Toter Fahrradkurier im „Tatort“: War es mal wieder ein SUV-Fahrer?

Seltsamer Besuch bei einer Feier im Ludwigshafener Polizeipräsidium. Ein Fahrradkurier taucht abends auf, will eine Selbstanzeige machen und wird auf den nächsten Morgen verwiesen. Enttäuscht verlässt der junge Mann das Gebäude – und stirbt, weil er von einem Wagen überrollt wird: „Tatort: Sashimi Spezial“ (Sonntag, ARD, 20:15 Uhr).

Die Kommissarinnen Johanna Stern (Lisa Bitter) und Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) vermuten Vorsatz, zumal eine Fahrerflucht vorliegt und Helmkamera und Tablet des Toten verschwunden sind.

Stern hofft, mehr über den Toten und dessen Firma herauszufinden, nutzt spontan eine günstige Gelegenheit, um undercover als Kurierfahrerin anzutreten – sehr zu Odenthals Unwillen.

Die Kollegen beim Kurierdienst Velopunks begnügen sich mit der Unfallthese, auch weil sie die alltägliche Fehde auf den Straßen Ludwigshafens am eigenen Leib erfahren.

Medikamente- und Drogen-Transport statt immer nur Sushi

Dass hinter der Firma, die einst als selbstverwaltetes, idealistisches Projekt gegründet wurde, doch nicht alles so schiedlich-friedlich-harmonisch ist, wird spätestens dann klar, als der finster dreinblickende Unternehmer Benjamin Menz (Robert Stadlhober) auftaucht und bei den Velopunks mitmischt. Die lukrative Geschäftsidee für den Kurierdienst (und ein Mordmotiv): Medikamente- und Drogen-Transport statt immer nur Sushi.

Machen wir es kurz: Es braucht schon viel Fantasie und guten Willen, um das hier zum starken Krimi hochzujazzen. Schade eigentlich, dass eine der dienstältesten „Tatort“-Ermittlerinnen, Lena Odenthal alias Ulrike Folkerts, an der Seite von Lisa Bitter nicht mit besseren Büchern agieren kann.

Rohe Gewalt auf offener Straße, ungeschützte Fahrradkuriere im urbanen Raum, emotionale Wunden – aus dieser Gemengelage wäre mehr herauszuholen gewesen.

Ziemlich uninspiriert wird hier der Kurierfahrer-versus-Auto-Konflikt auf die gängigen Klischees reduziert. SUV-Fahrer sind die Bösen, laut und raumgreifend, die coolen, unangepassten Kuriere heißen, natürlich, Punks, Anarchie rules, David gegen Goliath etc. pp. Das alles rund um die wohlfeile Botschaft: Rebellion ist kein moralischer Freifahrtschein. Na gut.

Da wird’s auch nicht spannender, wenn um Sterns recht wirren Undercover-Einsatz ein Konflikt mit der Kollegin Odenthal konstruiert wird, sich der medikamentenabhängige Polizeichef verdächtig macht und Robert Stadlober einen schmierigen Unsympathen vom Allerfeinsten abgibt. Der „Tatort“ aus Ludwigshafen braucht dringend bessere Geschichten.