinem Comeback als preisgekrönter „Papieranmischer“ nichts mehr im Weg.
„No Other Choice“ lautet in Parks Satire das Mantra des Spätkapitalismus. Die Amerikaner rechtfertigen so die Stellenkürzungen in der Papierfabrik. Auch für Man-su, der um seine Würde kämpft, ist der Mord als letztes Mittel auf dem Arbeitsmarkt alternativlos. (Andreas Busche)
2 Sabbatical
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Zum Nationalfeiertag hat die neunjährige Lamia (Baneen Ahmad Nayyef) das große Los gezogen: Sie soll dem Präsidenten Saddam Hussein einen Geburtstagskuchen backen. Das Ansehen ihrer gesamten Schulen steht auf dem Spiel.
Doch 1991 sind im Irak, der sich gerade mitten im Golfkrieg befindet, Grundnahrungsmittel Mangelware; und Lamias Großmutter, bei der das Mädchen lebt, ist arm.
Als Bibi (Waheed Thabet Khreibat) beschließt, die Enkelin in die Obhut einer wohlhabenden Familie abzugeben, büxt diese mit ihrem Hahn Hindi aus, um die Zutaten für den Kuchen allein zu organisieren.
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„Eier für die Fruchtbarkeit, Mehl für die Lebenskraft, Zucker für ein süßes Leben“: Lamia hat den Kinderreim ihrer Großmutter stets im Ohr, wenn sie gegen alle Widrigkeiten durch ein verheertes Land streunt, in dem das Gesicht des Diktators an jeder Straßenecke zu sehen ist.
Regiedebütant Hasan Hadi bleibt konsequent auf Augenhöhe mit seiner Protagonistin, was seinem Film immer wieder rührend-komische Momente beschert. (Andreas Busche)
4 Winter in Sokcho
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Aus Theodor Storms grandioser, sturmdurchbrauster Nordsee-Novelle von 1899, die dörflichen Aberglauben mit der Figur eines fortschrittsgläubigen Deichbauers kombiniert, macht Francis Meletzkys Neuverfilmung einen Ökothriller.
Deichgraf Hauke Haien (Max Hubacher) und Ehefrau Elke (Olga von Luckwald), eine Meeresforscherin, glauben nicht daran, dass man in Zeiten ansteigender Meeresspiegel den Deich vom Carolinenkoog immer höher aufstocken kann.
Der visionäre Eigenbrötler will die Menschen stattdessen auf eine schwimmende Siedlung einschwören, wovon weder sein Gegenspieler, Bürgermeister Ole (Nico Holonics), noch die Dorfbewohner erbaut sind, die seit Jahrhunderten ihre Reetkaten gegen die See verteidigen.
Ein spannender Stoff, der jedoch im Brandungstosen, sintflutartigem Filmregen und unheilschwangerer Musik ersäuft. Allzu plakativ und holzschnittartig fallen Charaktere, Story und der Gespensterschimmel aus.
Dem Drama zwischen Zivilisation und Natur werden weder platte Dialoge noch Fernseh-Close-ups auf die salzwassergeröteten Augen des Deichgrafen gerecht. (Gunda Bartels)
6 Ungeduld des Herzens
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