So gut ist der neu besetzte Kieler „Tatort“: Wirtschaftsverbrechen an der Förde

Kommissarin Mila Sahin ist nervös. Vielleicht bald ein neuer Job, neue Ambitionen, neue Kollegin, eine weibliche Leiche in der Kieler Förde, offenbar auch ein Fall von Wirtschaftskriminalität größeren politischen Ausmaßes. Dafür braucht es im ersten Kieler „Tatort“ nach dem Abgang von Kommissar Borowski alias Axel Milberg gleich zwei Teile: „Unter Freunden“ und „Unter Feinden“ (Sonntag, ARD, 11. und 18.10., 20.15 Uhr, ab Freitag zuvor in der ARD-Mediathek).

Der Neuanfang in Kiel ist auf jeden Fall jung und weiblich: Kommissarin Mila Sahin (Almila Bagriacik) hat sich auf die Nachfolge von Kriminalrat Schladitz beworben. Ihre neue Kollegin, Kommissarin Anna Nowak (Lilith Stangenberg), kennt sie von Polizeischultagen in Berlin.

Während die beiden an ihrem ersten gemeinsamen Fall arbeiten, muss sich Mila Sahin, vor der möglichen Beförderung, einer unangenehmen psychologischen Begutachtung durch Polizeipsychologin Elli Krieger (Karoline Schuch) unterziehen.

Elli Krieger und Sahin sind zwei Frauen auf Augenhöhe. Dabei bietet uns die Position meiner Kollegin als Polizeipsychologin noch mal ganz neue Perspektiven.

Almila Bagriacik über ihre neue „Tatort“-Kollegin, die von Karoline Schuch gespielt wird.

Im Fall jener toten jungen Frau an der Förde deutet alles auf ein Wirtschaftsverbrechen hin. Francesca Polidoro fühlte sich von ihrem Arbeitgeber, der Prometheus AG, einer Firma für Teleskoptechnik, unter Druck gesetzt.

Sie hatte heimlich Akten und Bilanzen verschwinden lassen. Das macht nicht nur die Kieler Firma sowie Investoren von Prometheus nervös, auch die Landesregierung ist bei dem Vorzeigeunternehmen involviert.

Die Ermittlungen verweisen zunächst auf eine Beziehungstat: Francescas Freund, der Sanitäter Nicky, hat offenbar ein Gewaltproblem. Der CEO von Prometheus scheint emotional auch nicht ganz unbeteiligt im Fall Polidoro, genau so wenig wie Sahins unwirscher Kollege aus dem Wirtschaftsdezernat Jan Kuper, den Sahin um Mithilfe bittet.

Verdächtige gibt’s also genug im – zweiteiligen – Fall Eins nach Borowski, den Lars Kraume („Borowski und das Haupt der Medusa“) als ziemlich straighten, düsteren Thriller-Krimi um Gewaltverbrechen und Korruption inszeniert und geschrieben hat (zusammen mit Rudi Gaul und Katharina Adler).

Etwas verwirrend zunächst die Personalie mit der Nachfolge von Axel Milberg. Ist es nun jene etwas exaltiert aus Berlin daherkommende Kommissarin Anna Nowak (Lilith Stangenberg) oder die coole Psychologin Elli Krieger (Karoline Schuch)?

Es braucht tatsächlich zwei mal 90 Minuten, um das zu entwirren und den Mörder oder die Mörderin von Francesca Polidoro zu finden. Ein passabler Start des neuen Kieler Ermittlerinnen-Duos.