Nach der Berlinale: Der Potsdamer Platz braucht eine neue Seele
Es fängt schon damit an, dass man nicht weiß, wo genau sein eigenes Zentrum sein soll. Und was er überhaupt sein will, das hat Berlin längst vergessen. Der Potsdamer Platz, den die Berlinale wieder kurz aus dem Winterschlaf gerissen hat, ist eine von Beton und Glas umstellte, zugige Leerfläche. Sie wird nun wieder in den Frühlingsschlaf fallen. Denn das einstmals neue Herz Berlins schlägt nicht von allein.
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Kaum jemand kann es sich leisten, hier zu wohnen. Es gibt vor allem Spielhallen und Shoppingmalls, die sehr zu kämpfen haben. Das Areal wird dominiert von der umtosten Potsdamer Straße, auf deren Mittelstreifen die Hollywoodkopie „Boulevard der Stars“ verrottet; rechts und links davon warten Büros und Hotels auf Neuigkeiten. Das alte Sony Center, das einst Träume von der Zukunft beherbergte, wirkt trotz Renovierung wie ein Lost Place.
Der Platz braucht mehr Veranstaltungen, die einen Grund liefern, hier überhaupt herzukommen.
Tagesspiegel-Autor Robert Ide
Zunächst war das Areal, auf dem einmal die Mauer stand, die Hoffnung auf ein drittes Berliner Zentrum im Zentrum, ein neu zusammengesetztes Herz der Stadt. Als die architektonisch aufwendigen Hochhäuser gebaut wurden, wurde das sogar mit einer Sinfonie der Baukräne gefeiert. Auf diese Idee würde heute keiner mehr kommen, obwohl längst wieder teuer gebaut wird.

Robert Ide Robert Ide schreibt unter anderem die Newsletter „Checkpoint“ und „Im Osten“ sowie Kolumnen über Liebe („Ins Herz“) und die Internationalen Filmfestspiele, die Berlinale. Er war lange Chef der Sportredaktion und der Berlin-Brandenburg-Redaktion sowie Geschäftsführender Redakteur. Robert Ide ist Buchautor, Moderator und Experte zur deutschen Einheit.
Der Potsdamer Platz braucht nicht weniger als eine neue Seele – und mehr Veranstaltungen, die einen Grund liefern, hier überhaupt herzukommen. Ein Musikfestival im Sommer wäre mal etwas: auf dem Areal des alten Sony Centers, vor und im jetzigen Berlinale Palast, im Innenhof der Mall of Berlin, in den angrenzenden Parks und auf dem Potsdamer Platz selbst – überall wäre Raum für neue Ideen, die Menschen verbinden.
Der derzeit kaum genutzte Parkstreifen hinter dem Potsdamer Platz sollte erschlossen werden durch Bäume, Sportgeräte, vielleicht eine Skateanlage. Nebenan soll immerhin das Kulturforum, bisher eine weitere trostlose Steinfläche, endlich begrünt werden.