Niederlage der deutschen Handballer : Diese Silbermedaille ist kein Rückschritt, sondern ein Versprechen

Es gibt Spiele, die man verliert – und solche, an denen man trotzdem wächst. Das Finale der Handball-Europameisterschaft gegen Dänemark gehörte für die deutschen Handballer zur zweiten Kategorie. Sie lieferten dem EM-Gastgeber am Sonntagabend einen leidenschaftlichen Kampf, überwanden einen Widerstand nach dem anderen und durften sich letztlich trotzdem nicht Europameister nennen.

Dieser Titel blieb dem dänischen Team um Welthandballer Matthias Gidsel vorbehalten, das sich in einem hochklassigen Finale verdient mit 34:27 (18:16) durchsetzte und damit das Maß aller Dinge im europäischen Handball bleibt.

Die DHB-Auswahl zeigte von Beginn an einen starken Auftritt. Sie ließ sich dabei weder vom Ausfall des wichtigen Kreisläufers Justus Fischer noch von der frühen Roten Karte für Abwehrspezialist Tom Kiesler oder den übermächtigen dänischen Fans in Herning beirren, sondern brachte das eigene Spiel auf die Platte. Es war am Ende aber schlichtweg nicht gut genug, um dem großen Favoriten im eigenen Land eine eiskalte Dusche zu verpassen.

Der Tenor im deutschen Lager lautete vor dem Spiel: Diesmal reicht uns Silber nicht. Diesmal geben wir uns nicht auf, so wie die Deutschen es noch beim letzten Finalduell mit Dänemark bei Olympia vor eineinhalb Jahren getan hatten. Sie wirkten vielmehr fest entschlossen, spielten erneut eine grandiose erste Hälfte in der Defensive, ließen vorne aber zu viel Chancen ungenutzt. Einmal mehr fanden sie in Dänemark ihren Meister.

Wenn man Europameister werden möchte – erst recht gegen diese Dänen – dann muss man über sich hinauswachsen. Ein überragender Andreas Wolff im Tor und eine stabile Abwehr reichen nicht. Es braucht auch die beste Version von Juri Knorr, die richtige Wurfauswahl, ein variables Offensivspiel. All das zeigte Deutschland phasenweise auf gutem Niveau. Um Dänemark ernsthaft zu gefährden, war es dennoch zu wenig.

Unabhängig vom Ausgang ist dieses Turnier ein Schritt nach vorn. Die deutschen Handballer sind gereift. Nach einem schwachen Start mit der Niederlage gegen Serbien in der Vorrunde steigerte sich das Team von Trainer Alfred Gislason von Spiel zu Spiel. Es hielt dem frühen Druck stand, trotzte der lauter werdenden Kritik und bestand auch in der Hammergruppe der Hauptrunde mit Dänemark, Frankreich und Norwegen. Im Halbfinale gegen Kroatien lief es endlich auch in der Offensive rund. Immer wieder stachen einzelne Spieler heraus und übernahmen Verantwortung.

Doch wenn der Gegner Dänemark heißt, laufen die Fäden plötzlich nicht mehr ganz so flüssig zusammen. Nicht zuletzt, weil Dänemark natürlich mehrere Handballer von Welktklasseformat in seinen Reihen hat.

Zehn Jahre ist der letzte EM-Titel Deutschlands her. Und das Warten auf den nächsten Triumph wird noch mindestens zwei Jahre weitergehen. Doch dieses Finale und die noch junge, aber gewachsene deutsche Mannschaft machen Hoffnung für die Zukunft.

Hoffnung darauf, dass in den entscheidenden Spielen schon bald keine ganz so große Lücke mehr zwischen Potenzial und Realität bestehen wird. Denn dieses deutsche Team kann deutlich mehr.