„Hit Me Hard and Soft“-Tour im Kino: Billie Eilish lässt sich kratzen
Das Tourleben ist hart. Billie Eilish hat ziemlich viel Tape um ihren verstauchten Knöchel und ihre chronisch schmerzenden Schienbeine gewickelt. Und dann sind da auch noch ihre zerkratzten Hände, die aussehen, als sei sie in einen Kampf mit einer Katze geraten.
„Sind die von ihnen?“, fragt James Cameron. Er meint die Fans, denen der Popstar jeden Abend die Hand reicht. Einige sind so von Sinnen, dass sie ihr Idol dabei verletzen.
Die intensive Beziehung zwischen Billie Eilish und ihren Fans steht im Mittelpunkt des Konzertfilms, den der „Avatar“-Regisseur gemeinsam mit dem Popstar gedreht hat. Im Juli 2025 war Cameron bei den Konzerten von Billie Eilishs „Hit Me Hard and Soft“-Tour in Manchester dabei.
Laser, Flammen, Konfettiregen
Das Ergebnis ist jetzt im Kino zu sehen, natürlich in 3D – die Technik, die Cameron fürs Mainstream-Kino perfektioniert hat. Eilish scheint geschockt, dass sich der vielfach Oscar-prämierte Regisseur überhaupt für ihre Tour interessiert. „Das ist James Cameron“, sagt sie anfangs in eine Kamera, leicht ungläubig. Aber er ist da, um ihr Konzert zu einem Film zu machen, und tritt dabei immer wieder auch selbst in Erscheinung, in Szenen Backstage und in Gesprächen mit dem Popstar.

© dpa/Scott A Garfitt
Billie Eilishs Show ist minimalistisch: eine Bühne in der Mitte der Arena, auf der sie die meiste Zeit komplett alleine ist. Band und Background-Sängerinnen sind in eine Art Orchestergraben eingelassen. Dazu Laser, Flammen oder Konfettiregen, doch die Hauptattraktion ist Billie Eilish selbst, die mal über die Bühne sprintet, mal auf dem Rücken liegend Balladen singt, dann wieder die Menge zum Springen auffordert.
So aufzutreten komme von ihrer Liebe zum Hip-Hop, erzählt Eilish in der Doku. Von Rappern, die oft alleine auf der Bühne stehen und einfach mit dem Publikum interagieren, ohne großes Bühnenbild oder zahlreiche Tänzer. „Ich habe nie gesehen, dass eine Frau das macht“, sagt Eilish. Und deswegen steht sie alleine da, kommandiert die riesige Arena mit ihrer Starpower.
Das Sounddesign beeindruckt
James Cameron und sein Kamerateam fangen all das ein, mal mit dramatischen Flügen rund um die Bühne, mal ganz nah dran an Billie Eilish oder ihren Fans, mal nimmt Eilish die Kamera selbst in die Hand. Der Konfettiregen sieht in 3D toll aus, genau wie das Meer aus Smartphone-Kameras, die auf die Bühne gerichtet sind – immer wieder nimmt die Kamera die Perspektive der Fans ein. Ansonsten aber hätte es den Effekt nicht wirklich gebraucht.

Es ist eine Intensität der Beziehung, die es wohl nur gibt, wenn Stars sehr jung berühmt geworden sind – Billie Eilish war 13, als ihre Single „Ocean Eyes“ auf SoundCloud viral ging. Fünf Jahre später gewann sie mit ihrem Debütalbum „When We All Fall Asleep, Where Do We Go?“ den Grammy für das Album des Jahres, als jüngste Künstlerin überhaupt. Inzwischen ist Eilish 24: Sie und ihre Fans sind gemeinsam erwachsen geworden, haben die Teenagerjahre zusammen überstanden.
In der Doku erzählen viele Fans, dass sie „schwere Zeiten“ gehabt hätten, gemobbt worden seien. Einige sagen, dass Billie Eilishs Songs der Grund seien, dass sie überhaupt noch hier sind. Ziemlich viel Druck, mit dem der Popstar aber keine Probleme zu haben scheint. In einer Szene winkt sie Fans, die tagelang vor der Arena gecampt haben, von drinnen zu. Die Reaktion ist hysterisch, von überall kommen auf einmal Menschen angerannt.

© Henry Hwu/Paramount Pictures
Dann wieder sieht man sie mit Welpen aus dem Tierheim. Sie erzählt, dass viele aus ihrer Crew bereits Hunde adoptiert hätten. Die Szene erinnert ein wenig an Taylor Swifts „Eras Tour“-Doku, in der die Sängerin gezeigt wird, wie sie sechsstellige Boni an ihre Crew-Mitglieder verteilt. Ein wenig Heiligsprechung muss wohl immer sein in dieser Art von Film.