Nach Skandal um Buchhandlungspreis: Berliner Buchladen „Prinz Eisenherz“ ausgezeichnet
Der queere Buchladen „Prinz Eisenherz“ in Berlin ist eine der besten Buchhandlungen Deutschlands. Das hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) am Freitag bekannt gegeben. Der Laden in der Schöneberger Motzstraße ist einer von drei Hauptpreisträgern des diesjährigen Deutschen Buchhandlungspreises.
Ausgezeichnet werden zudem die Aegis Buchhandlung in Ulm und der Leipziger Kinderbuchladen Serifee. Als „Besonders herausragende Buchhandlung“ dürfen sich zudem die Buchhandlung im Alten Rathaus in Damme, der Buchladen Ostertor in Bremen, der Esel auf dem Dach in Wittenberg, InterKontinental in Berlin-Friedrichshain und die Lyrikhandlung am Hölderlinturm in Tübingen bezeichnen.
25.000 Euro für das „Prinz Eisenherz“
Die drei besten Buchhandlungen erhalten eine Prämie von jeweils 25.000 Euro. Besonders herausragende Buchhandlungen bekommen jeweils 15.000 Euro. Für alle weiteren Preisträger gibt es jeweils 7000 Euro.
„Prinz Eisenherz“ wurde 1978 als erster schwuler Buchladen in Deutschland gegründet. „Wir freuen uns sehr und gratulieren auch allen anderen Preisräger:innen“, teilten die Betreiber:innen am Wochenende mit. Zudem übte der Buchladen deutliche Kritik: „Weil die Vergabe in diesem Jahr mit dem Skandal um den Ausschluss der drei linken Buchläden einherging und die eigentliche Verleihung auf der Leipziger Buchmesse von Wolfgang Weimar abgesagt wurde, wird uns leider die würdigende Aufmerksamkeit und auch Anerkennung genommen“, schreibt das „Prinz Eisenherz“ in einer Stellungnahme.
Seit Tagen führt der Ausschluss von drei linken Buchläden vom Buchhandlungspreis zu Debatten und Kritik. Weimer hatte die drei Buchhandlungen Rote Straße in Göttingen, Golden Shop in Bremen und Zur schwankenden Weltkugel in Berlin wegen „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“ von der Liste der Preisträger genommen. Dabei nutzte er das 2017 erlassene Haber-Verfahren. Dieses ermöglicht es Ministerien, den Verfassungsschutz zu konsultieren, bevor Fördergeld an zivilgesellschaftliche Einrichtungen vergeben wird.
Die Buchbranche reagierte empört. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte den Ausschluss der drei Buchläden in einer Stellungnahme scharf kritisiert: „Die Würdigung der kulturellen Leistung einer Buchhandlung von einer etwaigen politischen Ausrichtung ihres Sortiments abhängig zu machen, lehnen wir grundsätzlich ab“, heißt es darin. „Extremistische und terroristische Organisationen, Gruppierungen oder Einzelpersonen zu vermuten, wie sie durch das Haber-Verfahren erkannt werden sollen, bleibt äußerst fragwürdig, solange keine konkreten Anhaltspunkte offengelegt werden.“ Dieser Stellungnahme schloss sich auch das „Prinz Eisenherz“ an.
Wegen des Streits sagte Kulturstaatsminister Weimer die ursprünglich für die Leipziger Buchmesse geplante Preisverleihung ab. Unter anderem forderte die Linksfraktion im Bundestag den Rücktritt Weimers. In einer Aktuellen Stunde im Bundestag wurde am Freitag wiederholt Kritik an Weimer laut. Aus den Reihen der Opposition kamen erneut Rücktrittsforderungen auf. (mit epd)