„Ich werde nicht ewig spielen“: Serena Williams und ihr letzter Stopp in Berlin?

Das Comeback von Serena Williams ist das beherrschende Thema bei den Berlin Tennis Open. Am Dienstag spielt die 44-Jährige im Doppel. Überall ist sie präsent: auf den Tribünen, in den Pressekonferenzen und in den Gesprächen der Fans auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß.

So viele Zuschauer hat das Turnier nach dem Neustart auf Rasen an einem Dienstag noch nicht erlebt. Das Steffi-Graf-Stadion füllt sich deutlich früher als gewohnt, auch wenn längst nicht jeder Platz besetzt ist. Viele Besucher sind vor allem wegen Williams gekommen. Eines ist offensichtlich: Der Superstar ist noch immer größer als das eigentliche Ereignis.

Die US-Amerikanerin, Gewinnerin von 23 Grand-Slam-Titeln, vierfache Olympiasiegerin und ehemalige Weltranglistenerste, kehrt vier Jahre nach ihrem Karriereende auf die WTA-Tour zurück. In Berlin spielt sie gemeinsam mit der Tschechin Karolina Muchova gegen Giuliana Olmos und Erin Routliffe.

Dass Williams und Muchova am Ende mit 4:6, 4:6 verlieren, spielt nicht die große Rolle, Serena zeigt sich hinterher sogar ganz zufrieden: „Ich habe mich ganz gut gefühlt, ein bisschen besser sogar als letzte Woche in Queens“, erzählt sie. Dort, in London, ist sie erstmals nach fast vier Jahren wieder zu einem offiziellen Match angetreten.

Seit zwei Monaten kursierten laut Andrea Petkovic, Director of Excitement des Turniers, erste Gerüchte. Als Williams sich wieder bei der Welt-Anti-Doping-Agentur anmeldete, wurde die Rückkehr konkreter. Schließlich kam die Bitte aus dem Lager der Amerikanerin, eine Wildcard fürs Doppel freizuhalten.

16.06.2026, Berlin: Tennis: WTA-Tour, Doppel, Frauen, 1. Runde. Muchova (Tschechien)/Williams (USA) - Olmos (Mexico)/Routliffe (Neuseeland). Karolina Muchova (2.v.r.) und Serena Williams (2.v.l.) bedanken sich nach dem Spiel bei Giuliana Olmos (r) und Erin Routliffe (l). Foto: Andreas Gora/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Am Ende blieb Serena Williams nur die Gratulation für die Gegnerinnen aus Mexiko und Neuseeland.

© dpa/Andreas Gora

„Das ist ein großer Unterschied. Man wird von allen Seiten darauf angesprochen und insgesamt ist die Aufmerksamkeit größer. Das wertet das Turnier auch auf“, sagt Petkovic. Selbst die aktuellen Stars werden so pötzlich wieder zu Fans. „Ich würde nicht gerne gegen sie spielen“, sagt die Amerikanerin Jessica Pegula lachend. „Wenn sie auf der anderen Seite des Netzes stehen würde, wäre ich ein bisschen nervös. Es wäre natürlich eine Ehre. Aber ich würde lieber mit ihr spielen als gegen sie.“

Für Pegula geht es dabei längst nicht nur um Tennis. „Sie hat gesagt, dass ihre Töchter sie spielen sehen sollen. Das ist etwas wirklich Besonderes für die Familie. Sie macht einfach das, worauf sie Lust hat.“ Tatsächlich sind beide Williams-Töchter im Stadion mit dabei, etwas „zu aktiv“ wie ihre Mutter später streng lächelnd bemerkt.

Die Gegnerinnen freuen sich einhellig über das Comeback

Auch Coco Gauff gerät ins Schwärmen. „Es ist großartig für den Tennissport“, sagt die 22-Jährige, inzwischen selbst der wohl größte Star im Frauentennis. Obwohl Williams so lange weg gewesen sei, habe sie ihre Ausstrahlung nie verloren. „Sie hat immer noch diese Aura.“

Und Gauff, die mit Pegula zusammenspielt, stellt lächelnd fest: „Im Doppel ist es vielleicht sogar noch beängstigender. Wenn die Bälle direkt auf dich zufliegen, weiß ich nicht, ob ich am Netz die Reflexe hätte, das abzuwehren. Vielleicht würde ich lieber wegrennen.“

Meine Tochter Olympia hat gesagt, ich soll mit Venus spielen. Und sie hat immer recht.

Serena Williams über ihren Doppelstart in Wimbledon 2026

Beide Amerikanerinnen geben zu: Wenn Serena sie gefragt hätte, hätten sie ihre jeweilige Doppelpartnerin sofort sitzen lassen – und niemand wäre deswegen böse gewesen. In Wimbledon wird sie in gut einer Woche an der Seite ihrer Schwester im Doppelfeld dabei sein. „Meine Tochter Olympia hat gesagt, ich soll mit Venus spielen. Und sie hat immer recht“, erzählt Serena.

Deutschlands Hoffnungsträgerin Eva Lys kann sich der Faszination ebenfalls nicht entziehen. „Serena ist eine Legende“, sagt die Hamburgerin. „Ich war immer traurig, dass ich sie nie live erlebt habe.“ Deshalb sei ihre Rückkehr ein Geschenk. „Sie bringt so viel Aufmerksamkeit auf das Damentennis. Für mich ist es eine tolle Erfahrung, die Anlage mit ihr zu teilen.“

Die Fans sind teilweise extra wegen Serena gekommen

Genau das spüren auch die Fans. Sylvia Fritz kaufte sich extra ein Ticket für Dienstag, nachdem sie von Williams’ Teilnahme erfahren hatte. „Ob sie jetzt noch etwas gewinnt oder nicht, ist eigentlich egal“, sagt sie. „Sie bringt so viel für den Tennissport, vor allem für den weiblichen.“

Sie könne nachvollziehen, warum Williams zurückkehrt. „Wenn man die Möglichkeit hat, noch einmal auf den Platz zu gehen, will man dieses Gefühl vielleicht einfach wieder erleben.“

Auch Furkan Özbeg, der erst spontan auf der Anlage von Williams’ Auftritt erfuhr, freut sich. „Jemanden zu sehen, der 23 Grand-Slam-Titel gewonnen hat, ist schon cool.“ Vielleicht habe sie nach ihrem Karriereende einfach gemerkt, was ihr fehlt. „Das kann ich ihr voll abnehmen. Das ist doch menschlich.“

Besonders langlebig wird ihr Comeback aber wohl nicht bleiben. „Ich werde nicht ewig spielen“, sagt sie nach der Niederlage. Fans und Kolleginnen dürften das schade finden.