Jüdische Kulturtage Berlin: Hauptausstellung aus Budgetgründen abgesagt

„Super Hero. Was macht einen Menschen zum Helden?“ lautete der Titel der Hauptausstellung der diesjährigen Jüdischen Kulturtage, die vom 12. bis 22. November an mehreren Orten in Berlin stattfinden. Wie die Jüdische Gemeinde am Freitag mitteilte, entfällt die für das Gemeindehaus in der Fasanenstraße geplante Schau nun aufgrund eines Finanzlochs im Gesamtbudget der Kulturtage. Entstanden ist es nach Auskunft der Jüdischen Gemeinde durch eine Finanzierungslücke von 150.000 Euro, die durch die Ablehnung beantragter Fördermittel zustande gekommen sei.

Für das Streetfood-Festival und die Eröffnungsveranstaltung der vom 12. bis 22. November stattfindenden Jüdischen Kulturtage habe die Jüdische Gemeinde zu Berlin insgesamt 150.000 Euro aus dem Antisemitismus-Präventionsfonds beantragt. Diese Anträge seien jedoch abgelehnt worden und führten zu einer „kurzfristigen Finanzierungslücke“. Als Konsequenz müsse nun die Ausstellung „Super Hero“ aus dem Programm genommen werden, in der sich Künstlerinnen und Künstler mit dem Phänomen der „Superhelden“ auseinandersetzen wollten.

Gideon Joffe, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die die Kulturtage mit einem breiten Programm aus Konzerten, Lesungen, Filmen, Theater und Ausstellungen alljährlich ausrichtet, sagt zu der Absage: „Jüdisches Leben wird politisch beschworen – und in der Realität fehlt das Geld dafür. Wenn jüdische Kultur ausgerechnet in diesen Zeiten gestrichen werden muss, ist das mehr als ein finanzielles Versagen: Es ist ein fatales politisches Signal“.

Jüdischen Kulturtagen Berlin,
Porträt von Gideon Joffe, Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin,
Credit: Jüdische Gemeinde zu Berlin
Gideon Joffe ist Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

© Jüdische Gemeinde zu Berlin

Laut der Sprecherin der Senatskulturverwaltung, Britta Elm, seien die Jüdischen Kulturtage aber schon Ende Juli über die von einer Jury gefällte und begründete Entscheidung zur Absage des Förderantrags informiert worden. Ein Grund für die Absage sei auch die Tatsache, dass die Fördermittel für das Jahr 2026 bestimmt seien, das nächste Streetfoodfestival der Jüdischen Gemeinde aber erst 2027 stattfände.

Die Kulturverwaltung fördert die Kulturtage

Die Kulturverwaltung unterstützt die Jüdischen Kulturtage laut Elm auch in diesem Jahr mit 290.650 Euro. Im vergangenen Jahr habe das Kulturfestival außerdem eine Einmalzahlung von 150.000 Euro aus dem Antisemitismus-Präventionsfonds erhalten.

Die Jüdische Gemeinde gibt in einer Stellungnahme zu den Angaben der Kulturverwaltung an, dass man seit dem Eingang des Ablehnungsbescheids vom 30. Juli intensiv nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten gesucht habe. Weil das erfolglos blieb, entschied man sich jetzt zur Absage der Ausstellung.

Drei Viertel der beantragten Fördersumme sollten der Eröffnung der Kulturtage und der Ausstellung „Super Hero“ zugute kommen – „dem inhaltlichen Zentrum der Kulturtage“ – und nur ein Viertel dem Streetfoodfestival, das im Juni 2027 stattfindet und im Rahmen eines zweijährigen Vergabezeitraums für die Jahre 2026 und 2027 durchaus förderungsfähig sei, wie es in der Stellungnahme heißt.

Die Jüdische Gemeinde beklagt ein massives finanzielles Gesamtdefizit, auch durch „zahlreiche verzögerte bzw. offene Förderbescheide der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt“, wie es weiter heißt. Die Streichung der Ausstellung sei die einzige Möglichkeit, das Defizit im Rahmen der Kulturrage teilweise aufzufangen. Eine inhaltliche oder qualitätsbezogene Begründung für die Absage der Fachjury habe die Jüdische Gemeinde nicht erhalten. Im Bescheid wird auf begrenzte Haushaltsmittel im Rahmen des Aktionsfonds Antisemitismus und auf Förderzusagen für 33 andere Projekte in den Jahren 2026 und 2027 verwiesen.