Die Klassik-Tipps der Woche für Berlin: Gefeierte „La Calisto“-Inszenierung jetzt auf der Bühne der Staatsoper
Im Musiktheater an der Wien wurde die Koproduktion mit der Staatsoper Ende September von Publikum und Kritik gefeiert: „La Calisto“ von Francesco Cavalli. Stefan Herheim inszeniert die frivole venezianische Barockoper als bildmächtige und revueartige Komödie. Jetzt ist „La Calisto“ im Rahmen der Barocktage (bis 27.11.) in Berlin zu sehen.
Daniel Barenboim feiert mit dem West-Eastern Divan Festival Premiere, das DSO und das RSB haben Sinfonisches im Programm und die Klangwerkstatt jede Menge Neue Musik.
Das sind unsere Klassik-Tipps der Woche für Berlin.
1 Yulianna Avdeeva

© Abrossimow, Maxim
2010 gewann Yulianna Avdeeva in Warschau als erste Frau nach Martha Argerich den Chopin-Klavierwettbewerb, der bekannteste und renommierteste seiner Art. Im Pierre Boulez Saal ist die Wahl-Münchnerin regelmäßig zu Gast. Bei ihrem heutigen Recital spielt sie Werke aus dem 20. und 21. Jahrhundert und natürlich Chopin.
Der junge Pierre Boulez komponierte seine Douze Notations unter dem Einfluss Schönbergs. Es folgt Ravels „Pavane pour une infante défunte“ und sein „Valses nobles et sentimentales“, der auf Schubert verweist. Dazwischen erklingt in deutscher Erstaufführung das für Avdeeva komponierte „Quiet Offering“ von Dai Fujikura. Chopins Études op. 25 bilden den Abschluss des Abends.
2 Klangwerkstatt

© Matthias Baus
Die Geschichte scheint barocküblich verworren, ist aber im Kern doch ganz einfach: Die Nymphe Calisto ist der Keuschheit verpflichtet, wird aber von Jupiter in Gestalt der Jagdgöttin Diana verführt und glaubt daraufhin, von einer Frau schwanger zu sein.
Jupiters eifersüchtige Gattin verwandelt Calisto zur Strafe in eine Bärin. Zur Begnadigung wird sie schließlich als Sternzeichen Großer Bär an den Himmel erhoben.
Bis dahin passiert aber ungeheuer viel, erläutert der Regisseur Stefan Herheim: „Die Welt ist aus den Fugen geraten und steht bereits zu Beginn der Oper in Flammen. Es gibt viele ambivalente Handlungsstränge und Figuren, die alle mit dem verzehrenden Feuer der Liebe spielen. Unter dem Gesichtspunkt einer moralischen Erbauung schielt das Ganze dermaßen, dass man sich in einer heutigen Gesellschaftssatire wähnt.“
Dabei wurde „La Calisto“ für die venezianische Karnevalssaison 1651 komponiert und sollte vor allem das zahlende Publikum mit einer unterhaltsamen Geschichte locken.
Die Handlung fand Francesco Cavalli in den „Metamorphosen“ des Ovid. Er erzählte sie aber vollkommen neu und anders.
„Bei Ovid dient die Calisto-Geschichte als Paradefall einer Frau, die Opfer männlicher Macht, Willkür und sexualisierter Gewalt wird. Im Libretto von Giovanni Faustini wird Calisto aber nicht von Jupiter vergewaltigt, sondern erfährt durch Jupiter alias Diana eine überwältigende sexuelle Lust, über die man im 17. Jahrhundert nicht sprechen durfte, über die man aber singen konnte“, so Herheim.

© Marco Borggreve
Die Uraufführung seiner 1. Sinfonie endet für den jungen Rachmaninow in einem Albtraum. Der Dirigent war offenbar betrunken, das Werk des zuvor gefeierten Komponisten fiel bei der Kritik durch.
Jahrelang komponiert er keinen Ton. Die mitreißende 1. Sinfonie feiert erst nach seinem Tod ein Comeback.
Wie Rachmaninow (als Pianist) ist auch Jörg Widmann Komponist und exzellenter Solist – jedoch an der Klarinette. Mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester unter Stanislav Kochanovsky spielt er seine virtuose Fantasie für Klarinette sowie als Kontrast seine wunderbare Elegie für Klarinette und Orchester.
5 Stasevska, Eberle & das DSO

© Anton Zavjyalov
Unter Stalin schwankte Schostakowitschs Leben zwischen Bewunderung und drohendem Gulag. 1947 komponierte er sein 1. Violinkonzert, das er lieber in der Schublade verschwinden ließ. Erst nach Stalins Tod kam das Werk, das dem Solisten fast keine Pause gönnt, zur Uraufführung.
Düstere, manische Übertreibungen wechseln mit Sarkasmus und einsamen, lyrischen Momenten in der Kadenz. Daniel Lozakovich spielt mit dem Utopia Orchestra unter Teodor Currentzis. Im zweiten Teil des Abends erklingt Strawinskys „Le sacre de printemps“.
7 West-Eastern Divan Festival