Pionier und Brückenbauer: Ein Nachruf auf den langjährigen Berlinale-Leiter Moritz de Hadeln
Als Moritz de Hadeln im Jahr 2001 seines Postens als Berlinale-Chef enthoben wurde, reagierte er gekränkt: „Niemand versteht, was ich getan haben soll. Habe ich silberne Löffel gestohlen?“ De Hadeln hätte gern noch weitergemacht, und doch schien es nach 21 langen Jahren auch genug zu sein. So lange hatte vor und auch nach ihm nie jemand die Leitung der Internationalen Filmfestspiele von Berlin inne.
Nachvollziehbar, dass er in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel zu seinem Abschied sagte: „Ich habe immer für dieses Festival gekämpft, damit es wird, was es heute ist. Das habe ich nicht für Geld getan, sondern mit ganzem Herzen. Die Berlinale war beinahe mein Leben, wir haben sie wie ein Kind jede Nacht ins Bett gebracht.“

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Als Moritz de Hadeln das Amt 1980 übernahm, war die ganz große, kämpferische Zeit des deutschen und europäischen Autorenfilms zwar vorbei. Trotzdem standen die Regisseure und Regisseurinnen weiterhin mehr im Rampenlicht als die Schauspieler und Schauspielerinnen. 1982 gewann Rainer Werner Fassbinder mit „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ den Goldenen Bären, ein Jahr später hatte Margarethe von Trotta das Gefühl, für ihren Film „Heller Wahn“ „regelrecht geschlachtet“ worden zu sein.
De Hadeln navigierte das Festival durch die schwierigen Achtzigerjahre und die Zeit der Nachwende. Als Brückenbauer verstand er sich in den Zeiten des Ost-West-Konflikts und skizzierte seine Aufgabe so: „keine antikommunistischen Aktivitäten, keine antisozialistischen Aktivitäten und die Verpflichtung zu einer positiv humanistischen Einstellung.“
Faible für asiatische Filme
Nach der Wende interessierte ihn die politische Situation oft weniger, als dass er seinen Anspruch verfolgte, ein gutes Festival zu machen. Er leistete lieber Pionierarbeit, baute zum Beispiel wegen seiner Kontakte nach China, Malaysia, Indonesien und Thailand den Anteil asiatischer Filme auf der Berlinale aus, und organisierte zum 50. Geburtstag des Festivals im Jahr 2000 den Umzug aus der City West zum Potsdamer Platz.
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Als zu jung, um in Rente zu gehen, empfand er sich nach seiner Kündigung als Berlinale-Chef, da war er 61 Jahre alt. Prompt wurde er noch einmal zwei Jahre Direktor des Filmfestivals in Venedig, wo er verstärkt auf Hollywoodfilme und große Stars setzte, und später auch des neu gegründeten Filmfestivals in Montréal. Nun ist Moritz de Hadeln am Samstag in einem Krankenhaus in Nyon gestorben. Er wurde 85 Jahre alt.