50. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb: Die Teilnehmer stehen fest
Es kann eigentlich nur großartig werden dieses Jahr in Klagenfurt beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Allein, weil es so viel zu feiern gibt: Die 2026er-Ausgabe ist eine Jubiläumsausgabe. Der Wettbewerb, der 1977 unter anderem vom damaligen ORF-Intendanten Ernst Wilner gegründet wurde, findet dieses Jahr zum fünfzigsten Mal statt.
Was dann wiederum, von wegen Feier, in den letzten zwei, drei Jahren aufgrund von Finanzierungsproblemen zu Spekulationen führte, dieser 50. Wettbewerb könnte auch der letzte sein. So wie die Toten Hosen es gerade machen: Trink aus, wir müssen gehen!
Zu feiern aber gibt es auch die Namensgeberin des Wettbewerbs, deren 100. Geburtstag am 25. Juni just in diese Tage der deutschsprachigen Literatur fällt, die vom 24. Juni bis zum 28. Juni gehen: Ingeborg Bachmann. Vor dem Hintergrund dieser Jubiläen scheinen sich nicht nur die Verantwortlichen, die das Preisgeld für den Bachmann-Preis von 25.000 Euro auf 30.000 Euro erhöht haben, sondern auch die Jury so richtig ins Zeug gelegt zu haben bei ihrer Auswahl der Autoren und Autorinnen, die dieses Jahr lesen werden.
Es sind einige Bekannte darunter, und nicht von ungefähr war es der Ullstein Verlag, der als erster eine Meldung verschickte mit den Namen der Autorinnen und des Autors, die bei Ullstein ihre Bücher veröffentlicht haben.
Die Anziehungskraft des Bachmann-Preises in der literarischen Öffentlichkeit ist ungebrochen stark.
Karsten Kredel, Verlagsleiter von Ullstein
Gleich vier an der Zahl sind es: Kurt Prödel, Jovana Reisinger, Caroline Rosales und Slata Roschal. Was den Ullstein-Verleger Karsten Kredel gleich auch dazu animierte, nicht nur die „Vielfalt“ seines Verlages zu preisen, sondern auch den Wettbewerb: „Die Anziehungskraft des Bachmann-Preises in der literarischen Öffentlichkeit ist ungebrochen stark.“
Von Kurt Prödel mögen vor allem die schon viel gelesen haben, die einst bei Twitter unterwegs waren. So wie auch Clemens Setz, der über Prödel in seinem Twitter-Poesiebuch „Das All im eigenen Fell“ geschrieben hat, nachdem er ihn getroffen hatte: „Im Gespräch merkte ich relativ bald, dass er sich selbst gar nicht als Dichter verstand. Selbst Angebote von Verlagen, die es durchaus gegeben hatte, habe er lieber abgelehnt. Es war sehr lehrreich, einem Dichter zu begegnen, der es gar nicht sein wollte, es aber in jeder Äußerung war.“
Prödel hat sich eines Besseren besonnen, mit „Klapper“ ist 2025 sein Roman-Debüt bei Ullstein erschienen. In diesem Herbst folgt sein zweites Buch, „Salto“. Auch Jovana Reisinger, Caroline Rosales und Slata Roschal haben jeweils mehrere Bücher veröffentlicht und sind keine Unbekannten im medial-literarischen Betrieb. Zum Beispiel wurde Slata Roschal 2022 mit ihrem Romandebüt „153 Formen des Nichtseins“ für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Für den Deutschen Buchpreis ist 2025 auch Fiona Sironic mit ihrem Roman „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ nominiert worden, sie hat es sogar auf die Shortlist geschafft.
Der Berliner Autor Ozan Zakariya Keskinkilic hat vergangenes Jahr mit seinem im Suhrkamp Verlag veröffentlichten Roman „Hundesohn“ auf sich aufmerksam gemacht, so wie auch seit einigen Jahren die Schweizer Diogenes-Autorin Seraina Kobler, deren vierter Roman „Tal der Schwalben“ gerade erschienen ist.
Und so wie die Psychiatriekrankenschwester Lena Schätte, die 2020 ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig begann. Vor einem Jahr wurde Schättes Debüt „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ veröffentlicht, ein autofiktionaler Roman über das Aufwachsen in einer Familie mit einem schwer alkoholkranken Vater.
Ein Literaturfest, das Wort und Mensch in Einklang bringt.
Christian Scheider, Bürgermeister von Klagenfurt
Der Rest des Feldes könnte mehr zu den Entdeckungen gehören: die Berliner Künstlerin Gesche Heumann, der österreichische Sinologe und Schriftsteller Wolfgang Popp, die österreichische Autorin Magdalena Schrefel, der Künstler Christoph Szalay, ebenfalls aus Österreich, die ungarische Sprachwissenschaftlerin Kinga Toth, und die Bayreuther Autorin Dery Uzun, die noch nie etwas veröffentlicht hat, aber 2023 den Essaywettbewerb des Münchner Literaturfests gewann und an ihrem Debütroman arbeitet.
Insgesamt sieht das alles nach einem starken Jahrgang aus, wobei größere Namen und bisherige Erfolgsbücher oder literarische Achtungserfolge noch nichts über die Qualität der Texte aussagen, die schließlich gelesen werden. Und natürlich auch nichts darüber, wie es mit dem Wettbewerb weitergeht. Den Aussagen der Offiziellen bei der Verkündigung des Teilnehmerfeldes nach zu urteilen, kann von einer Depression oder einer Aufgabe des Wettbewerbs keine Rede sein.
So sagte die ORF-Landesdirektorin Karin Bernhard: „Die Zahl der bereits eingelangten Akkreditierungen für den Bewerb deutet darauf hin, dass der 50. Bachmannpreis vom internationalen Literaturpublikum gestürmt werden wird.“ Und Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider: „Wir als Landeshauptstadt Klagenfurt empfinden tiefe Freude, Austragungsort dieses ehrwürdigen Literaturfests zu sein, das Wort und Mensch in Einklang bringt.“
Nichts als Wohlklang also im Vorfeld dieser 50. Tage der deutschsprachigen Literatur. Wenn dann noch am Eröffnungstag die nach ihrem Sieg beim Bachmann-Wettbewerb 2020 ein zweites Mal berühmt gewordene Schriftstellerin Helga Schubert die Klagenfurter Rede zur Literatur hält, kann wirklich nichts mehr schiefgehen.