Jonas Kaufmann bei der Opus-Klassik-Gala: Die Klassik-Tipps der Woche für Berlin
Trauer, Trost, Glaube und Hoffnung entfalten sich bei Psalmvertonungen, die das Deutsche Symphonie-Orchester auf dem Programm hat.
Populäre Klassiker von Bach, Rachmaninow und Barber sind in dieser Woche zu hören, wie auch Beethovens komplette Violinsonaten.
Das sind unsere Klassik-Tipps der Woche für Berlin.
1 Beethovens Violinsonaten

© kaupo kikkas
Am 26. März 2027 jährt sich der Todestag von Ludwig van Beethoven zum 200. Mal. Die ersten dem großen Meister gewidmeten Konzerte und Zyklen laufen bereits. Besonderes ist im Pierre Boulez Saal zu erleben.
Das Belcea Quartet spielt bis April 2027 alle 16 Streichquartette. Das erste der sechs Konzerte fand Anfang Oktober statt. Violinistin Antje Weithaas und Dénes Várjon am Klavier steigen nun mit Beethovens zehn Violinsonaten ein, die zwischen 1797 und 1812 entstanden.
An drei aufeinanderfolgenden Tagen spielen sie jene Werke, mit denen Beethoven das Genre modernisierte. Er ließ Violine und Klavier meist gleichberechtigt agieren und legte sein Seelenleben offen. Zum Auftakt spielen Weithaas und Várjon, die die zehn Sonaten vor zwei Jahren auf drei Alben (CAvi) aufnahmen, u. a. die legendäre „Kreutzer-Sonate“. Ein kühnes, hochvirtuoses Werk von 40 Minuten Länge.
Im April sind die Violinsonaten dann noch einmal zu hören.Alina Ibragimova und Cédric Tiberghien spielen sie im historischen Klanggewand.
2 Psalmvertonungen mit dem DSO und dem Rundfunkchor

© Felix Broede
„D’un soir triste“ beginnt mit einem tiefen Streicherthema, bis sich die Musik nach vier Minuten wie zu einem Schmerzensschrei auftürmt, beendet von kurzen bedrohlichen Paukenschlägen. Es folgt ein Teil mit zarten Solo-Streichern, Harfe und Holzbläsern. Vielschichtig, eine Sinfonie in zwölf Minuten.
Lili Boulangers „D’un soir triste“ eröffnet einen Abend des DSO unter Ingo Metzmacher mit Psalmvertonungen. Darunter ist auch Lili Boulangers „Du fond de l’abîme“ („Aus der Tiefe“), eine Vertonung des Psalms 130 „De profundis“. Mit ersten Skizzen hatte sie bereits 1910 begonnen, fertig wurde das Werk ebenfalls erst kurz vor ihrem Tod. Gewidmet ist es ihrem verstorbenen Vater, der Gedanke an ihren eigenen nahenden Tod lässt einen jedoch nicht los. Es singen Mezzosopranistin Catriona Morison und der Rundfunkchor Berlin.
Andere musikalische Facetten der Spiritualität zeigen Strawinsky und Bernstein. Strawinskys kontrastreiche „Psalmensymphonie“ für Orchester und Chor gehört zu den bedeutendsten geistlichen Werken des 20. Jahrhunderts. Sie beruht auf den lateinischen Psalmen 38, 39 und 150 des Alten Testaments.
Strawinsky verzichtet hier auf Geigen und Bratschen. Dafür kommt das Werk mit üppig besetztem Schlagwerk und Bläsern (keine Klarinetten!) sowie zwei Klavieren daher. Romantisches Pathos wollte Strawinsky wohl vermeiden. Die „Psalmensymphonie“ ist ein rhythmisches, luzides, sakrales Werk.

© Gulliver Theis
Den Mann, dem eines der berühmtesten Zyklen des Barock gewidmet ist, kennt heute niemand mehr. Markgraf Christian Ludwig von Brandenburg stand in der preußischen Thronfolge weit hinten. Seine Verbindung zu Johann Sebastian Bach ist bis heute unklar.
Entstanden sind die sechs Brandenburgischen Konzerte in Bachs Zeit als Hofkapellmeister in Köthen und war vermutlich eine Art „Bewerbung“ beim Fürsten. Der ließ sie wohl nie aufführen.
Erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt, wurden sie im 20. Jahrhundert zu Welt-Hits. Ein maßloser, vielfältiger Zyklus, jedes Konzert mit eigener Klangwelt. Es spielt das Originalklang-Ensemble Freiburger Barockorchester.
4 Spielzeitfest der Komischen Oper

© Felix Löchner
Am Sonntag wird wieder der Opus Klassik verliehen. Stars wie Jonas Kaufmann, Alice Sara Ott, Sarah Willis und Alexander Malofeev geben sich live auf der Bühne die Ehre, Désirée Nosbusch moderiert. Es gibt noch wenige Restkarten (Show + Empfang). Die Gala wird aber auch im ZDF gezeigt (22:15 Uhr).
Kaufmann, Ott und Willis gehören zu den Preisträgern, wie auch u.a. Lang Lang, Andris Nelsons und Martha Argerich.
6 Staatskapelle mit Britten und Haydn

© Matthew Holler
Samuel Barber (1910-1981) gilt als der „amerikanische Romantiker“. Er war kein Freund der Moderne und komponierte Werke mit üppigen Melodien. Wie auch bei seinem beliebten Violinkonzert, in dem er verschwenderische Melodien mit Virtuosität verbindet. Im Rahmen der Reihe „Debüt im Deutschlandfunk Kultur“ spielt erstmals Violinistin Geneva Lewis mit dem Deutschen Symphonie-Orchester.
Geradezu legendär ist Rachmaninows schwelgerisches 2. Klavierkonzert, das auch Eingang in die Pop-Kultur fand. Ihre DSO-Debüts geben David Khrikuli am Flügel und Riley Court-Wood am Pult. Der Abend eröffnet mit Lili Boulangers „D’un matin de printemps“ („An einem Frühlingsmorgen“).