Daniel Kehlmann über seinen neuen Roman „Afrika“: „Marx hat fast alles Wesentliche zum Kolonialismus gesagt“

Herr Kehlmann, in Ihrem neuen Roman geht es um die sogenannte Afrika-Konferenz 1884/85 in Berlin, bei der die europäischen Großmächte den Kontinent unter sich aufteilten. Wie sind Sie zu diesem Thema gekommen?
Das war sehr ungewöhnlich für mich. In diesem Fall wurde das Thema von Volker Schlöndorff an mich herangetragen. Schlöndorff hatte seit Jahren Material gesammelt und eine regelrechte Obsession entwickelt mit dieser Afrika-Konferenz; er besaß Dokumente, Ausschnitte, Fotos und vieles mehr, um einen Film darüber zu drehen. Davon ist er aber abgekommen, und irgendwann hat er mir die digitalisierte Sammlung geschickt und gesagt: Mach‘ damit, was du willst. Ich war zunächst skeptisch, um es vorsichtig auszudrücken, ob ich irgendwas damit anfangen kann. Nach der Lektüre war ich aber so fasziniert wie er.