So gut ist der Kölner „Tatort“: Kinderfernsehstar in „Showtime“ unter Mordverdacht
Frank Anders ist ein Star. Generationen von Kindern sind mit seiner Fernsehshow „Sachen und Lachen“ aufgewachsen, die er zusammen mit seiner Frau Caro moderiert. Das Programm hat Kultstatus, das Kernteam der Show ist seit Beginn gleichgeblieben. Dann wird der Kameramann Stefan Glück ermordet im Kofferraum seines ausgebrannten Autos aufgefunden: „Tatort: Showtime“ (Sonntag, ARD, 20:15 Uhr).
Vorab: Das ist der seltene Glücksfall eines Krimis, der Augenzwinkern, Spannungs-Drama und philosophischer Ernst in einem ist.
Angefangen vom Namen des Opfers, Stefan „Happy“ Glück, bis hin zur Besetzung jenes Kinder-TV-Lieblings Frank Anders, dem Comedian Max Giermann hier mit beachtlich zynischem Talent die komische Maske vom Gesicht reißt. Immer ein bisschen drüber, der charmante Entertainer als abgründiger Narzisst – das muss man erst mal hinkriegen.

© WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valen/WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke
Und das von Anfang an: als jähzorniger Stinkstiefel auch für die Kölner Ermittler Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). Schnell merken die, dass es hinter den Kulissen der Kindersendung – und der Ehe von Caro (Silvina Buchbauer) und Frank Anders – bei Weitem nicht so harmonisch zugeht wie auf dem Bildschirm.
Ich wollte schon lange einmal mit Max Giermann arbeiten. Man kennt ihn vor allem aus dem Humoristischen, allerdings bringt er eine große Tiefe mit, somit passte es perfekt auf die Rolle des Kinderfernseh-Moderators.
Isabell Šuba, die Regisseurin des „Tatort: Showtime“
Immer wieder gerät Anders mit Yassin Meret (Erkan Acar), dem „Tapir“ aus der Sendung, aneinander, wenn die Kameras aus sind.
Narzisstischer Moderator, verpönte Schauspieler, offene Beziehungen, eine verschlossene Regisseurin, die überlastete, ausgebeutete Cutterin, ein verschuldeter Kameramann: Es ist ein höchst toxisches Arbeitsumfeld voller Eitelkeiten, Abhängigkeiten, Neid und Konkurrenzdruck sowie einer Handvoll Verdächtiger – bis ein zweiter Mord geschieht.
Ein „Tatort“, der hinter die Kulissen eines scheinheiligen Kinderfernsehens blickt und dort erschreckend viele Abgründe entdeckt, von „Tatort“-Regie-Debütantin Isabell Šuba ästhetisch reizvoll als tragische Burleske im Splitscreen inszeniert. Wir spielen eben alle nur Theater.
Dabei stehen die nach dem Abgang der Münchner Batic und Leitmayr nun auch schon dienstältesten „Tatort“-Kommissare Schenk und Ballauf (nach Fällen gerechnet) über weite Strecken ziemlich ratlos zwischen den Kinder-TV-Kulissen herum. Der heimliche Star dieses Krimis hat gegen alle Erwartung das letzte Wort.
Den „Tigerenten Club““ schauen wir jetzt mit ganz anderen Augen.