Kevin allein zu Haus: Dexys Midnight Runners: Diese Konzerte in Berlin sollten Sie nicht verpassen

Außer dem gut abgehangenen Soulpop der Dexys haben wir für Sie ausgesucht: Postpunk aus Wien und aus Nordengland, neunmalschlaue US-Indierocker, ein britisches Stimmwunder und ein Festival, wie es kein zweites gibt. Dies sind unsere Konzertempfehlungen für die nächsten Tage.

1 Dexys Midnight Runners

Dexys Midnight Runners
Alter Meister mit Helfershelfern: Kevin Rowland (Mitte) und Dexys Midnight Runners

© Jake Walters

Die souveräne Meisterschaft, die sich durch „Love“, das neue Album von Dexys Midnight Runners, zieht, lässt nicht erahnen, was für eine labyrinthische Geschichte diese Band seit ihrer Gründung vor fast 50 Jahren durchlebt hat.

Mehr als 50 Mitglieder haben in der Band gespielt, manche waren es nur ganz kurz, andere jahre- oder jahrzehntelang. Nur einer war immer dabei, weil Dexys Midnight Runners sein Baby, sein Lebenswerk sind: Sänger Kevin Rowland, eins der großen Originale der europäischen Popmusik.

Rowland, 1953 in Wolverhampton geborener Sohn irischer Eltern, gründete als modeaffiner Mittzwanziger 1978 in Birmingham Dexys Midnight Runners und hatte eine klare Vorstellung davon, was diese Band sein sollte.

Angewidert von der ostentativen Hässlichkeit der Punks, verordnete der ehemalige Friseur seinen acht Mitstreitern (inklusive Orgel und Bläsersektion) ein Shabby-Chic-Outfit, das am Look von Hafenarbeitern im New York des frühen 20. Jahrhunderts orientiert war.

Die Musik dieser jungen Wilden war sensationell. „Searching for the Young Soul Rebels“, das 1980 erschienene Dexys-Debüt, ist eine der großen Platten ihrer Epoche, ein glühendes Manifest einer (weißen) Soulmusik, die den schwarzen Vorbildern huldigt, ohne in bräsigem Nachspielen zu versinken.

Auf diesem (auch kommerziellen) Triumph hätten andere eine langfristige Karriereplanung aufgebaut. Nicht Kevin Rowland: Bis 1982 hatte er dem fast vollständig ausgetauschten Personal einen modischen und musikalischen Kurswechsel verordnet.

Auf „Too-Rye-Ay“ entdeckte er seine keltisch-irischen Wurzeln und kultivierte, nun mit Streichern, Banjo und Flöten statt Blechbläsern, einen eklektischen Folkpop, der in dem fulminanten Stomper „Come On Eileen“ gipfelte. Eine der größten Hymnen der Achtziger, sowohl in England als auch in den USA ein Nummer-1-Hit.

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Hatten 2016 eine ziemlich gute Idee: Aaron und Bryce Dessner.

© IMAGO/Capital Pictures

Das People Festival besitzt ein Alleinstellungsmerkmal, weil es nicht, wie auf Musikfestivals üblich, einen Ablauf mit festgelegten Bühnenzeiten gibt, sondern das Programm zu hundert Prozent aus kollaborativer künstlerischer Freiheit entsteht.

Eine Woche lang proben rund 180 Künstlerinnen und Künstler in den 40 Studios im Funkhaus Berlin. Am Wochenende öffnen sich dann die Türen für 5000 Gäste, die 200 Performances auf elf Bühnen erleben können.

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Postpunk aus Wien: My Ugly Clementine

© Mala Kolumna

Liebe My Ugly Clementine! Wir sind wirklich schwer angetan von eurem rotzcoolen Postpunkpop Wiener Bauart, der sich in seinen besten Momenten mühelos mit internationalen Spitzenformationen wie The Last Dinner Party oder Wet Leg messen kann.

Und wir sind begeistert über die Weiterentwicklung von eurem Debüt „Vitamin C“, das 2021 zum „European Independent Album Of The Year“ gekürt wurde, bis zum aktuellen Werk „Apply Autonomy“, auf dem ihr halsbrecherische Schlenker in eure den Neunziger-Gitarrenindierock feiernden Songs einbaut.

Aber warum musstet ihr die Platte in ein so grotesk hässliches Cover stecken, das jeden Dentophoben schreiend aus dem Zimmer rennen lässt? So geht Punk? Okay, das lassen wir gelten.

4 The Mountain Goats

The Mountain Goats
Doch nicht die nächste Adele: Freya Ridings.

© Loft/Promo

Als ihre dramatische Trauerbewältigungsballade „Lost Without You“, gepusht durch die Verwendung in der britischen Reality-TV-Show „Love Island“, zu einem der großen Hits der Jahre 2018 und 2019 wurde, galt Freya Ridings manchen als die nächste Adele.

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Wut macht Mut: Yard Act.

© Phoebe Fox

Eine Band, die größer ist als die Summe ihrer Teile. Das war das Fazit, das Produzent Justin Meldal-Johnsen (Beck, St. Vincent) nach den Sessions zum dritten Album des britischen Quartetts Yard Act zog.

Tatsächlich klingt das Werk mit dem charmant untertriebenen Titel „You’re Gonna Need a Little Music“ homogener als die wild zwischen Stilen und Stimmungen schlingernden Vorgänger.

Was manchmal auf Kosten der Originalität und Wucht der Stücke geht, aber der Gesamtwirkung dieser neben den Sleaford Mods schillerndsten nordbritischen Postpunk-Rocker der letzten Jahre zuträglich ist.