„Olympische Bewegung sollte nicht Aggressor zuspielen“: Selenskyj verleiht disqualifiziertem Skeleton-Fahrer Orden – und kritisiert IOC

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat dem Skeleton-Fahrer Wladyslaw Heraskewytsch den Orden der Freiheit und damit die zweithöchste Auszeichnung des Landes verliehen. Vorher war Heraskewytsch nach dem Streit um seinen Helm von den olympischen Wettbewerben ausgeschlossen worden.

„Sport bedeutet nicht Erinnerungslosigkeit, sondern die olympische Bewegung sollte den Krieg stoppen helfen und nicht dem Aggressor zuspielen“, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj auf sozialen Netzwerken. Olympia basiere auf Gerechtigkeit und der Unterstützung von Frieden.

„Wir sind stolz auf Wladyslaw und seine Tat. Mut zu haben bedeutet mehr als der Gewinn von Medaillen“, sagte der Präsident.

Russland begrüßte dagegen den Ausschluss des ukrainischen Skeleton-Piloten. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte der Sportzeitung „Sport-Express“: „Sport sollte nicht politisiert werden.“ Das Thema wurde breit diskutiert in dem Land, das wegen seines Angriffskrieges gegen die Ukraine bei Olympia nicht zugelassen ist und sich nur von einigen Sportlern mit neutralem Status vertreten sieht.

Auf dem Helm von Heraskewytsch sind Bilder von rund 20 Athletinnen und Athleten zu sehen, die infolge des russischen Krieges gegen die Ukraine ums Leben gekommen sind.

Wladislaw Heraskewytsch möchte seinen Helm mit den Porträts getöteter ukrainischer Sportler auch im Wettkampf tragen.
Wladislaw Heraskewytsch wollte seinen Helm mit den Porträts getöteter ukrainischer Sportler auch im Wettkampf tragen.

© dpa/Robert Michael

Vorher hatte sich bereits der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha zu dem Ausschluss geäußert. „Das Internationale Olympische Komitee hat nicht den ukrainischen Athleten gesperrt, sondern seinen eigenen Ruf. Zukünftige Generationen werden dies als einen Moment der Schande in Erinnerung behalten“, schrieb Sybiha bei der Plattform X.

Nationales Olympisches Komitee unterstützt Heraskewytsch

Am Verhalten von Heraskewytsch sei nichts falsch gewesen, äußerte Sybiha. „Er wollte einfach nur an die im Krieg getöteten Mitathleten erinnern“, schrieb der ukrainische Chefdiplomat.

Sybiha zufolge sind aufgrund der russischen Invasion seit 2022 650 ukrainische Sportler und Trainer getötet und 800 Sporteinrichtungen beschädigt worden. „Es sind die Russen, die gesperrt werden müssen, nicht die Erinnerung an ihre Opfer“, schrieb er.

Auch das Nationale Olympische Komitee gab dem eigenen Sportler Rückendeckung. „Heute startete Wladyslaw nicht, doch er war nicht allein – mit ihm ist und wird die gesamte Ukraine sein“, schrieb das Komitee bei Facebook. Wenn ein Sportler für „Wahrheit, Ehre und Erinnerung“ eintrete, dann sei das bereits der Sieg.

Eine Medaille ist wertlos im Vergleich zu Menschenleben und der Erinnerung an diese Athleten.

Wladislaw Heraskewytsch 

Heraskewytsch war im Disput um seinen Kopfschutz mit Bildern von im Krieg gegen Russland getöteten Sportkollegen nicht auf Kompromissvorschläge des IOC eingegangen und daher vom olympischen Wettbewerb ausgeschlossen worden. Diese Entscheidung traf der zuständige Weltverband IBSF.

Mit Tränen in den Augen hatte IOC-Präsidentin Kirsty Coventry das Scheitern des IOC im Helm-Streit eingeräumt. „Leider sind wir nicht zu einer Lösung gekommen. Ich wollte ihn wirklich heute im Rennen sehen. Es war ein emotionaler Morgen“, sagte die Chefin des Internationalen Olympischen Komitees.