Portugals zweiter WM-Auftritt: Ronaldos Rekordspiel: Zwei Tore gegen Usbekistan

„I’m back“ – das brüllte Cristiano Ronaldo voller Genugtuung nach dem Abpfiff in die Kamera. Der wiedererstarkte Superstar hat Portugal wieder in den Favoritenkreis dieser Fußball-WM geführt und sich selbst zurückgemeldet. Der Stürmer traf beim 5:0 (3:0) gegen Außenseiter Usbekistan zweimal und sicherte sich weitere Rekorde. Als erster Spieler überhaupt hat der 41-Jährige jetzt bei sechs Weltmeisterschaften getroffen, zudem überholte er mit seinem neunten und zehnten WM-Treffer Portugals Legende Eusébio in der ewigen Torschützenliste.
„Wir wollen weit, weit kommen“
„Damit das niemand vergisst: Wir sind zurück, ich bin zurück“, sagte Ronaldo triumphierend im ersten Interview danach. „Ich bin unglaublich glücklich. Das Wichtigste ist natürlich, dass wir als Mannschaft gut gearbeitet haben. Wir haben alles getan, wir haben es verdient, wir haben auch die schwierigen Zeiten überstanden. Wir sind zurück.“ Die Rekorde seien ja „schön“, aber viel wichtiger: „Wir wollen weit, weit kommen.“
Ronaldo war in der 6. und 39. Minute erfolgreich, zudem traf Teamkollege Nuno Mendes (17.) mit einem direkt verwandelten Freistoß. Den vierten Treffer für Portugal erzielte Torwart Abduvokhid Nematov per Eigentor (60.). Der eingewechselte Rafael Leão legte noch nach (87.). Mit nun vier Punkten haben die Portugiesen in der Gruppe K wieder beste Aussichten auf den Einzug in die K.-o.-Runde. Usbekistan steht dagegen vor dem Aus.
Traumstart für Ronaldo
Mitfavorit – oder nicht? Wie stark Portugal bei dieser WM auftreten kann, war nach dem schwachen Auftakt gegen die Demokratische Republik Kongo nur schwer zu deuten. Die Auswahl des amtierenden Nation-League-Siegers ist mit Weltklassespielern besetzt und eigentlich überhaupt nicht mehr von genialen Ronaldo-Momenten abhängig. Das müde 1:1 hatte aber vor allem auch Zweifel an der Harmonie im Team aufkommen lassen.
Als würden sie die Welt vom Gegenteil überzeugen wollen, feierten die Portugiesen dann Ronaldos ersten Treffer überschwänglich. Mit ausgebreiteten Armen rannte der 41-Jährige auf die Bank zu, praktisch alle Spieler rissen den Superstar in ihre Arme. Wenige Minuten zuvor hatte der mehrfache Weltfußballer eine ähnliche, über die Außen eingeleitete Torchance noch relativ leichtfertig vertändelt (4.).
Den Freistoß, den Nuno Mendes zum 2:0 verwandelte, überließ der ebenfalls bereitstehende Kapitän seinem Teamkollegen. Usbekistans Torwart Nematov, der von seinem Trainer Fabio Cannavaro in die Startelf berufen worden war, sah bei dem Tor etwas hilflos aus – Mendes traf genau in die sogenannte Torwartecke. Womöglich hatte auch der Keeper damit gerechnet, dass Ronaldo (ins andere Eck) schießt.
Und alle rufen: „Siuuuu“
Nach dem zweiten Gegentor retteten sich die Usbeken, die zum Auftakt mit 1:3 gegen Kolumbien verloren hatten, vor der portugiesischen Wucht in die Trinkpause – und bejubelten dann den vermeintlichen Anschlusstreffer. Doch das Traumtor von Aziz Ganiev in der 29. Minute aus der Distanz zählte nicht, weil Portugals João Cancelo beim Zweikampf zuvor gefoult wurde. Bei der Verkündung der Entscheidung nach Videobeweis jubelten die portugiesischen Fans lautstark.
Nach Ronaldos zweitem Tor, ein überlegter Flachschuss, wirkte die Partie schon vor dem Halbzeitpfiff entschieden. Durch die Arena hallte Ronaldos berühmter Torjubel, dessen Ruf von Medien weltweit inzwischen als „Siuuuu“ wiedergegeben wird.
Die zweite Halbzeit begann deutlich ruhiger als die erste. Das usbekische Eigentor nach einer Ecke von Bruno Fernandes ließ auch letzte Hoffnungen der Fans des Außenseiters auf eine Sensation schwinden, ehe Leão den Schlusspunkt setzte. Auf Portugals Nationaltrainer Roberto Martínez warten nach dem deutlichen Ergebnis vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Kolumbien in der Nacht zum Sonntag deutlich ruhigere Tage als nach dem Auftaktspiel.
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